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Mittwoch, 4. Juli 2007

Modest Mouse in Köln

Gestern war es dann soweit. Das Konzert von Modest Mouse war
verschoben worden und der Ausweichtermin war gestern in der Live Music Hall,
vor wohl nicht ganz ausverkauftem Haus. Trotzdem war es ziemlich voll und
ziemlich warm. Gemischtes Publikum, von Ende 30 bis runter in die Zwanziger,
die Kleiderordnung eher unspektakuläres understatement.

 

Auf die Bühne gequetscht ein ganzes Sammelsurium von Boxen
und Instrumenten, darunter allein zwei (!) Schlagzeuge. Wozu auch immer. An den
Schlagzeugen saßen später zwei identisch aussehende Schlagzeuger und spielten
teils synchron, oft drummten sie aber auch unterschiedliches. Ein wenig Show
für die Band des subtilen Glamours. Vielleicht bring man den Begriff Glamour
nicht unbedingt mit Modest Mouse zusammen, die durch so etwas wie Math-Rock
bekannt geworden sind, minimalistische Kompositionen, mit Brüchen durchsetzt
und durch eine quäkige Stimme aufpoliert. Das Quäken ist geblieben, aber in die
vorletzte CD, good news for people who love bad news, mischte sich ein Moment
der Ausgelassenheit, das man vielleicht auf schleichenden Wahnsinn zurück
führen könnte, vielleicht aber auch auf die Erkenntnis und Akzeptanz der Absurdität,
des Camus-Absurden. Der Punkt, an dem man erkennt, dass die Welt keinen Sinn
hat und an dem die Entscheidung zur Revolte fällt, zum Dennoch, zur Akzeptanz
der Sinnlosigkeit und dem trotzdem weitermachen. Modest Mouse ist die Band, die
genau das für mich repräsentiert und zwar auf eine sehr liebenswerte und
unterhaltsame Art. Und wo das Absurde gefeiert wird, geht meiner bescheidenen
Ansicht nach auch der Begriff des Glamours nicht fehlt.

 

Zurück zum wesentlichen, der gig war gut und die Stimmung
eigentlich auch, die Leute sind nicht unbedingt durchgedreht, aber man könnte
sie als aufmerksam und lebhaft bezeichnen. Johnny Marr hat seinen Platz in der
ersten Reihe und in der Führungsriege beansprucht und ausgefüllt, aber so ist
das eben, wenn man einen berühmten Gitarristen verpflichtet. Und er hat die
neue CD, we were dead before the ship even sank, geprägt, durch launiges
Gitarrenspiel und Ausbau der immer schon latenten Tanzbarkeit der Musik von
Modest Mouse. Was jetzt wirklich nicht schlimm ist. Die Konzertdauer war
durchschnittlich und es gab die obligatorische Zugabe. Die Auswahl der Stücke
beschränkte sich auf die letzten beiden CDs, soweit ich mitbekommen habe, aber
für korrigierende Hinweise bin ich natürlich dankbar.

 

Es bleibt die Erinnerung an ein gutes Konzert von einer
Band, die mir während einer schwierigen Phase meines Lebens Zuflucht geboten
hat. Sollte ich mich jemals umbringen wollen, weiß ich zumindest, welche Platte
mich davon abbringen würde.

Dienstag, 3. Juli 2007

Bachmann-Preis

Der Bachmann-Preis ist vergeben, die Sieger stehen fest und
die Texte sind unter http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/texte/
veröffentlicht. Der Sieger heißt Lutz Seiler und sein Gewinnertext Turksib.

 

Ich habe den Text natürlich heruntergeladen und gelesen –
natürlich? gut, warum, gibt wichtigeres, aber man ist ja neugierig. Ich sehe
nach unten, während ich das blogge, und verstecke mein Gesicht schamhaft hinter
meinen morgendlich unordentlichen Haaren, aber so richtig habe ich die dichte
Beschreibung, die komplexen Ebenen und den poetischen Stil nicht nachvollziehen
können. Obwohl, es war schon komplex, das war es wirklich.

 

Der Schluss liegt nahe, dass aus mir nie ein Literat wird. Nicht,
dass ich es ernsthaft versuchen würde, aber manchmal findet man ja verborgene
Talente am Wegesrand und steckt sie ein. Nein, kein verborgenes Talent. Kochen
kann ich auch nicht.

