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    <title>Relation und Realität</title>
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    <dc:publisher>teildesganzen</dc:publisher>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
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    <title>Relation und Realität</title>
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  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/6226004/">
    <title>erste Verbindungen</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/6226004/</link>
    <description>Seite 134. So langsam zeigen sich Verbindungen zwischen den anfangs disparat erscheinenden Geschichten. Zwei Handlungsstränge treten dabei in den Vordergrund: Hal und sein Alltag im Tennis-Internat ETA (Enfield Tennis Academy) und die Konversation zwischen Marathe, einem Angehörigen einer terroristischen Rollstuhleinheit, die gegen die Annektierung Kanadas durch die USA (?) vorgeht, und Steeply, dem Angehörigen einer US-Einheit, der Marathes Kontaktmann ist, da Marathe als Doppel- oder Triple- oder Quadrupel-Agent fungiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazwischen gibt es kurze oder längere Kapitel, die zwar eigenständig sind, aber sich mit Einzelheiten auf die Bereiche Verbotene Substanzen und Kanadischen Terrorismus beziehen. Da gibt es z.B. den Drogensüchtigen, der versehentlich bei einem Raubüberfall einen kanadischen Funktionär umbringt, der als Koordinator zwischen den unterschiedlichen Seperatistengruppierungen dient; oder die depressive Kate, die ihr Drogen bei dem Typen mit den Schlangen im Tank kauft, der auch schon in der Geschichte mit Erdedy. Schließlich wird in der Unterhaltung zwischen Marathe und Steeply das Video erwähnt, das mittlerweile nicht nur dem arabischen Attaché sondern auch seiner Frau und diversen anderen Personen, die aufgetaucht sind, ins Gehirn gekrochen ist, und bei dem es sich anscheinend um eine Art Geheimwaffe handelt. Es bleibt also kompliziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hochinteressant ist die Unterhaltung Gerhardt Schtitts, dem Sport-Direktor von Enfield, und Hals jüngerem Bruder Mario, der anscheinend eine Art von körperlicher Behinderung aufweist, weswegen er keine Sport-Karriere beginnt wie Hal oder Orin. Schtitt ist Österreicher oder Deutscher, wobei ich den leisen Verdacht hege, dass Wallace diesbezüglich keinen großen Unterschied macht. Schtitt spricht über die unendliche Expansion nach Innen, die Tennis ist, bei dem der eigentliche Gegner man selbst ist, wobei dieser selbstzerstörerische Kampf paradoxerweise lebenserhaltend ist.</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>plaudernwährendlesen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2010-03-07T21:58:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/6199905/">
    <title>infinite jest: Einsamkeit und Routine</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/6199905/</link>
    <description>Ich bin noch nicht viel weiter, aber gestern, auf dem Weg zu einer Verabredung in einem japanischen Restaurant, vorbei am dunklen Uni-Park, habe ich überlegt, was für mich denn Erholung bedeutet. Dabei ist mir etwas aufgegangen, was alle bisher im Buch beschriebenen Erholungspraktiken, und auch meine eigene, gemeinsam haben: sie werden in Einsamkeit zelebriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollen wir niemanden in der Nähe haben, wenn wir uns erholen? Bedeutet die Anwesenheit von Anderen bereits zusätzlichen Stress? Hat es etwas mit der Liebe zur Heimlichkeit zu tun, die z.B. Hal beschreibt, der in diesem abgeschiedenen, nur durch Kriechgänge zugänglichen Pumpenraum dope raucht und dem die Verborgenheit mindestens genauso wichtig ist, wie das Rauchen selbst? Die Abgeschiedenheit, die Erdedy sucht, hat schon fast zwanghafte Züge und  besteht in einem komplexen Programm zur Vorbereitung und dem eher brüsken Abwiegeln jeglicher Kontaktaufnahmen. Ist sein Problem wirklich die Sucht nach Marijuhana oder ist es eher die Sucht nach der totalen Einsamkeit, nach dem Herausfallen aus der täglichen Routine, dem Verschwinden? Auch hier scheint die Vorbereitung und das sich-Verschließen mindestens genauso wichtig zu sein, wie die chemischen Substanzen, die eingenommen werden. Der medical attaché zeigt ebenfalls diese Parallelen von Erholung und völligem Rückzug auf, die hier mit der Unsichtbarkeit seiner Frau betont werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was neben der Einsamkeit ebenfalls bedeutsam zu sein scheint, ist eine gewisse Routine, die besser mit dem Begriff Zeremonie beschrieben werden kann: die Vorbereitungen Erdedys, das Aufsuchen des Verstecks zu einer bestimmten Tageszeit von Hal (der den Winter hasst, da das Versteck hier unzugänglich, und damit die Routine durchbrochen wird) das Essen vor dem Fernseher und das verlässliche Bereitstehen sowie der Konsum diverser Videokassetten vom Attaché. Man selbst kennt solche Bruchstücke von Zeremonien, wie z.B. der Keks oder die Schokolade zu Tee oder Kaffee, die möglichst zur immer gleichen Tageszeit eingenommen werden und allein durch dieses Gleichbleibende und die damit verbundene Verlässlichkeit schon irgendwie erholsam sind.</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>plaudernwährendlesen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-21T17:26:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/6198389/">
    <title>teildesganzen liest infinite jest</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/6198389/</link>
    <description>Neben mir liegt dieses Monstrum von Buch mit 1000 eng beschriebenen Seiten und einem Englisch, das ich so nicht in der Schule gelernt habe. Ich bin gerade auf Seite 54 und um mich zu motivieren, das Ding tatsächlich zu beenden, werde ich meinen Fortschritt hier im Blog dokumentieren. Die Idee ist sicherlich geklaut (sh. den blog wilde-leser) aber gleichzeitig auch ziemlich gut. Der Unterschied zu den ganzen Profi-Literaturwissenschaftler-Leseblogs ist natürlich der, dass ich überhaupt keine Ahnung von LitWi habe und eigentlich nur gerne lese. Also sind das hier eher unwissenschaftliche Leserfortschrittsblogeinträge eines passionierten Unterhaltungslesers.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein erster Eindruck: ich lese es im Original, und das ist tatsächlich nicht gerade einfach. Ich lese Bücher von anglo-amerikanischen Autoren eigentlich immer im Original, aber man merkt hier sehr deutlich, dass mit Wallace ein echter Sprachkünstler am Werk ist, der gerne seine eigenen Wortschöpfungen benutzt. Inhaltlich handelt es sich bisher um Berichte oder Ich-Erzählungen einzelner Protagonisten, wobei der Focus, falls es den denn gibt, auf Hal liegt, einem äußerst talentierten Tennisspieler, der jetzt ca. 17 Jahre alt ist und eine leicht psychopatische Familie hat. Daneben werden andere Figuren eingeführt, die vermutlich alle wieder auftauchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thema des Buches? Dem Klappentext zufolge: diverse Arten von Unterhaltung bzw. was Individuen darunter verstehen. Man sieht, ich bin völlig unbelastet (in anderen Worten: blauäugig) an dieses Buch herangegangen und lasse mich einfach mal überraschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ein Eindruck: die Charaktere und ihre Situationen, die seitenweise beschrieben werden, auch wenn noch so wenig passiert, hinterlassen nichtsdestotrotz einen gewissen, recht starken, Eindruck und auch wenn das Lesen manchmal zäh ist, war es noch nicht wirklich langweilig.</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>plaudernwährendlesen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-20T16:05:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/6190360/">
