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Samstag, 22. September 2007

Japan, Tag Fünf

Zum Frühstück gibt es Unbeschreibliches: ein weiches Ei in einer Art dünner Sojasauce, getrocknete kleine Fische, die leicht süsslich schmecken, Misosuppe, Salat mit Nudeln, geräucherter Fisch und andere seltsame Dinge, wieder dekorativ in kleinen Schüsselchen serviert. Zum Glück gibt es Reis. Das Schlimmste an diesem Frühstück nennt sich natto, wobei es sich um fermentierte Bohnen handelt, die schon beim Verrühren der mitgelieferten Würzpaste eklige Fäden ziehen und ziemlich fürchterlich schmecken. Aber auch sehr gesund sein sollen, wenn man es tatsächlich herunterkriegen sollte.

Schloss-Himeji

Mit dem Shuttlebus fahren wir in die Nähe des Schlosses von Himeji, das zu den schönsten Schlössern Japans gezählt wird und sich weiß, mit geschwungenen Dächern, über der Stadt erhebt. Der Himmel ist strahlend blau und es ist schon am Morgen recht warm. Wir gehen den Weg zum Schloss hinauf, dass je nach Perspektive immer anders aussieht. Der Eintritt inclusive Garten kostet 720 Yen. Wir beginnen im Westflügel, in dem Prinzessin Sen gelebt hat. Vor Eintritt in das Gebäude muss man die Schuhe ausziehen, die man in einer kleinen weißen Plastiktüte mit sich führt, die nach dem Rundgang wieder recycelt wird. Für den Weg bekommen wir Pantoffeln, die auch für große Füße zu haben sind.

Der Boden des Schlosses ist aus dunklem, glänzendem Holz, die Wände sind aus gekalktem, weißen Material, von dunklen Balken durchzogen, was den Eindruck von Schiebetüren erweckt. Ein langer Gang erstreckt sich vor uns, an deren Seite sich Räume öffnen, die durch Holz-Schiebtüren abgetrennt werden können. Es handelt sich um die Zimmer der Samurai; später folgen zwei Zimmer für Dienstmädchen. Durch Fensteröffnungen, die mit dunklen Holzschiebetüren verschlossen werden können, sieht man auf die grüne Umgebung des Flügels sowie auf den Baumbestand.

Ein Gebäude weiter betreten wir den Hauptturm; man steigt durch alle fünf Etagen bis zur Spitze. Die unteren Räume sind mit Ausstellungsstücken gefüllt; nach oben hin werden die Räume immer kleiner, die Treppenaufgänge immer enger, um eine Einnahme des Schlosses zu erschweren. Das Schloss ist tatsächlich ein einziger Wehrturm, überall sind Öffnungen, aus denen man heißes Wasser oder Steine auf den Feind hinunterwerfen kann, an den Balken hängen Haken für die Gewehre und ab dem dritten Stock gibt es geheime Räume, von denen vermutet wird, dass sich Samurai dort für einen Überraschungsangriff versteckt haben. Ganz oben in dem Raum, wo der Schlossbesitzer verteidigt wurde, bekommt man einen Stempel auf der Eintrittskarte, für die Mühen des Aufstiegs.

Außerhalb des Schosses liegt der Garten, oder besser gesagt, eine Ansammlung von Gärten mit unterschiedlichen Themen, durch die wir aber aufgrund Zeitmangels nur kurz durchspazieren können.

Wir gehen durch eine riesige, verschachtelte Einkaufspassage zurück zum Bahnhof, alles ist hier bunt und billig, aus den Lautsprechern dröhnt japanische Popmusik und Menschen drücken sich durch die Gänge. Ein Laden unter dem Bahnhof mit himmlischen süßen Teilchen entschädigt uns für den natto-Schock am Morgen.

Wir fahren noch mal mit dem Zug nach Kyoto, um von den 100.000 Tempeln zumindest noch einen oder zwei zu sehen. Wir entscheiden uns für den berühmten Steingarten des Ryoanji-Tempels. Der Zen-Garten ist viel kleiner als erwartet und beinhaltet die berüchtigten 15 Felsblöcken, die man angeblich nicht alle auf einmal sehen kann. Die Besucher setzen sich schweigend auf eine Holzterasse, solange man einen Platz bekommt, sehen auf den Garten und versuchen das Geheimnis des japanischen Zengarten zu ergründen, wobei man im günstigsten Fall wahrscheinlich darauf kommt, dass es gar kein Geheimnis gibt, man sich aber wunderbar erholt hat. Vermutlich ist Zen so etwas wie Phänomenologie, nur eben ohne Husserl. Der Rest der Anlage besteht aus einem Garten mit Teich.