 

Diese Episode holte allerdings eine Diskussion in meine durchlöcherte
Erinnerung, die ich vor kurzem mit einem Bekannten hatte, der mir einen Text
zugeschickt hat, in der Hoffnung, dass ich ihn verstehe und würdige. Ich habe
weder verstanden noch gewürdigt, stattdessen habe ich angemerkt, dass mir die
Handlung fehlt. Daraufhin wurde mir erklärt, dass ein literarischer Text keine
Handlung hat. Gut, habe ich gesagt. Aber was soll ich dann damit anfangen. Aber
du hast doch sicher die philosophischen Andeutungen verstanden, sagte mein
Bekannter, während wir in einem Kaffee in einer kleinen Großstadt saßen, und
begann mit die philosophischen Andeutungen detailliert darzulegen. Ich habe
mehr oder weniger höflich zugehört und dann gestanden, dass ich überhaupt keine
philosophischen Andeutungen herausgelesen habe und auch über die eventuellen
Seltsamkeiten des Textes, die darauf hindeuten sollten, nicht gestolpert bin. Tatsächlich,
aber das habe ich jetzt nicht gesagt, dachte ich einfach, dass der ganze Text
merkwürdig ist und dass die kleinen Seltsamkeiten eben Teile des merkwürdigen
Ganzen seien und genau genommen dazu beitrugen, dass das Ganze eben so
merkwürdig war. Wobei merkwürdig in diesem Fall nicht unbedingt ein positives
Urteil meinerseits ist.

 

Ich habe allerdings darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich
als Leser über einen erkennbaren Hinweis freuen würde, anhand dessen tatsächlich
deutlich wird, dass dort philosophisches Gedankengut im Hintergrund ein Dasein
fristet, und es sich nicht nur um einen lediglich etwas seltsamen, handlungs-
und sinnlosen Text handelt. Was ja auch schon mal vorkommen kann. Das entfachte
einen Sturm der Entrüstung. Ein Schriftsteller gibt keine Hinweise. Es läge an
dem Leser, den Text genau zu durchdenken, unter die Lupe zu nehmen, zu
sezieren, bis er einen Schnipsel philosophischen Gedankenguts findet, und sei
es nur ein ich denke, also… .  Puh. Um es kurz zu machen, habe ich mich
strickt geweigert. Ich habe mich auf dem Standpunkt festgekettet, dass der
Schriftsteller entweder dem Leser eine Hilfestellung geben soll, oder er gibt
den Text so kryptisch, wie er ist, in die Hände des Lesers und muss dann damit
einverstanden sein, was der Leser daraus macht. Auch, wenn der Leser den Text als
seltsam, handlungs- und sinnfrei versteht. Interpretationsfreiheit des Lesers.
Texte als öffentliche Selbstbedienungsläden. So eben.

 

Wir sind an diesem Nachmittag nicht mehr auf einen Nenner
gekommen und haben schließlich das Thema gewechselt.  

Montag, 2. Juli 2007

Russlands Seele

… heißt die Ausstellung in der Bonner Kunst- und
Ausstellungshalle, die momentan noch läuft. Aus der Tretjakow-Galerie in Moskau
wurden 150 Stücke ausgeliehen, die nicht nur in künstlerischer Hinsicht
interessant sind, sondern auch als Quelle von Information betrachtet werden
dürfen. Kunst, vor allem Bilder, als Ausdruck von Russlands Seele.

 

Es werden Bilder aus unterschiedlichen Bereichen gezeigt. Zeitlich
gesehen umspannt die Ausstellung einen Zeitraum vom 18. Jahrhundert bis Ende
des 19. Jahrhunderts. Aber auch gesellschaftlich versucht die Ausstellung die
unterschiedlichsten Bereiche zu erfassen. Gezeigt werden Portraits von der
Zarenfamilie oder aus dem höfischen Bereich, später folgen dann die
realistischen Darstellungen des bäuerlichen Lebens, Fingerzeig auf die Armut und
den täglichen Überlebenskampf, der sich in den Gesichtern der Menschen
spiegelt. Dann gibt es die Naturmalerei, im Gegensatz zu städtischen Szenen und
schließlich der Bereich Mystik und Religion, der von Darstellungen mythischer
Figuren bis zur Ikonenmalerei reicht. Schließlich werden Portraits von den
wichtigsten Söhnen (es gab anscheinend nur Söhne…) Russlands gezeigt,
wozu natürlich Dostojewski und Tolstoi zählen.