    <title>Occupied City von David Peace</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/6190360/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;115&quot; alt=&quot;occupied-city&quot; width=&quot;115&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/relationen/images/occupied-city.jpg&quot; /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 26. Januar 1948 kommt ein Mann nach Dienstschluss in eine Bank in Tokyo, zeigt eine Visitenkarte vor, die ihn als Arzt ausweist, und erzählt dem stellvertretenden Bankmanager, dass aufgrund eines Ausbruchs einer Diarrhöe-Epidemie eine Schluckimpfung aller Bankmitarbeiter notwendig ist. Die Schluckimpfung besteht aus einer komplizierten Prozedur, an der zwei Tinkturen beteiligt sind, und nach Einnahme der zweiten Tinktur sterben 10 der 16 Mitarbeiter sofort, zwei sterben später im Krankenhaus und vier überleben. Der Mann raubt die Bank aus und verschwindet. Nun beginnt eine riesige Polizeiaktion unter den Augen der Presse und Öffentlichkeit, in deren Verlauf weitere Verbrechen berührt werden, die die alten und neuen Machthaber Japans lieber im Verborgenen lassen wollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Peace nimmt dieses echte historische Ereignis zum Anlass, ein Bild der japanischen Nachkriegsgesellschaft zu zeichnen. Aus 12 Perspektiven wird der Raub beleuchtet und diese Perspektiven stehen stellvertretend für die Einflüsse, unter denen sich die Gesellschaft und die Stadt Tokyo (Japan?) nach dem Krieg entwickelt hat. Das Kaleidoskop entfaltet sich in einer Art Sceance, in der die Geister der Verstorbenen und die versehrten Seelen der Lebenden sich nacheinander einem Schriftsteller offenbahren, der ein Buch über die Ereignissen schreiben möchte, mit dem Ziel, einen unschuldig Verurteilten zu rehabilitieren. Dabei wirkt das Verbrechen wie ein Stein, der in einen schmutzigen, dunklen See geworfen wird, und dabei kleine, größere, private und organisierte Verbrechen und schließlich die schwarzen Seiten der japanischen Kriegsführung aufrührt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zwölf Erzählungen sind untereinander verbunden, beziehen sich aufeinander, wiederholen oder korrigieren sich. Sie sind so angeordnet, dass eine zeitliche Reihenfolge eingehalten wird: die ersten Stimmen sind die der 12 Toten, dann folgt einer der Detektive, die zum Tatort gerufen wurden. In dieser Erzählung werden mehrere Spuren aufgezeigt, u.a. wird ein Hauptverdächtiger eingeführt und Vermutungen in Richtung Biologische Kriegsführung geäußert. Beide Spuren werden in den folgenden Erzählungen weitergeführt. Zu den letzten Stimmen gehören der unschuldig Verurteilte sowie der echte Mörder, so dass der Plot trotz der Aufsplittung in verschiedene Erzählungen eine gewisse Entwicklung und Stringenz aufzeigt. Innerhalb dieses Entwicklungsstrangs sind die einzelnen Erzählungen in individuellen sprachlichen und formalen Stilen gehalten. Die Kapitel bestehen u.a. aus dem Inhalt eines Notizbuchs,  aus Briefen und militärischen Berichten, aus Zeitungsartikeln oder aus den Seiten eines Tagebuchs (inklusive der noch lesbaren Streichung einzelner Passagen), sie springen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, sind innerlich zerissen zwischen den unterschiedlichen Stimmen im Kopf eines Erzählers, oder zeigen sich als japanisches Puppenspiel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Occupied City ist der zweite Teil einer Trilogie über das Nachkriegsjapan, und wie der Vorgänger Tokyo im Jahr Null zeichnet es ein düsteres, deprimierendes, gewalttätiges Bild. Der Focus liegt im zweiten Buch sicher auf den japanischen Kriegsverbrechen gegen Chinesen und Russen im Zusammenhang mit Forschungen zu biologischen Kriegsführung, aber dieses  menschenverachtende Kriegsverbrechen wird in einen Zusammenhang mit den materiell-motivierten Verbechen der Yakuza gegen das eigene Volk, mit den Verbrechen aus politischen Motiven im Nachkriegsjapan, mit den Mitläufern in der öffentlichen Presse und mit den Lügen und Betrug gegenüber  Familie und Partner gestellt. Die Berichtenden erscheinen alle gleichzeitig als Opfer und als Täter, sie fühlen sich schuldig (manchmal nur dadurch, dass sie überlebt haben) und sie werden selbst betrogen, verletzt oder getötet. Niemand ist Herr über sein eigenes Leben, sie sind in eine Gegenwart verstrickt, die ihrerseits aus einer blutigen Vergangenheit hervorgekrochen ist, sie sind in Strukturen verwickelt, die sie nicht durchblicken, sie stehen in Abhängigkeiten, denen sie nicht oder nur durch Kapitulation entrinnen können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur die Stimmen zu Beginn und am Ende des Buchs, die Ermordeten und die Mutter eines der Toten, sind ganz ohne Schuld, sie sind die reinen Opfer, aber ihr Verlust hat keinen Sinn, letztlich scheint ihr Opfer umsonst zu sein. Die Chance, die sich durch den Banküberfall und den Mord in Bezug auf die nicht aufgearbeitete Vergangenheit ergeben hat, wird nicht genutzt. Und so bildet das Verbergen der Kriegsverbrechen den Sumpf, aus dem sich die kriminellen und korrupten Strukturen der Nachkriegszeit (und der Gegenwart?) nähren. (In einem kurzen Nachwort stellt Peace heraus, dass der unschuldig Verurteilte trotz mehrerer Versuche noch immer nicht rehabilitiert ist).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein eigenes Urteil: ein wirklich großartiges Buch. Es besticht durch die originielle sprachliche und formale Darstellung, durch die eindrucksvolle Ausdrucksweise und den sehr berührenden Versuch einer Annäherung an die Geschehnisse und an die Menschen. Es ist nicht immer leicht zu lesen, teilweise wirkt Darstellungsweise überzogen, die Wiederholungen, die bereits im Vorgänger aufgefallen sind, nerven manchmal. Aber der übergreifende Eindruck, den dieses Buch hinterlässt, ist fast schon überwältigend.</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>Krimilektüre</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-15T14:37:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/6187578/">
    <title>Die verpasste Chance der Helene Hegemann</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/6187578/</link>
    <description>Literatur ist für mich ein Netzwerk, das horizontale und vertikale Verbindungen aufweist. Die horizontalen Verbindungen sind die Referenzen, Ideen, Fragen, Ausdrücke und Zitate der gegenwärtigen Literatur in all ihrer Form, sei es Romane, Zeitungsartikel, Blogs, wissenschaftliche Abhandlungen oder Comics. Die vertikalen Verbindungen sind die Referenzen, Zitate, Bezüge, Umformungen früherer Literatur, Bücher der Vergangenheit, Klassiker, Kanon. Jedes Stück Literatur ist in dieses Netzwerk eingebettet, keines steht für sich allein. Literatur lebt von Vergleichen, Weiterentwicklungen, Neuformulierungen, vom Aufgreifen und Wiederverwenden  daneben natürlich auch vom Neuen, Anderen, Unerwarteten, das aber nur neu und unerwartet ist vor dem Hintergrund von etwas Bekanntem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hegemann und ihr Buch Axolotl Roadkill, das ich nicht gelesen habe, sind Gegenstand einer Diskussion,die sich in diesem Themenkreis bewegt. Ihr wird vorgeworfen, u.a. aus einem Buch und einem Blog des Bloggers Airen nahezu wörtlich zitiert zu haben und sie verteidigt sich damit, dass sie Angehörige einer Zeit ist, die das eben so macht, dass für sie&lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~E2554FF3EE0594DA09A14DAAF6A135A68~ATpl~Ecommon~Sspezial.html&quot;&gt;die Aufnahme von Bezügen aus Internetforen, Blogs, Liedtexten und Büchern künstlerisches Programm und kein Zeichen von eigener Ideenlosigkeit (ist)&lt;/a&gt;  Und die Kritiker fangen nervös an zu hampeln. Was ist das jetzt schon wieder? Wie jetzt reagieren? Grundsätzlich ist es ja unmoralisch zu klauen. Aber andererseits, wenn die neue Generation des jetzt so macht? Wenn das innovativ ist? Sind wir jetzt alt und unflexibel?  (so jedenfalls mein Eindruck) Und dann tauchen in dieser Diskussion immer zwei Komponenten auf: Frau Hegemann selbst und das Problem Urheberrecht/Originalität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Hegemann selbst ist 17, sie jung, gibt sich ein wenig unbedarft (jedenfalls bei Harald Schmidt, aber vielleich war das ja auch nur Masche, von wegen: das überfordert mich alles total, ich spiel mit meinen Haaren und ihr seid dann mal schön nett zu mir, .) und so richtig traut sich keiner, ihr mal die Meinung zu sagen, was für mich ein Zeichen dafür ist, dass sie keiner für voll nimmt. Harald Schmidt hat sie gefragt, ob ihr Alter in den Diskussionen eine Rolle spielt, und natürlich tut es das. Sie sagt, darüber will sie gar nicht reden, aber gleichzeitig kann sie nicht leugnen, dass sie die hibbelige Attitüde einer Jugendlichen hat, die zum ersten Mal im Rampenlicht steht und es einerseits total genießt und andererseits das ungute Gefühl hat, dass das alles leicht nach hinten losgeht (das zumindest unterscheidet sie von den publicitygeilen Talkshowbesuchern, die dieses Gefühl noch nie hatten). Und selbst ein Harald Schmidt kann in dieser Situation nicht anders als ihr immer wieder zu versichern, dass sie ja so intelligent und eloquent sei, eiteitei, was hochnotpeinlich anzuschauen war. Ihre Jugend zeigt sich auch darin, dass sie anscheinend noch immer nicht begriffen hat, was da gerade mit ihr passiert; dass sie verheizt wird. Was sie gemacht hat, war völlig ok. Sie war kreativ, was viele Jugendlichen tun oder tun sollten, sie hat sich ausprobiert, sie hat gespielt. Sie hat sich mal so richtig ausgekotzt und vielleicht auch ihr Leben literarisch aufgepimpt. Das ist erlaubt und ok. Was nicht ok ist, sind die Erwachsenen, die ihr eingeredet haben oder sich von ihr haben überreden lassen, dass man dieses Ausprobierte veröffentlichen soll, nicht nur ohne irgendeine Prüfung, für die es vielleicht anfangs keinen Anlass gab, aber auch ohne Interesse, was dieses Buch (und vor allem der Inhalt) aus ihr machen wird. Für Verleger ist der Inhalt heißer Scheiß und die Form Jugendsprache, und das kann man hervoragend vermarkten und was letztlich aus dem Autor wird, ist ihnen ziemlich egal. Frau Hegemann denkt wahrscheinlich, wenn sie erst mal den Fuß in der Tür hat, ist sie auch schon mitten im Literaturbetrieb, aber das hat bei Francoise Sagan auch nicht funktioniert. Manchmal hat man den Fuss eben in der falschen Tür. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der andere Aspekt ist das Urheberrecht und Frau Hegemanns Äußerung, dass die Internetgeneration sich im Internet bedient. Das greift für mich ein wenig auf das Google-Settlement-Problem herüber, auf das MP3-Problem, auf die Grenzen von Öffentlichkeit im Internet. Und hier hat Frau Hegemann in meinen Augen eine riesige Chance verpasst, weil sie eben nur einen weiteren coming of age-Roman veröffentlicht hat, einer von vielen in der langen Reihe vom Fänger im Roggen bis zu Twelve. Jedes gute Buch hat mehrere Reflexionsebenen, und wenn Frau Hegemann schon auf eine Art Collagentechnik beim Schreiben zurückgreift und diese auch nur wenig verschleiert, hätte sie genau dieses Vorgehen zum (Meta-)Thema machen können. Sie hätte es offensiv angehen können, anstatt es unangesprochen zu lassen (und ins offene Messer zu laufen), sie hätte die Collage explizit zur Kunstform erheben, zu ihrem Markenzeichen oder auch zum Markenzeichen ihrer Generation machen können. Schriftsteller, die zu diesem Thema befragt wurden, sagen, es ist ok zu zitieren, wenn man das Zitat kenntlich macht. Aber grundsätzlich kann man auch über das Zitieren selbst reflektieren, über die Art und Weise wie man mit den Quellen umgeht, ob die Grenzen zwischen Quellen und dem eigenen Schreiben verschwinden dürfen oder ob sie es unwillkürlich tun, ob öffentlicher Zugriff auf etwas Geschriebenes auch bedeutet, dass man es als etwas Eigenes ausgeben darf, ob das was Frau Hegemann schreibt nun auch für andere als Versatzstücklager zur Verfügung steht, usw. - und diese Reflexionen literarisch explizit machen. Das wäre dann vielleicht ein Buch geworden, das nicht nur für die Sensations-Hype-Leser und Liebhaber von Kacke-Ficken-Kotze-Literatur interessant wäre.</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>abgrenzen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2010-02-13T14:58:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/6136202/">
    <title>Bolano-Freaks</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/6136202/</link>
    <description>lesen auf &lt;a href=&quot;http://www.wilde-leser.de&quot;&gt;Wilde Leser&lt;/a&gt; das preisgekrönte Werk &quot;Die wilden Detektive&quot; von Roberto Bolano, dem total verrückten, aber vermutlich ziemlich genialen, und leider verstorbenen, chilenischen Schriftsteller. Da ich mich durch 2666 allein kämpfen musste, lese ich diesmal simultan die Detektive mit, in der Hoffnung, ein wenig Licht in das chaotische Sammelsurium zu bringen.</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>einloggen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2010 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2010-01-13T20:08:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/5958495/">
    <title>Die Zeit, London und ich</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/5958495/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;170&quot; alt=&quot;Hydepark&quot; width=&quot;531&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/relationen/images/Hydepark.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wohin ist nur die Zeit verschwunden? Erst Sonntag sind wir nach London gefahren, standen auf dem Bahnhof in Köln, mit dem obligatorischen Frühstück auf dem Bahnsteig vor Städtereisen, saßen dann schon im Zug nach Brüssel und starrten aus dem Fenster, bevor wir uns den mitgebrachten Netbooks widmeten. In diesem Moment war ich mir noch nicht bewusst, dass die Zeit an mir vorbei fliegen würde, so dass ich sie vergessen habe, über dem pdf-Dokument, im Zug nach Belgien. In Belgien hatten wir mehr Zeit als genug, weil wir den Eurostar erst zwei Stunden später gebucht hatten. Also haben wir unsere Koffer in ein Schließfach gesteckt und sind über den Markt vor dem Gare Midi gelaufen, durch die guckende und kaufende Menge, vorbei an zu bunten Klamotten aus Kunstfasern für zehn Euro, an rohem Fleisch und Bergen von Gemüse. Die Zeit flog hinter uns her, während wir im Eurostar durch den Tunnel sausten und ich wieder lesend vergaß, dass die Zeit existiert. In London holte sie uns ein, und wir drängelten uns gemeinsam mit den Londonern und den Touristen durch Soho und Covent Garden an diesem sanften Sonntagabend, an dem alles so leicht und schwebend schien  bis, ja bis wir in der Pizzeria saßen und mir kalt wurde. Mein Hals schmerzte auf dem Weg zurück ins Hotel und jeder, der mir entgegenkam blockte mich wie ein nervendes Hindernis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann stand die Zeit still in dieser Nacht, in der ich nicht schlafen konnte, in der dunkle Wolken von Begriffen in meinem Kopf steckten, Probleme, die ich nicht verstand und deren Sinn vor mir schwand in Richtung eines Horizontes, den ich nie einholen würde. In den klaren Momenten fragte ich mich, ob ich den Rest dieser Kurzreise im Bett verbringen würde und versuchte gleichzeitig, nicht über Konsequenzen nachzudenken, die mich nur noch mehr aufwühlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann war die Nacht vorbei, und ab da war die Zeit immer vorne weg. Sie lief ohne sich umzublicken, während ich den Morgen im Bett verbrachte und versuchte mich gesund zu schlafen. Am Nachmittag schlich ich wie eine alte Frau über die knallige und laute Oxford Street, und flüchtete zurück zum Hotel und in die ruhige Weite des Hyde Park, wo ich in der schwachen Nachmittagssonne auf einer Bank saß und Kaffee trank. Hier schien die Zeit ein wenig zu verweilen, sie war mit mir, als ich zur Orangerie des Kensington Palace spazierte und die sorgfältig abgerundeten Buxbaumhecken fotografierte, um die gediegene Unaufgeregtheit eines englischen Nachmittags festzuhalten. Die Zeit hielt Schritt im versunkenen Garten, wo