Eigentlich wollten wir noch wenigstens eine halbe Stunde auf der Shijo-dori bummeln gehen, die so richtig nett nach shopping aussieht, aber unser Bus steht im Stau und wir kommen gerade noch rechtzeitig zum Bahnhof. Abends im Ryokan bekommen wir wieder Sabu Sabu, diesmal aber mit Fisch. So langsam gewöhne ich mich dran, freue mich aber auch auf ganz normale Reisbällchen, wenn wir mal wieder in einem Business-Hotel sind.

Samstag, 15. September 2007

Benjamin Biolay

das neue Album heißt "trash ye ye" und auf dem Cover blickt ein leicht abgewrackt aussehender Biolay in die Kamera, in der Hand einen Strohalmdrink. Chanson oder der Nouveau Chanson, dessen unangefochtener Star Biolay ist, könnte nicht nur glamour, sondern in seiner modernen Form eben auch ein wenig trashig sein, nicht nur schwarzer Kaffee und Cognac, sondern auch gestapelte Bierdosen und alte Pizzakartons. Aber ausschlaggebend ist ja nicht das Cover oder der Titel, sondern das, was drin ist.

Auf der Platte hört man daher auch keinen Thrash, keine dreckigen Gitarren, kein geheulter Weltschmerz, sondern der gewohnte elegante, ein wenig orchestrale, und trotzdem immer eigenwillige Biolay-Chanson. Nach den ersten paar-mal-hören eine wirklich gute Platte, mit verspielten Arrangements, dramatischen Höhepunkten und leisen Zwischentönen; hier sind viele Facetten eingebracht und miteinander vereinbart, ohne dass es überladen oder chaotisch wirkt. Die klare Linie ist immer da, die typischen Biolay-Momente (Violinen, Frauen-Chor-Hintergrund, Stimmen- und Geräusche-Samples, usw) geben dem ganzen eine Einheit. Und die Stimme natürlich, dieses samtige und gleichzeitig rauhe Französisch - ok, schon gut, ich bin ein Fan, und auch wenn ich zu alt bin um ein Poster aufzuhängen, so ein stylisches Bruce Weber Foto von Biolay hat ja auch künstlerischen Wert. Also wenn jemand weiß, wo es so was gibt, ....

Und wenn jemand hört, dass Biolay in Deutschland spielt, bitte sofort melden! (Ich fahre ja auch nach Frankreich, zumindest in den Nord-Osten, aber zu den Terminen seiner Frankreich-Tour, die in erreichbarer Nähe sind, kann ich leider nicht!!)

Bon soir.

Dienstag, 11. September 2007

Portugal. The Man. Köln.

Es war ohne Zweifel ein gutes Konzert. Der Sänger von Portugal. The Man hat eine grandiose Stimme und die Band spielte sich sichtlich die Seele aus dem Leib. Die kurze Wartezeit zu Beginn des Konzerts, in der das Keyboard nicht funktionierte, wurde mit einer improvisierten Session überbrückt und dann wurde es laut.

Das Gebäude 9 war gut gefüllt und das Publikum bestand zum größten Teil aus Fans und Leuten, die geneigt waren es zu werden. Trotz der positiven Resonanz war vom Sänger die ersten 20 Minuten lang wenig zu sehen. Anfangs hatte er eine Kapuze über die Baseballkappe gestülpt und vermittelte den Eindruck eines freundlichen Nazgul. Später entledigte er sich dann seiner Kapuzenjacke, wandte sich aber bis kurz vor Schluss des Konzertes nicht frontal dem Publikum zu. Während die anderen Mitglieder der Band, vor allem der Keyboarder und Bongo-Trommler weitaus extrovertierter schienen, tendierten auch sie dazu dem Publikum zeitweise den Rücken zuzukehren. Der verbleibende Eindruck war jedoch weniger der von Arroganz oder Show-Off, sondern eher der von Tüfteltum und Konzentration.