 

Für Kunstlaien wie mich sind die Namen der Maler und Zeichner
vollkommen unbekannt, faszinierend ist dagegen der Aspekt, dass hier mit Gemälden
eine Tür zu einer anderen Kultur geöffnet werden soll. Dementsprechend
hemmungslos lässt man den Assoziationen freien Lauf, sucht nach Stereotypen,
die man lieben gelernt hat, und findet sie zum Teil auch (der bleiche Künstler
mit den dunklen Augen, die ausgezehrten Gesichter der Bauern, die Arroganz des
Adels, die ständige Präsenz von Kampf und Leiden…). Neben dem Match mit
dem mehr oder weniger romantischen Blick von Außen ist aber auch die Präsenz
des Eigenständigen zu spüren, und die Andeutung eines Überschusses, den man nie
ganz in den Blick bekommt.

 

Das alte Russland ist in der kommunistischen Revolution
untergegangen, aber die Gemälde der Tretjakow-Galerie lassen die Vergangenheit,
auch für den ausländischen Betrachter, für einen Moment wieder aufblitzen.

Freitag, 29. Juni 2007

Toc-o-tronic

Lange nichts geschrieben, nicht anlässlich Interpol, nicht
anlässlich Editors, vielleicht schaffe ich es ja zu Modest Mouse (am 3.7. Wurde
verschoben).

 

Ein paar Worte zu Tocotronic und deren seltsamen Auftritt
bei Bochum Total am 23.6. Die alten Begleiter aus den Neunzigern, die ich als
geborener Spätzünder mal wieder zu spät entdeckte, oder vielleicht haben sich
auch einfach unsere Musiklinien nicht überschnitten. Oder vielleicht war ich
auch einfach nicht cool genug für die Tocos.

 

Irgendwann ist der Funke dann übergesprungen, aber das war
schon zu KOOK-Zeiten. Diese Phase war die Wende zu mehr kryptischen Texten, zu
weniger Ironie, zu mehr Hintergrund. Das war ok. Auf Tocotronic und Pure
Vernunft darf niemals siegen ging es weiter. Einladung zum Zuhören, leicht
angestrengte Monologe, viele Assoziationen, viele Richtungen. Die Schatten- und
Verweis-Phase.

 

In dem Zusammenhang blitzt ein Muster hervor, dass die
Entwicklung deutscher Bands manchmal aufzeigt und ich frage mich, ob das ein
typisch deutsches Phänomen ist. Blumfeld ist das Paradigma, Die Sterne gehören
dazu. Bands, die sich als innovativ und abseits-mainstream empfinden, die eine
reflexive Distanz zur Musikszene und ihren eigenen Sachen hatten, die viel Wert
auf Texte legen, neigen dazu, irgendwann kryptisch zu werden. Meine Ex-Professorin
gebrauchte immer den Begriff Raunen, um das Werk eines bestimmten Philosophen
in seiner Spätphase zu charakterisieren, und ich greife das hier mal auf, um
bestimmte Bands in ihrer Spätphase zu beschreiben. Raunen besteht aus
Andeutungen, manchmal auch aus Schlagworten- oder sätzen, die demonstrativ in
den Raum gestellt werden und sich eigentlich jeder Diskussion verweigern. Lieder,
die ausdrücken: ihr könnt uns nicht mehr folgen, aber das ist Eure Schuld. Ihr
seid einfach nicht so weit…

 

Der Auftritt von Tocotronic ging ein bisschen in die
Richtung Geraune, gepaart mit leicht arroganten Ansagen und dem völlig
verfehlten Versuch, Feedbackrock zu zelebrieren.

 

OK, vielleicht sollte ich die neue CD mal hören, die eine
Chance verdient hat, schon um der alten Zeiten willen.

 

Und wenn ich sogar ein wenig Selbstironie entdecken sollte,
nur ein paar Spuren, dann bin ich schon zufrieden.  

Samstag, 2. Juni 2007

Dubai Tag 2

Mit dem Taxi fahren wir nach Bur Dubai bis zum Dubai Museum. Ein Stück davor liegt das Bastakia Viertel, eine restaurierte Ansammlung von Häusern, in denen einmal iranische Einwanderer gelebt haben. Sie haben die Windtürme mit nach Dubai gebracht, die die Häuser kühlen sollen. Sandsteinfarbene Würfel mit diesen charakteristischen Windtürmen stehen durch schmale Gassen getrennt in diesem Viertel, das nicht besonders groß und um die Mittagszeit völlig leer ist.

Bastakya

Wir gehen zum Ufer des Creek, an dem sich eine Promenade bis zum Stadteil Al Shindagha führt. Die Große Moschee liegt am Creek, durch Absperrungen vor den Nichtgläubigen geschützt.

Das Wasser des Creek ist hellblau. Es brennt auf der Deira-Seite, das Martinshorn der Feuerwehr schallt durch den Creek.