sich die sprühenden Tropfen der Fontänen im aufblitzenden Licht der Sonne brachen und der Herbst die Blumenbeete eroberte. Am See verabschiedete sich der Sommer in Form der letzten aufgeklappten Liegestühlen, deren gestreifte Sitze vom Wind zu Bogen geblasen wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als wenn sie über Nacht neuen Treibstoff getankt hätte, flog die Zeit am Tag darauf und entfernte sich immer weiter von mir. Sie tanzte vor uns her in Camden, wo wir sie schnell zwischen Taschen aus Kunstleder, schwarzer Gothik-Spitze und quitschigem Harajuku-Kitsch verloren haben. Als wir im Spitalfield Market nur noch beobachten konnten, wie die Händler die Waren mit beiden Händen von den Stangen schoben und in große Taschen verstauten, zeigte mir die Zeit den erhobenen Zeigefinger und begann sich zu drehen, schneller und schneller. Der Wirbel riss mich durch die verheißungsvolle Abgewracktheit der Bricklane und schleuderte mich zu Seven Dials, wo die Zeit entgültig in den sternförmig angelegten, von Schaufenstern gesäumten und mit Menschen verstopften Straßen verschwand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag schnippte sie mit den Fingern und zauberte uns zurück auf den Bahnhof in Brüssel, wo ich mir die Augen rieb und mich fragte, ob ich wirklich schon fortgewesen bin.</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>Sein</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-24T13:18:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/6136138/">
    <title>The Likeness von Tana French</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/6136138/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;115&quot; alt=&quot;thelikeness&quot; width=&quot;115&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/krimiblogger/images/thelikeness.jpg&quot; /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cassie Maddox, die Partnerin von Rob Ryan im Erstling In the Woods, schlüpft im zweiten Krimi von Tana French in die Hauptrolle. Sie ist noch immer traumatisiert von der Operation Vestal  und von einer weitere Begebenheit, die erst auf den allerletzten Seiten des neuen Buchs aufgedeckt wird. Aufgrund des Fiascos der Operation Vestal wurde sie in die Abteilung Domestic Violence versetzt,  ist nun aber fest mit Sam zusammen, dem Dritten im Bunde aus In the Woods.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch versucht, ihre alte Unbekümmertheit wieder zu finden, holt ihre berufliche Vergangenheit sie ein, auf die in In the woods bereits angespielt wurde. Ihr Vorgesetzter aus der Abteilung Verdeckten Ermittlung stößt auf eine Leiche, die nicht nur eine alte, erfundene Identität von Cassie benutzt, sondern auch noch genauso aussieht wie sie. Und er hat eine verrückte Idee: Cassie soll den Platz der Toten einnehmen, und so helfen, den Mörder zu finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tana Frenchs Debut In the woods ist ein außergewöhnlich guter Krimi, weil  nicht versucht wird, aus gängigen Mustern  auszubrechen, sondern weil mit diesen Mustern gespielt wird. So ergibt sich ein psychologisches Verwirrspiel, das auch den Leser mit einbezieht. Die Erwartungen an The Likeness waren daher sehr hoch und konnten  nicht voll erfüllt werden. Dennoch bricht Tana French weiterhin sehr charmant mit Krimikonventionen, indem sie sie konserviert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist zum einen die Art der Fortsetzung, der Verknüpfung beider Bücher. Die Charaktere aus dem Vorgänger werden übernommen, aber der Protagonist wechselt. Damit wechselt auch die Perspektive des Rückblicks auf In the Woods, Rob und die Operation Vestal, auf die in The Likeness oft angespielt wird. Zum anderen werden inhaltliche Leitmotive übernommen und weitergeführt. Die herausragende Rolle, die bei In the woods von den drei Freunden gespielt wurde, wird in The Likeness  übernommen und gleichzeitig in Begriffe und Vorstellungen von Familie transferiert. Die Eltern von Cassie sind gestorben, als sie noch sehr klein war, und die Clique, in die sie sich nun einschleicht, weist eklatante Familienstrukturen auf. Zudem wird die Andeutung von Schizophrenie in Bezug auf Rob sowie der Moment des Zwillings, des Geistesvewandten in Bezug auf die drei Freunde bei In the woods im Nachfolger the likeness auf die Spitze getrieben. Cassie schlüpft hier in die Haut einer Anderen, deren äußerliches Spiegelbild sie ist, sie wird zu Lexie, und sie erfährt im Laufe der Zeit erhebliche Abgrenzungsprobleme. Die Rolle von Lexie wird auch vor dem Hintergrund von Lexies Geschichte, die langsam aufgedeckt wird, zur ernsthaften Alternative für Cassie, die aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen möchte und in der Clique und in Lexies scheinbar unbekümmerten, gedankenlosen Charakter und ihrem Lebenskonzept Zuflucht findet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier weiß Tana French wieder, was der Leser möchte, um ihn gleichzeitig zu verführen und (auf psychologische Art und Weise) vorzuführen. Aber diesmal klappt es nicht ganz so gut  vielleicht weil man aus In the woods vorgewarnt ist. Der Eyecatcher von the likeness, die Clique, macht einen leicht stereotypen Eindruck, nicht zuletzt, weil sie sehr an den elitären Zirkel in dem ausgezeichneten Buch Eine geheime Geschichte von Donna Tart erinnert.  Zudem wirken die ständigen Anspielungen auf In the Woods etwas penetrant, und die Entscheidungen Cassies im Verlauf der Geschichte sind nicht immer nachvollziehbar. Dennoch ist die Geschichte spannend und äußerst unterhaltsam (abgesehen von ein paar Längen, die andern Lesern vielleicht mehr auffallen als mir). Die Idee mit der Doppelgängerin ist attraktiv, und bietet jede Menge Raum für Spielchen und Cliffhanger, die die Autorin auch mit vollen Händen auftischt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleibt abzuwarten, wie der (hoffentlich) nächste Band von Tana French sich entwickelt. Nach der Lektüre von zwei Bänden scheint es, als ob French ihre eigenen Lieblingsbücher noch einmal schreiben, ihre heilen Welten schriftstellerisch ausleben möchte. In the likeness beschreibt Cassie einmal, dass das Leben in der Clique wie eine Szene aus ihrem Lieblingsfilm ist, die plötzlich lebendig wird. So ähnlich empfindet man bei der Lektüre von The Likeness hinsichtlich Tana French selbst. So lange es nicht in allzu offensichtlichen Stereotypen ausartet, ist gegen diese spezielle schriftstellerische Motivation auch gar nichts auszusetzen.&lt;br /&gt;
-----</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>Krimilektüre</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2009-08-28T18:36:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/5856256/">
    <title>die 68er und die heutige Jugend</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/5856256/</link>