Dass Portugal aus Tüftlern besteht ist kaum zu überhören. Die Musik besteht aus ungewöhnlichen Arrangements, abwechslungsreichen Wechseln vom Schnellen, Kraftvollen zum Langsamen, Bedächtigen, enthält Andeutungen von Melodien und teilweise sehr eingängige Passagen. Man spürt die Kopfarbeit, die hinter den Stücken steckt und das macht ein Konzert von Portugal teilweise recht anstrengend. Die Kompositionen sind komplex, der unbezweifelbar kraftvolle und energetische Sound webt einen dichten Klangteppich, manchmal zu dicht für den Hörer, der sich bemüht, einen Zugang zu finden und doch in den meisten Fällen außen vor bleibt. Wenn die Band an den Instrumenten austickt, dann explodieren sie nicht, sondern implodieren. Der passende Begriff dafür mag introvertierte Epic sein.

Das Konzert geht bis kurz vor 12, die Stücke sind lang und die Band hat keine Angst vor ausufernden Instrumentalpassagen. Als wir den Konzertraum verlassen, läuft in der vorgelagerten Kneipe Maximo Park und ich fühle mich seltsam erleichtert. Wir fahren nach hause und versuchen unsere Ohren wieder frei zu bekommen.

Sonntag, 2. September 2007

Japan-Reise Tag Vier

Montag, den 23.07.07 – Kyoto – Himeji

Nach den üblichen Reisbällchen zum Frühstück kaufen wir uns ein Tagesticket für 500 Yen und fahren mit dem Bus zum Kiyomizu-dera-Tempel. Nachdem wir ausgestiegen sind, laufen wir eine schmale Straße den Hügel hinauf, rechts und links kitschig-schöne und bunte -Souvenir- und Omijage-Läden, und wenn man in die abzweigenden Straßen schaut, sieht man plötzlich auf die Dächer von Kyoto. Die Tempelanlage erscheint hinter einer Anhöhe. Wir steigen eine breite Treppe hoch und laufen durch die orange-rotbemalten Gebäude. Um auf die Verande zu gelangen, zahlt man Eintritt, aber dafür hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt und die Tempelanlage. Wir gehen einen Panorama-Weg entlang, genießen die Aussicht und gelangen dann wieder nach unten zum Haupteingang.

Die nächste Attraktion ist der Ginkakuji, der silberne Tempel, der aber nicht silbern ist – allerdings gibt es ein Meer aus Silbersand, eine weite Fläche aus Kies, die in Wellenform geharkt ist und an deren Seite ein abgeschnittener Kegel steht. Sehr dekorativ. Der Tempelgarten ist malerisch, der Boden ist mit Moos bewachsen, überall wachsen die Wurzeln der Bäume durch die Erde, was einen verwunschenen Eindruck hinterlässt. Unterschiedliche Baumarten stehen in verschiedenen Ecken des Gartens, vor allem der Bambuswald fasziniert mit den geraden, hochgewachsenen, astlosen und schlanken Stämmen. Ein sehr harmonischer, ruhiger und ausgesprochen ordentlicher Ort.

Wir essen in einem kleinen Restaurant an der Straße zum Tempel. Diesmal esse ich Reis mit Salzpflaume in einer Brühe, was ganz lecker ist.

Nach dem Silbernen Tempel dann der Kinkakuji – der goldene Tempel. Wenn man durch den Eingang kommt, bietet sich ein unglaublicher Blick: an einem See mit kleinen, baumbestandenen Inseln steht eine goldene Pagode, die sich im Wasser spiegelt, wenn es windstill ist. Auf dem See schwimmen Seerosen und eine kleine Holzbrücke wölbt sich über das Wasser. Der Himmel ist blau und das Gold der Oberfläche des Pavillons schimmert. Es ist überhaupt nicht so kitschig, wie es sich anhört, sondern einfach wunderschön. Danach spazieren wir noch ein wenig durch den Park, wobei mir auffällt, dass es in japanischen Gärten schwierig ist, ein gutes Fotomotiv zu finden, mal abgesehen von diesen optischen Highlights wie Goldpavillon und Silbermeer. Die Gärten sind vielleicht tatsächlich so angelegt, dass die Teile nur im Ganzen wirken.