Creek

Wir gehen durch den Old Souk mit seinen durch Holzbalken überdachten Gassen. In den schmalen Geschäften türmen sich Stoffballen. Hinter dem Souk liegt die Abra-Station, die Wassertaxis, die zwischen den Creek-Seiten hin und her fahren. Man stellt sich an der Schlange an und geht auf eines der Boote, wenn dort noch Platz ist. Während der Fahrt wird von einem Mann ein Dirhan eingesammelt. Aber wir bleiben in Bur Dubai und gehen auf der Shindagha Landzunge bis zum Scheich Saeed Haus.

Mit zwei Dirham sind wir dabei und sehen uns einen alten, traditionellen Palast an. Der große Innenhof ist von schmalen Räumen mit hohen Decken aus Holzbalken und Matten aus Dattelpalmblättern umgeben. In den Räumen befindet sich eine Fotoausstellung mit Bildern des alten Dubai – das bedeutet, dem Dubai der Jahrhundertwende bis in die 70er Jahre. Auf der ersten Etage ist eine Art Balkon, von dem man einen schönen Blick auf den Creek hat.

Dach finden wir uns auf der El Fahidi Street wieder. Auch in der Mittagszeit ist hier viel los, Araber und Pakistani laufen an den Geschäften vorbei und Wagen schlängeln sich durch die Straße.

Weil kein Taxi hält, laufen wir zu Fuß bis zum Einkaufszentrum Bur Juman. Auf dem Weg sehen wir typische Appartementhäuser, nahe dem EKZ liegen die Banken. Im EKZ gibt es viele exklusive Geschäfte, aber auch europäische Ketten mit erschwinglicher Mode.

Abends essen wir in einem libanesischen Buffet in der dritten Etage der Twin Towers. Wir nehmen ein Taxi, das kein Taxometer besitzt und das sollte man besser nicht tun, wenn man nicht weiß, wie viel eine solche Fahrt tatsächlich kostet und wenn man nicht vorab einen Preis mit dem Fahrer vereinbart. Taxifahren ist zwar nicht teuer, aber es bleibt ein saures Gefühl zurück, wenn man das Gefühl hat, zu viel bezahlt zu haben. Das Buffet ist anfangs relativ leer. Wir sitzen auf dem breiten Balkon mit Blick auf den nächtlichen Creek. Es ist windig und immer noch recht warm. Wir probieren die Speisen ohne zu wissen, was wir da essen. Mein Freund erfährt, dass es sich hauptsächlich um Huhn handelt, was mich doch etwas beruhigt. Trotzdem geht es mir am nächsten Tag magentechnisch nicht so gut…

Dubai Tag 3

Strandtag. Unser Hotel hat ein Schwesternhotel am Strand, das Habtoor Grand Resort and Spa. Es kostet 25 Dirhan und ein Shuttlebus bringt uns bis vor die Tür. Wir sind zum ersten Mal in Jumeirah, dem Strand-Stadtteil Dubais. Wir fahren die Beach-Road entlang, an der sich die beigen neuen Bungalows aneinander reihen. Hinter dem Burj Al Arab beginnen die Hochhäuser. Auf der anderen Seite der Straße wird gebaut.

Dubai ist die größte Baustelle der Welt. Hier werden ganze Stadtteile gleichzeitig hochgezogen, 15-20 Wolkenkratzer sind im Bau, als würde Downtown Manhattan aus dem Boden gestampft.

Das Resort ist schön. Wir lassen die Poollandschaft hinter uns und suchen uns einen Liege in Strandnähe. Dattelpalmen bieten uns Schatten. Es weht ein eingenehmer Wind. Der Sand ist fein und hell und sehr heiß. Dienstbare Expatriotes-Geister schaffen Ordnung und bereiten die Liege für uns vor. Es gibt Umkleideräume, Toiletten, Strand- und Poolbars. Vogelgezwitscher lullt uns ein. Der arabische Golf ist warm, viel zu warm um eine Abkühlung zu bieten.

Strand

Abends sind wir in einem weiteren EKZ: Wafi City. Von weitem zu erkennen an der Glaspyramide, wird bei der Einrichtung ein ägyptischer Stil angedeutet. Ansonsten ist es eher enttäuschend, das Shopangebot ist nicht besonders und auch der Foodcourt ist recht klein. An einigen Ecken wird immer noch gebaut. Freitags und Samstags haben die meisten EKZ länger als 10 Uhr geöffnet, weil das die muslimischen Feiertage sind.

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