    <description>Gestern saßen wir bei wunderbarem Wetter auf einer sehr schönen Terasse mit Blick auf die waldreiche Umgebung und haben mit einer netten und altersgemischten Gruppe gegrillt. So ab 0 Uhr kamen dann plötzlich politische und gesellschaftspolitische Themen auf den Tisch, also zu einer Zeit und mit einem Alkoholpegel, wo man das vielleicht doch lieber unterlassen sollte. Und so kam dann auch der Ausspruch, auf den man eigentlich in einem solchen Zusammenhang immer wetten kann: die Jugend von heute bringts nicht. Wenn man mal an die 68er denkt, was die noch alles geleistet haben...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestern konnte ich nur einwerfen, dass die 68er die letzte Generation war, die nicht mit dem Fernsehen sozialisiert wurden, aber heute mittag, bei Licht betrachtet, wird mir auf einmal die ganze Ungerechtigkeit der o.g. Phrase deutlich. Ich möchte die soap- und castingsüchtigen Internetsurfer unter 20 nicht in Schutz nehmen, aber muss sich die Jugend von heute wirklich mit den 68er vergleichen lassen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaugenommen waren die 68er doch genauso eine Spassgesellschaft wie die heutige Jugend und darüber hinaus lag die Effizienz der 68er allein in der Entwicklung neuer sozialer und individueller Lebensformen, also genau das, was die 00er auch für sich suchen. Die 68er trafen sich unter sehr allgemeinen Schlagworten wie &quot;Frieden&quot; zu Happenings und Demos, aber mir kann niemand erzählen, dass der Großteil von den Teilnehmern mit dem Ziel dorthin gegangen ist, seine politischen Ansichten zu diskutieren - sie wollten Leute kennenlernen, sie wollten dazugehöhren, und sie dachten, dass auf Demos in sexueller Hinsicht die Luzie abgeht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese politischen Schlagworte, die oberflächlich solche Veranstaltungen klassifizierten, waren nicht nur so allgemein, dass sie fast schon als leer gelten konnten, sie waren auch völlig unreflektiert und schon fast wieder gefährlich. So wurden dort politische Systeme als Alternativen propagiert, die sich im nachhinein als brutale Ditkaturen herausgestellt haben, deren Verschleiß an politischen Gegnern den Nazis nur wenig nachstanden. Ich glaube, in diesem Moment ist mir eine Jugend lieber, die sich nicht für Politik interessiert, als eine Jugend, die ohne zu überlegen einen Schlächter wie Ho Chi Minh glorifiziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war also so politisch an diese Generation? Jemand wie Rudi Dutschke, der sein Horkheimer-Adorno-Vokalbular genussvoll zelebriert hat, und seitenlange Phrasen von sich gegengeben hat, die niemand verstanden hat und die ihre Bedeutung wahrscheinlich unterwegs irgendwann mal verloren haben? Die 68er waren genauso vom Personenkult geprägt wie die Generation vor ihnen (Gott bewahre) und die Generationen nach ihnen. Personenkult ist nie gut, ob es sich nun um Rudi Dutschke und Andreas Baader handelt oder um Paris Hilton und Dieter Bohlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man böse ist, kann man auch lapidar feststellen, dass die einzige politische Wirkung, die die 68er hatte, über die RAF vermittelt war, und darin bestand, dass Gesetze verschärft wurden und Personenrechte eingeschränkt wurden. Und wenn wir gerade bei der RAF sind, kann niemand ernsthaft behaupten, dass dies eine Option für die heute Jugend ist, sich politisch zu betätigen, wobei nicht vergessen werden sollte, dass die RAF auch ihre (vielleicht anfangs mal irgendwann in der Person von Meinhof bestehenden) politischen Ziele gerne und umgehend zugunsten ihres eigenen Personenkults und um ihres eigenen Fortbestandes willens völlig vergessen haben und sinnentleert munter drauflos geballert haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich kann man sich auch fragen, wer denn die 68er, dieses ominöse Schlagwort, überhaupt kreeiert und glorifiziert hat, und da fällt mir spontan die Bildzeitung ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich, womit kann man die &quot;Jugend von heute&quot; überhaupt vergleichen? Eine echte Jugend gab es doch erst im 20. Jahrhundert. Vorher haben die Kinder auf den Höfen ihrer Eltern gearbeitet oder nach der industriellen Revolution in den Fabriken gearbeitet, wenn sie 10 Jahre alt waren. Also, wo sind die Vorbilder für die 00er, die in dieser Zeit entstanden sind? Die Hitlerjugend? Ganz toll. Also bleiben eigentlich nur die völlig überbewerteten, ineffizienten und spassorientierten 68er und wenn das die einzige moralische Bastion ist, gegenüber der sich die 00er verteidigen müssen, dann kann das keine große Herausforderung bedeuten.</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>abgrenzen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2009-08-02T10:40:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/6136139/">
    <title>written in bone von Simon Beckett</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/6136139/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;115&quot; alt=&quot;written-in-bone&quot; width=&quot;115&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/krimiblogger/images/written-in-bone.jpg&quot; /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Simon Beckett hatte mal das Debut des Jahres. Der Krimi The Chemistry of Death, mit dem schicken, ins Auge springenden schwarz-weißen Cover, war der Renner der Saison, das Hand-zu-Hand-gehandelte Buch, der Tipp, der immer ins Schwarze getroffen hat, das unfehblbare Geburtstagsgeschenk für jeden Krimileser. Ich kenne tatsächlich niemanden, dem der Krimi nicht gefallen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beckett-Krimis sind nicht unbedingt literarisch ambitioniert. Beckett schreibt schnörkellos, einfach, arbeitet mit den üblichen Spannungselemente, den bekannten Cliffhangern und liebgewonnenen aber unspektakulären Mustern. Aber eins kann er verdammt gut: er kombiniert diese Instrumente aus der Krimischreiber-Box zu spannenden Stories. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist vielleicht die Zeit für ein kurzes Abschweifen darüber, was ein Krimi leisten soll und kann. Der Kriminalroman ist ein Genre, das bestimmten Mustern folgt und bestimmte Erwartungen erfüllt  oder mit ihnen spielt. Einerseits will der Krimileser genau das; er hofft zu finden, was er an Krimis liebt: das Rätsel, die falschen Fährten, das Mitdenken, interessante Figuren, spektakuläre Auflösungen, die Spannung. Andererseits sind Krimileser aber auch anspruchsvolle Zeitgenossen. Sie wollen überrascht werden, sie wollen die Innovation, sie wollen die Weiterentwicklung des Genres. Eine paradoxe Situation für den Krimischreiber, der sich in einer ähnlichen Situation befindet, wie Bands, die für ihren eigenen Stil geliebt werden, und denen man gleichzeitig vorwirft, sich nicht weiterzuentwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beckett hat den Krimi mit The Chemistry of Death nicht neu erfunden, aber er hat eine sehr solide Arbeit abgeliefert. Nicht sehr lange danach erschien der zweite Band, in dem Dr. David Hunter die Hauptrolle spielt: Written in Bone. Der run darauf war groß, getragen vom Wunsch nach einer Wiederholung der heftigen Sucht, die der erste Band in vielen Lesern induzierte, getragen auch vom Vertrauen darauf, dass Beckett  mit seinem zweiten Band  nicht enttäuscht.Es ist gerade die Solidität des ersten Bandes, die dieses Vertrauen rechtfertigt, der Verzicht auf Innovation und auf Irritation, und das Beibehalten und Modernisieren von Miss-Marple-haften Versatzstücken. Beckett erfüllt das Qualitätsversprechen von altbekannten Marken. So gesehen ist Beckett die Nivea-Creme der Krimiautoren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht war das Versprechen von Qualität gerade der Grund dafür, dass ich den zweiten Band erst nach langem Zögern in die Hand genommen habe. Das Suchtflackern des ersten Bandes war genossen und abgeflaut. Es ist wie bei einer Sorte Schokolade, bei der man genau weiß, dass man sie mag und dass sie alle Bedürfnisse erfüllt, aber gerade deshalb ist sie keine Überraschung. Dann wählt man doch erst mal die Sorte, die man noch nicht kennt, auch wenn sie wahrscheinlich nicht so gut schmeckt, aber nichtsdestotrotz ist es das Andere, Unbekannte, dem man in diesem Moment den Vorzug gibt. Man kann sich leisten, enttäuscht zu werden, weil man im Notfall immer weiß, worauf man zurückgreifen kann. Manchmal trifft dieser Notfall auch nie ein, und dann isst man diese Schokolade nie mehr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also im Fall von Written in Bone war es kein Notfall. Tatsächlich habe ich den dritten Band zum Geburtstag bekommen und bin absolut nicht in der Lage, den dritten Band zu lesen, ohne den zweiten zu kennen. Es war also eher mit einem Gefühl von Pflicht, dass ich das Buch begonnen habe. Schnell ist aber genau das eingetreten, was zu erwarten war: man ist absolut gefesselt. Written in Bone ist wieder ein Klassiker im neuen Gewand, Agatha Christie meets CSI. Diesmal wird das Klaustrophobische des ersten Bandes noch gesteigert, indem es Hunter auf eine einsame Insel verschlägt, von der er nicht mehr herunterkommt und auf die auch niemand von außen kommt. Wieder hat er Verbündete und Verdächtige und kann sich letztendlich nur allein trauen. Beckett konstruiert wieder einen Mikrokosmos für den Leser, mit überschaubaren Verdächtigen, an denen man sich abarbeiten kann, mit kleinen Hinweisen, die nicht zu banal sind,  und jeder Menge Morden und überraschenden Wendungen. Beckett hat ein Händchen für Plots, die auf den ersten Blick nicht zu kompliziert scheinen, aber trotzdem jede Menge Überraschungen bieten. Auch wenn der Leser die Lösung im letzten Drittel des Buches ahnt (und trotzdem misstrauisch bleibt, weil man Beckett nicht zutraut, das gleiche Schema noch mal auszubeuten), behält Beckett die Oberhand und seine Trümpfe im Ärmel. Ich habe selten einen Krimi gelesen, in dem so viel passiert, und zwar bis zur allerletzten Seite. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht ist dieser Aktionismus eine Notwendigkeit, um über durchaus bestehende Mängel hinwegzutäuschen, wie z.B. die stereotypen Figuren oder die einfallslose Sprache (wie oft kam eigentlich die Beschreibung angry in Bezug auf Kevins Acne vor? Und sollte das den Leser ziemlich ungeschickt in irgendeine Richtung treiben?) Ich musste manchmal an Dan Brown denken, der einen ähnlich abgezirkelten Stil hat, aber noch inflationärer mit Cliffhängern umgeht. Das ist aber gemein, und noch gemeiner ist die Vorstellung, Tom Hanks könnte David Hunter spielen. Letztlich habe ich aber das Buch beendet mit dem zufriedenen Gefühl, gut unterhalten worden zu sein. Und manchmal ist das tatsächlich alles, was man von einem Krimi erwartet.&lt;br /&gt;
-----</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>Krimilektüre</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2009-07-17T18:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/5706145/">
    <title>Abitreffen - eine Analyse</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/5706145/</link>
    <description>Grundsätzlich war es mir egal, ob dieses Treffen sich materialisiert oder nicht. Das Abitur ist 20 Jahre vorbei, das ist ein halbes Leben, und in den letzten 20 Jahren ist mehr oder zumindest genauso viel passiert wie in den ersten 20 Jahren, also erzähle mir niemand, dass Nostalgie sich zu diesem Zeitpunkt lohnt. Eine Zeitlang war ich auch recht entschlossen, der illustren Gesellschaft meine unbarmherzige Analyse zu ersparen, dann überwog jedoch die Neugier und die nackte Angst, etwas zu verpassen. So hatte ich das Ereignis dann auch lange erfolgreich verdrängt, unterbrochen nur durch lästige E-Mails von Oliver Thiel, der personifizierten Zusammenführung zerbrochener Familien und verdrängter Freunde. Letzte Woche Montag war es dann aber soweit, dass die Zugfahrt und die Übernachtung bei den Eltern organisiert werden musste. Die sich anschließende, vielleicht typische Entwicklung einer Woche vor einem Abitreffen bestand aus folgenden Phasen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phase 1: Boasting - ich bin die allergrößte, mein Privatleben ist der Hammer, beruflich bin ich super erfolgreich, ich bin total zufrieden, ich habe sehr interessante Hobbies, selbstbewusstes Lächeln, gespieltes Interesse am Werdegang des Anderen, mitleidige gefakte Begeisterung (nein, Du bist beim Finanzamt, das ist ja großartig, wirklich großartig). &lt;br /&gt;
Phase 2: Understatement - die natürliche Reaktion auf so viel Angeberei ist die Intuition, dass das nur Leute machen, die es wirklich nötig haben. Also wird folgende Strategie entwickelt: so wenig wie möglich von sich erzählen, Beziehung - ja, Beruf - ja, Sachbearbeitung, Du weißt ja, vage Handbewegung, man entwickelt sich schon irgendwie und jeder geht seinen eigenen Weg. &lt;br /&gt;
Phase 3: Outfit  - was soll ich anziehen? Lasse ich mich wirklich dazu herab, mir etwas neues für diesen Anlass zu kaufen? (Im Vertrauen, ich lasse nie eine Gelegenheit zum Einkaufen aus, wenn sich auch nur eine schwammige Gelegenheit andeutet. Natürlich habe ich etwas zum Anziehen gekauft.)&lt;br /&gt;
Phase 4: Verweigerung - das ist mir alles zu blöd, ich habe überhaupt keine Lust und werde nicht fahren. &lt;br /&gt;
Phase 5: Resignation  und Laissez faire: läuft schon irgendwie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussendlich steht man schließlich in diesem Lokal, sieht sich um und erkennt niemanden. Ein Haufen völliger Fremder steht herum, umarmt sich, redet hektisch, stößt künstliche Freudenschreie aus - nein, du auch hier - sucht nach Anknüpfungspunkten und einem Gesprächsbeginn, der nicht stereotyp ist - und, was machst du jetzt? - während die Augen hin und her flackern, immer auf der Suche nach neuen alten Bekannten. Ich trolle mich zu den Leuten, die ich kenne, weil wir eben immer noch befreundet sind, und stelle aus diesem sicheren Hafen heraus kurzen Kontakt her zu leuten, die ich nicht mehr kenne, weil wir noch nie befreundet waren. Zu diesen Gelegenheiten stelle ich interessiert fest, dass manche Leute hinsichtlich der Strategienfindung entweder in Phase 1 oder spätestens in Phase 2 steckengeblieben sind, und darüber ist es kurios zu sehen, wie bei den ganzen Fremden der/die 19-jährige durchschimmert, der/dem man nach dem Ende des gemeinsamen Lebensweges ohne größeres Bedauern den Rücken zugekehrt hatte. Als wenn dieser Fremde, der vor einem steht und versichert, dass er alles richtig gemacht hat, nur eine Hülle für diesen kleinen, nicht totzukriegenden, Homunculus ist, der für immer und ewig im Jahr 1989 feststeckt. Das liegt natürlich daran, dass ich diese Homunculus suche und rufe, wie den Djinn aus der Lampe, aber ich bekomme eine Gänsehaut, als mir bewusst wird, dass alle anderen das bei mir auch tun. Das ist das Schlimme an Klassentreffen: das Jetzt zählt nicht, man wird in alle Ewigkeit auf die unfertige 19-jährige reduziert, die vor 20 Jahren Abitur gemacht hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht die lustigste Bemerkung an diesem Abend, deren Komik ich aber erst später begriffen habe, so dass ich noch nicht mal beleidigt reagieren konnte: K (das bin ich), auch Du hast doch Deine Nische gefunden. Tja, so ist das wohl. Ich Nischenkind.</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>abgrenzen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2009-05-17T15:24:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/5690716/">
    <title>Ouagadougou</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/5690716/</link>
    <description>Luxemburg, Liechtenstein, Schweiz, Österreich, Ouagadougou. Peer Steinbrück hat mal wieder mit näselndem Tonfall und norddeutscher Direktheit tief in den Topf mit dem Glitsch gegriffen, den er immer schlechter von seinen Händen abbekommt. Ich habe mich erst gefragt, ob Ouagadougou beleidigt ist, weil die Hauptstadt in einem Atemzug mit einem Schurkenstaat wie Luxemburg genannt wurde, aber tatsächlich ist Luxemburg jetzt beleidigt, weil es überhaupt genannt wurde. Die Schweiz hat ja schon lange ein Einreiseverbot für deutsche Finanzminister ausgesprochen, und sieht sich jetzt außerdem mit Fragen der schweizer &lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E2B97824327D843AFBA59C4B0C6E88AC4~ATpl~Ecommon~Scontent.html&quot;&gt;Identität &lt;/a&gt;konfrontiert, bzw. mit der Abgrenzung zur deutschen Mentalität, was sehr amüsant zu lesen ist. Liechtenstein hat die Nase voll von unrühmlicher Publicity und Österreich versteht die Welt nicht mehr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verstehen wir Herrn Steinbrück noch? Tatsächlich habe ich eine gute Meinung von Herrn Steinbrück, was mit meiner derzeitigen Tätigkeit zusammenhängt, obwohl er mir bzw. der Institution in der ich arbeite, in Bezug auf genau diese Tätigkeit oft einen Strich durch die dreimal überprüfte und mit schönen Worten angereicherte Rechnung macht. Zwar kann ich nicht wirklich beurteilen, ob das zukunftsperspektivisch alles Sinn macht, was Herr