japand

Standortwechsel. Wir fahren mit dem Shinkansen nach Himeji, wo wir von einem Shuttle abgeholt werden, der uns einen Berg hinauffährt und zwar zu unserer nächsten Unterkunft: einem Ryokan, ein Hotel im japanischen Stil. Wir fahren ziemlich lange nach oben und haben dementsprechend einen wunderbaren Blick auf Himeji, deren Lichter in der Abenddämmerung flimmern. Wir beziehen unser Zimmer. Das erste was uns auffällt ist der Geruch der Tatami-Matten, ein leicht grasiger Geruch. Wir betreten einen Vorraum mit Steinfussboden, auf dem wir unsere Schuhe ausziehen, und wo sich ein Waschbecken und die Tür zur Toilette befindet. Damit wir uns nicht überanstrengen, öffnet sich der Klodeckel automatisch, sobald man die Tür öffnet. Auf dem Boden der Toilette stehen die Klo-Pantoffeln, die mir allerdings etwas zu klein sind. Durch einen Treppenabsatz vom Vorraum getrennt kommt man in den Hauptraum, in dem die Futons auf dem Boden liegen. An der Seite steht ein niedriger breiter Tisch mit einem modernen Wasserzubereiter und Teegeschirr. Durch eine Schiebetür getrennt ist ein schmaler Raum mit zwei Sesseln und einem Tisch, die direkt vor dem Panoramafenster stehen, dass die gesamte Fläche des Raumes ausmacht, und von dem man aus auf Himeji sehen kann.
Aber wir haben keine Zeit, weil das Abendessen schon auf dem Tisch steht. Das Abendessen ist japanisch für Fortgeschrittene. Es gib Sabu Sabu, ein Art Fondue mit Wasser statt Öl, in dem dünne Rindfleischscheiben, Pilze und Grünzeug gekocht werden, die anschließend mit Sojasauce gegessen werden. In kleinen Schüsseln und auf Tellern dekorativ angerichtet sind kleine Stücke Tempura, Sashimi, scharfer eingelegter Thunfisch, eingelegtes Gemüse, eine Fischbrühe , Ei mit Tofu und Fisch pochiert und ein sehr europäisch aussehender Salat. Dazu gibt es Reis und grünen Tee.

Nach dem Essen gehen wir in die hauseigene heiße Quelle, natürlich Mann und Frau getrennt. Wir ziehen unsere Baumwollkimonos an, die man in einem Vorraum in einem kleinen Korb wieder ablegt. Mit einem Waschlappen betritt man dann den Raum mit dem Wasserbecken, vor dem an jeder Seite drei Waschplätze angebracht sind. Dort kann man sich gründlich waschen, wobei man die Auswahl zwischen so interessanten Seifen wie Pferdemark oder Asche hat, und dann steigt man in das Bauchtiefe, sehr heiße Wasser und entspannt, mit dem Blick auf das nächtliche Himeji.

Dienstag, 28. August 2007

Japanreise Tag 3

Sonntag, 22.07.07 – Kamakura – Kyoto

Es gibt zum Frühstück – Reisbällchen mit Misosuppe, tadaa. Die Dinger schmecken in jedem Toyoko-Inn irgendwie anders, was sie nicht unbedingt abwechslungsreicher macht. Mit der Bahn fahren wir nach Kamakura und laufen eine Allee in der Mitte der von Touri-Shops umsäumten Straße entlang. Touri-Shops in Japan sind viel interessanter als der Kisch, den man in Europa oder USA bekommt, es ist eben Japan-Kitsch. Das beinhaltet zwar auch die üblichen unspektakulären, trotzdem schön anzusehenden Kunstgegenstände, aber auch seltsame Sachen zu Essen (irgendwelche Reiskräcker, die man nur hier bekommt?) und schönen, bunten Kram. Allerdings haben wir eigentlich gar keine Zeit zum Bummeln, wir laufen also diese Allee entlang, an deren Ende eine große Schreinanlage steht, mit roten Holzbrücken über Fischteichen, einem Platz mit einer langen Treppe und oben auf dem Hügel der Schrein. Längs des Platzes reihen sich Andenkenshops, Stände mit gerösteten Kernen und bunten Masken aneinander, unter anderem findet man dort auch dieses lustige bunte Wassereis, das tatsächlich schmeckt und vor allem durch die poppige Farbe besticht.

Wenn man die Treppe zum Schrein hochsteigt, steht man schließlich vor dem offenen Gebäude, das man als gewöhnlicher Sterblicher anscheinend nicht betreten darf, außer man ist Säugling und wird an diesem Tag gesegnet, wie wir beobachten konnten. Wir begnügen uns damit, den Gläubigen zuzusehen, wie sie Kleingeld in eine Rinne werfen, sich etwas wünschen, dreimal in die Hände klatschen und sich abschließend noch dreimal verbeugen.