Steinbrück in den letzten 3,8 Jahren so propagiert und realisiert hat, und in Bezug auf die Abwrackprämie habe ich ernsthafte Zweifel, zumindest hat er aber ganz gut angepackt und malocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ich mich für einen direkten Menschen halte, sind mir auch die Direktheiten von Anderen nicht unsymphatisch und sehr viel lieber als das Hintenrumtaktieren und Aufsglatteisführen manch anderer Zeitgenossen. Allerdings bin ich auch für ein gewisses Mindestmaß an Höflichkeiten und gegen das beliebige Assoziieren unschuldiger afrikanischer Hauptstädte mit der finanziellen Achse des Bösen. Und so langsam gräbt sich mein momantaner Finanzministerfavorit eine Grube, in die er ganz schnell ganz tief fallen kann und aus der ihm niemand wieder hinaushelfen wird. Ich sehe schon vor mir, wie sie alle am Rand der nämlichen Grube stehen und bedauernd nach unten schauen, wo der Peer mit Lehm auf der Brille und den Füßen im Wasser die Arme nach oben reckt. Ich muss jetzt leider zum Friseur, wird die Angela sagen, ich muss jetzt leider zum Obama, wird Frank-Walter sagen, und: das Sauerland ruft, wird der Franz murmeln. Und weg sind sie, und der Peer auch. Ich überlege ernsthaft, ob ich dem Peer mal eine E-Mail schreibe, in der ich meine fachliche Zuneigung bekunde und ihn bitte, doch einfach mal ein bisschen relaxter zu werden, damit wir auch in der nächsten Legislaturperiode noch viel Spass mit ihm haben können. Oder ahnt er schon, dass es dazu gar nicht mehr kommen wird und lässt jetzt einfach den ganzen Frust raus, bevor ihm keiner mehr zuhört?</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>einloggen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2009-05-08T18:19:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/5684021/">
    <title>Fauxpas</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/5684021/</link>
    <description>Das Loch in meinem grauen, dünnen Pulli mit den langen Ärmeln habe ich schon bemerkt, als ich ihm heute Morgen übergezogen habe. Das Loch ist oben an der Schulter und es schimmert ein Stückchen Haut durch, was man auf den ersten Blick für einen Flusen halten könnte. Aber ich habe mir gedacht, wird schon keiner merken, oder selbst wenn es jemand merkt, macht das nichts. Es ist eher lästig, den Pulli wieder auszuziehen und sich ein anderes Outfit zu überlegen, das möglichst zu der weiten schwarzen Hose passen sollte, die ich schon an hatte. Außerdem war ich wie jeden Morgen spät dran und ich hatte mir geschworen, wenigstens einmal in der Woche den frühen Zug zu kriegen. Also habe ich den Pulli angelassen und bin damit zur Arbeit gefahren. Auf der Arbeit kann ich mich gewöhnlich die meiste Zeit in meinem Einzelbüro verstecken, hin und wieder husche ich zur Toilette, die direkt gegenüber ist (eine eher unappetitliche Vorstellung, aber tatsächlich ist es gar nicht so schlimm), oder laufe, völlig überladen mit Teetasse, Espressotasse, Siebträger, Wasserkocherbehälter und manchmal auch der am Vortag benutzten Müslischale, quer über den Flur zur Miniküche. Heute hatten wir um 10 Uhr eine Besprechung. Auf dem Weg in den oberen Stock, während ich mit meinem Chef und einer Mitarbeiterin über den Flur laufe, beugt sich die Mitarbeiterin verschwörerisch zu mir hinauf (ich bin eine Ecke größer als sie) und flüstert: Du hast ein Loch im Pulli. Mein Chef sagt fröhlich und etwas lauter: Habe ich auch schon gesehen. Mein Gehirn läuft auf Hochtouren. Das habe ich erst vorhin gemerkt, lüge ich, und: Als ich meine Jacke ausgezogen habe, bin ich hängen geblieben. Ich zucke bekümmert mit den Schultern. Während der Besprechung glänze ich mit fachlich-pessimistischem Blick in die Runde und mehr oder weniger beiläufigen Bemerkungen, muss mir aber nichts mehr über meinen versehrten Pulli anhören, weil die Anwesenden eben doch alles Profis sind. In der Kantine sitze ich wie immer mit dem versprengten Haufen unserer Mittagsrunde zusammen, esse eine sehr knusprige Pizza Margaritha mit seltsam unverschmolzenen geraspelten Käsestückchen und lächle oder lache dem Anlass entsprechend. Manchmal strengt es mich ziemlich an, dieses ständige Lächelnlachen in der Kantine. Eigentlich bin ich kein geborener Lächler, eher der Grübler, Stirnrunzeltyp. Mein Freund sagt ständig zu mir: guck nicht so grieselig, auch wenn ich eigentlich der Meinung bin, einen durchaus entspannten und freundlichen Gesichtsausdruck in die Welt zu tragen. Jedenfalls, wenn ich die Schwelle meines Büros übertrete und die Tür hinter mir schließe, rutscht das Lächeln sofort von meinem Gesicht, und ich atme einmal tief und erleichtert durch. Aber gut, ich sitze vor den Resten der Pizza und die Kollegin mir gegenüber zeigt auf das besagte Loch im Pulli: Du hast ein Loch im Pulli. Mein Dauerlächeln strahlt um ein paar Lichteinheiten mehr. Ja, das ist mir leider heute Morgen passiert, als ich meine Jacke ausgezogen habe. Der Spruch kommt  nun völlig souverän. Du kannst ja einen kleinen lustigen Aufnäher aufnähen, sagt besagte Kollegin. Es gibt Kolleginnen, es sind immer Frauen, die nicht in der Lage sind, eine Tatsache einfach so hinzunehmen. Sie stehen unter dem inneren Zwang, eine oder gar alternative Lösungsmöglichkeiten für Probleme anzubieten, die eigentlich keine Probleme sind. Der fatale Fehler in einer solchen Situation ist, wenn man sich darauf einlässt. Äh, ja, sage ich ratlos. Die Kollegin sieht mich aufmerksam an und fährt fort: das Loch ist doch gar  nicht so groß, und so ein Aufnäher sieht doch bestimmt richtig süß aus. Dann kannst Du den Pulli noch mal wieder anziehen. Naja, meine ich unschlüssig und versuche es mit einem: wahrscheinlich muss ich den Pulli aber doch einfach wegwerfen, ich glaube, eine Reparatur lohnt sich nicht mehr. Glücklicherweise fällt einer anderen Kollegin ein, dass sie als Kind immer lustige kleine Aufnäher auf all ihren Sachen hatte und ich werde aus dem Focus das allgemeinen Interesses in die zweite Reihe verdrängt, wo es eh immer am schönsten ist.</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
    <dc:subject>einloggen</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 teildesganzen</dc:rights>
    <dc:date>2009-05-05T17:28:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://relationen.twoday.net/stories/5681916/">
    <title>Malerei, Marathon und ein Malheur</title>
    <link>http://relationen.twoday.net/stories/5681916/</link>
    <description>Zum Ende des schönen langen Wochenendes beschlossen wir, mein Freund und ich, nach Düsseldorf zu einer Ausstellung zu fahren, die sich Sonic Youth etc. Sensational Fix nennt. Sonic Youth ist gewolltermaßen DIE alternative Band der 80er und 90er sowie der kommende Klassiker der nächsten Jahrzehnte, schöpft jedoch mittlerweile nur noch aus dem bisher aufgeloopten Fundus an Gitarrenfeedback und gequengelten Melodien (was nur meine Meinung ist, aber nach einer glücklichen Identifkationsphase habe ich mich irgendwann schmerzlos von Sonic Youth verabschiedet und nicke mittlerweile nur noch wissend und etwas müde mit dem Kopf, wenn der Name fällt.) Natürlich macht man als Überband nicht nur Musik sondern wirkt auch intensivst inspirierend auf die Kunstszene bzw. probiert sich auch schon mal selbst, oder sammelt ganz einfach. Mit dem Ergebnis kann man gut und gerne zwei Museen in Düsseldorf füllen  das Kunstmuseum und die Räumlichkeiten Kunst im Tunnel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Fan (mein Freund) und irgendwie geneigte Interessentin (ich) begaben wir uns daher nach Düsseldorf um uns die Werke anzusehen. Im Kunstmuseum hängen viele Poster und Plattencover im Eingangsbereich, was sehr schön aussieht, es gibt eine Installation mit von der Decke hängenden, durchsichtigen Leinwänden, auf denen Musiker zu sehen sind, was ebenfalls sehr schön aussieht, es gibt eine an die Wand gepinnte Wolldecke, was seltsam ist, viele Fernseher mit Kopfhörern, ein paar Gitarren, Bilder, Fotos und einen Raum mit Schallplatten auf dem Boden. Im Tunnel sieht man ein großes K mit Spiegelkacheln, viele bunte Schallplatten an den Wänden, noch mehr Fernseher, noch mehr Bilder und ein Aufnahmestudio, wo musikalisch begabte Zeitgenossen zur Stimme von Kim Gordon intonieren können und wo ich mich gerne mal ans Schlagzeug gesetzt  hätte, so Mo Tucker mäßig. Aber gut. Am Ende sitzen wir vor unseren Milchkaffees im Museumscafe, und ich fühle mich irgendwie ausgeschlossen von der Kunst die dort unter uns im Tunnel hängt. Ist das Kunst für jeden x-beliebigen Kulturinteressierten, oder doch nur an Adressaten aus der Szene gerichtet, in einer Art Insidersprache gemalt, mit kleinen Insiderscherzen, guck mal, erinnerst du dich, das war doch lustig, da habe ich mit einem Schrotgewehr in ein Stück Holz geschossen? Anderes wirkt, als wolle der Nicht-Musiker-Künstler mit Gewalt an etwas teilhaben und es wird nicht ganz klar, ob ihm der Fuß in der Tür reicht, oder ob er tatsächlich eintreten und kommunizieren möchte. Diese Musikszene um Sonic Youth herum ist eben eine sehr diffuse Angelegenheit, keine Definition möglich, keine stringente Linie erkennbar, es ist alles so irgendwie  irgendwie neu, irgendwie spannend, irgendwie anders (also damals jedenfalls)  und man läuft mit dem Einkaufswagen durch die Gänge und bedient sich mit wachsendem Entzücken wahllos. Zu hause angekommen, tritt die Ernüchterung ein, weil man gar nicht genau weiß, was man mit dem Zeug eigentlich damit anfangen soll. &lt;br /&gt;
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Übrigens sind vom Cafe aus die Gitterzäune zu erkennen, mit denen die Läufer vom Rest der Bevölkerung getrennt werden  in Düsseldorf ist an diesem Tag nämlich Marathon und die Stadt ist voll mit ausgezehrten Gestalten mit Trinkflaschen und Bananen, die mit einem irren Flickern in den Augen nach hause humpeln. Ich gestehe hiermit, dass ich überhaupt kein Verständnis für diese Art des Sports habe. Ich kann verstehen, dass Leute sich fit halten, um keinen Herzinfarkt zu bekommen, oder damit sie keine Beulen an den Oberschenkeln  bekommen, oder um ein paar Kilo abzunehmen. Sport ist so ein Um-Zu, reines Mittel zur Erreichung eines Zwecks. Aber ein Marathon ist im Rahmen einer Zweck-Mittel-Relation völlig unverhältnismäßig. Leute, die mir sagen, dass Laufen doch Spass macht, beleidigen meine Intelligenz. Auf dem Rückweg begegnen uns zwei Mädchen mit dem üblichen offenen Lächeln und einem Stapel Faltblätter in der Hand und stellen heiter die Frage: Interessiert Ihr Euch für Sport? Ich habe mein Um-Himmels-Willen hinuntergeschluckt und mich mit einem kurzen Nein-Danke und einem gequälten Lächeln begnügt. &lt;br /&gt;
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Will nun noch jemand wissen, was es mit dem Malheur auf sich hat. Tja, es war einmal in einem völlig leeren Parkhaus, mit wahnsinnig viel Platz und einem einsamen  Pfeiler direkt neben dem Wagen, der sich schon mal im toten Winkel befinden kann. So hat es den Rückspiegel hinweggerafft, und der guten Laune meines Freundes einen herben Schlag versetzt. Shit happens, sagt das Sprichwort, und unsere überteuerte Autowerkstatt ist der Finanzkrise mal wieder gerade so ausgewichen.</description>
    <dc:creator>teildesganzen</dc:creator>
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    <title>Zugfahren am 30. April</title>
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    <description>ist keine gute Idee. Dort begegnet man all den Leuten, die fest entschlossen sind, in den ersten Mai zu taumeln und auch schon so einiges dazu beigetragen haben, dass sie garantiert nicht mehr gerade laufen können. Die Fahrt von Bonn nach Köln begann eigentlich recht amüsant. Eine gemischte Gruppe alternativ-angepasster, intellektuell ambitionierter und kulturell-toleranter Menschen hat sich im Zug darüber unterhalten, wie schön doch die Einsamkeit sei - eine Auffassung, die ich als distanz-soziales Wesen gut nachvollziehen kann, die mich jedoch überrascht, wenn sie aus dem Munde der jungen Bohemien kommt. Bis aus ihrer Diskussion deutlich wurde, dass alle bereits Kinder haben, was ihre Aussagen schlagartig in einem sehr verständlichen Licht erschienen ließ. Leider verstummten sie schlagartig, als eine weitere Gruppe sich an der nächsten Haltestelle in den bereits leicht überfüllten Zug drängte. Es waren besagte Feierwütige, die mit vielen Scherzen ihre offensichtlich gute Laune auf den gesamten Zug zu übertragen gedachten. Es begann damit, dass einer der nicht mehr ganz so jungen Männer laute Würggeräusche machte, was seine Stammesangehörigen sichtlich amüsierte, die Gruppe der jungen Intellektuellen jedoch veranlasste, verlegene Blicke zu tauschen. Neben mir war ein Platz frei, der von einem einsamen Rucksack belegt war, und ich versuchte, mich und den Rucksack durch mentale Kräfte unsichtbar zu machen, was nicht ganz gelang. Ein weiteres Mitglied der Gruppe musste offensichtlich ganz dringend einen Sitzplatz finden und artikulierte sich mühsam mit einem: wem gehört dieser Rucksack. Ich versuchte weiterhin die Unsichtbarkeitsnummer, während der Fahrgast, der dem Rucksack gegenüber saß, ihn als sein eigen auswies und bereitwillig an sich nahm. Der ziemlich angeschlagene Typ wandte sich nun an mich: lassen Sie mich da durch oder rutschen Sie eins weiter? Im Gedanken daran, dass ich mir einen Fluchtweg lassen sollte, murmelte ich, dass ich bald aussteigen muss und versuchte, meine Beine ein Stückchen zur Seite zu drehen, was schwierig ist, denn meine Beine sind sehr lang und der Platz zwischen den Sitzen sehr eng. Der Typ in Camouflagehosen und Kapuzenshirt quetschte sich irgendwie durch und ließ sich schweratmend fallen. Er atmete recht lange sehr schwer und ich begann mir ernsthaft Sorgen zu machen, dass er sich auf meine Tasche übergeben könnte. Er ließ jedoch seinen Kopf gegen die Fensterscheibe fallen und blieb bewegungslos so sitzen. Das Unglück nahm seinen Lauf, als die Dame mir gegenüber unbedingt bei der nächsten Station aussteigen musste. Ein Freund des Combattrouserträgers rief erfreut auf, ein Sitzplatz, unterbrach die Unterhaltung, die er einem ihm völlig Fremden aufgezwungen hatte und ließ sich mir gegenüber fallen. Meine Augen klebten auf den Vokabeln in meinem Japanischbuch. Ich kenne solche Typen und ich irre mich selten. Ich habe auch nichts gegen nette Unterhaltungen im Zug, auch nicht, wenn sie Freunde von Combattrouserträgern involvieren. Aber einseitiger Alkoholgenuss erschwert eine Unterhaltung doch sehr, weswegen ich gerne darauf verzichte. Wie erwartet, beugte sich der ebenfalls nicht mehr ganz so junge Mann in Jeansjacke interessiert über mein Buch, nachdem er mich einige Stunden lang intensiv angestarrt hatte. Ist das Chinesisch, fragte er freundlich. Nein, sagte ich, nicht besonders freundlich. Ist das Thailändisch, fragte er, noch immer freundlich. Nein, wiederholte ich, noch immer weniger freundlich. Um ihm die Mühe zu ersparen, weitere asiatische Sprachen aufs tableaux zu bringen, und velleicht auch, weil ich ungern unfreundlich erscheine, murmelte ich: Japanisch. Ein Fehler, wie sich sofort zeigte. Ah, Sayonara. Ist doch Japanisch, rief er hocherfreut. Ich schluckte und nickte ohne aufzusehen. Und Hai heißt ja, oder? Ich nickte wieder und wünschte mir sehnlichst die Ansage meiner Station. Na, dann kann ich doch schon alles, erklärte der Jeansträger zufrieden. Musst Du das auswendig lernen? Ich nickte enthusiastisch, noch immer ohne aufzusehen. Soll ich dich abhören? Schnell erklärte ich: nein, nicht nötig. Schade, murmelte der Jeansträger. Sein Combattrousertragender Freund rührte sich. Was ist mit mathematisch, lallte er. Der Jeansträger legte Stirnrunzeln in seine Stimme. Ich glaube nicht, dass das was mit Mathematik zu tun hat, erklärte er. Dann durfte ich endlich aufstehen. Der Jeansträger rief mir ein fröhliches Sayonara hinterher. Der Abend konnte nur noch besser werden.</description>
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