Vielleicht wurden unsere stummen Gebete erhört, denn auf einmal scheint die Sonne und es wird langsam so heiß, wie uns immer prophezeit wurde. Der Weg zum Daibutsu, dem zweitgrößten Buddha Japans, ist etwas beschwerlich, weil wir als gute Deutsche natürlich immer unter dem Wetter leiden, sei es nun zu nass oder zu heiß. Wir laufen durch eine Art Wohngebiet bis zur Statue, die sich imposant von dem nun strahlend blauen Himmel abhebt. Die Statue ist gut besucht, eigentlich sieht man fast nur Japaner, die Familienfotos vor dem Buddha schießen. Interessant finde ich, dass sich auch für viele junge Japaner der Charme dieser Sehenswürdigkeiten erschließt. Liegt es an dem Hang zur Tradition, oder hat der Japaner an sich einfach Spass daran, etwas zu besichtigen, sei es nun in Japan oder in Übersee?

Daibutsu

(Das hört sich vielleicht an, als ob ich ein mieser kleiner Chauvinist bin, aber eigentlich liebe ich diese kleinen Klischees, die man Ländern so zuschreibt, und fände es total schade, wenn ich keine Witze mehr über holländische Wohnwagen oder das italienische Chaos machen könnte. Im Gegenzug gestehe ich all meinen Lieblingsnachbarn ja auch zu, dass sie Witze über deutsche Eigenheiten machen dürfen. Obwohl die wahrscheinlich weniger lustig sind.)

In kürzester Entfernung zum Daibutsu befindet sich der Hase Tempel, ein Ort, den ich unbedingt empfehlen kann. Es handelt sich um eine wunderschöne Anlage, mit kleinen Gärten, vielen Winkeln, Statuen, Tempeln, einem Mega-Blick über Kamakura von einer kleinen Aussichtsplattform aus, einem Panoramawalk, der noch mehr schöne Ausblicke gewährt, und einer verdammt niedrigen Höhlen-Ganganlage, die für Menschen über 1,45 m nicht zu empfehlen ist. Es gibt schwarze Schmetterlinge und Orchideen und zwei große vergoldete Buddhafiguren.

Krönender Abschluss dieses sehr gelungenen Tages ist ein Besuch am Strand von Kamakura. Möglicherweise gibt es schönere Strände auf dieser Welt. Der Kamakura Strand hat klumpigen graubraunen Sand, die üblichen Algenanhäufungen und nicht allzu klares Wasser. Aber egal, es ist toll. Wir ziehen die Schuhe aus und laufen durch das kühle Meerwasser, vorbei an brutzelnden Japanern, spielenden Kindern und posierenden Jugendlichen. Apropos brutzeln – nachdem der Regen aufgehört hat, wurden die Regenschirme trotzdem nicht eingeklappt. Auf meine Nachfrage bei unserer autorisierten Reiseleitung wurde mir erläutert, dass die Japanerinnen ungern braun würden. Bei dieser Gelegenheit fielen mir sofort wieder Gerüchte über Bleichmittel in japanischer Waschlotion
ein – wirklich nur ein Gerücht? Nichtsdestotrotz gibt es sonnenhungrige Japanerinnen am Strand und darüber hinaus sehr lustig anzusehende Bademeister, die ihren Job und die damit verbundene Autorität augenscheinlich sehr, sehr ernst nehmen. Die üblichen Strandbars am oberen Ende des Sandstreifens sind von lauten Jugendlichen bevölkert und es geht mehr oder weniger ungezwungen zu. Wir haben mittlerweile alle einen Sonnenbrand und nasse Hosenbeine.

Bevor wir zurück zum Bahnhof gehen, quetschen wir uns noch in ein kleines und enges Restaurant, wo ich kalte Ramen-Nudeln esse, ein Gericht, dass gar nicht so seltsam schmeckt, wie es sich vielleicht anhört. Im Fernsehen läuft Sumo, entspannt kommentiert von zwei älteren Herren.

Nachdem wir unser Gepäck abgeholt haben, steigen wir in den Shinkansen, der uns in 2 ½ Stunden nach Kyoto bringt. Von Tokyo bis nach Kyoto sind es immerhin 500 km, und die Geschwindigkeit dieser Züge ist so hoch, dass es in den Ohren knackt.

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