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Samstag, 24. Juli 2004

goth

„Goth“ von Kendi Oiwa ist eiskalt. Wenn Mangas nicht prinzipiell in schwarz-weiß gezeichnet würden – für diesen Manga hätte es keine anderen Farben gegeben. Außer vielleicht blutrot.

Die Obsession für den Tod verbindet zwei japanische Mittelstufenschüler, Kamiyama, rational, elegant, gefühllos, und Morino, eine Außenseiterin, die niemanden an sich heranlässt. Kamiyama ist von Morina fasziniert, von der Narbe an ihrem Handgelenk, von ihrer kühlen Teilnahmslosigkeit, sie wird Teil seiner Mordphantasien und –pläne. Äußerlich sind sie verbunden durch das gemeinsame Interesse an bizarren Verbrechen, die ihre Intelligenz herausfordern und ihre grausamen Neigungen befriedigen. Sie lösen die Fälle zu ihrem eigenen Vergnügen, sie verbinden damit keinerlei moralische Ziele. Es ist ihnen gleich, wenn der Killer entkommt, sie lassen ihn ziehen, selbst, wenn sie selbst in Gefahr waren.

Beide haben jedoch auch eigene Motive, aus denen sie Kontakt zueinander suchen. Kamiyama ist von dem Gedanken beherrscht, Morino zu töten, während Morino unbewusst einen Weg aus ihrer Einsamkeit sucht, mit der sie sich umgibt, um ihre Vergangenheit zu verbergen. Sie weiß, dass Kamiyama der einzige ist, der diese Vergangenheit entschlüsseln kann. Am Ende muss sie erkennen, dass sie für Kamiyama nie mehr ist, als ein Objekt seiner Mordphantasien. Nachdem er letztlich auch ihren Fall gelöst hat, verliert er das Interesse an ihrer Person und geht mit den Worten: „Wenn du irgendwann wieder einmal sterben möchtest, sag mir einfach Bescheid! Ich werde das dann für dich erledigen.“ Mit diesen Worten schließt sich der Kreis für Kamiyama, für den das Interesse an Morino mit ihrer Selbstmordnarbe begann.

Dienstag, 20. Juli 2004

hier und jetzt

diese welt ist nicht mehr transzendent, sie ist wysiwyg, gekauft wie gesehen. vielleicht ist das schade, vielleicht wollen wir es auch nicht anders. das bisschen schein-transzendenz, das uns angenehm ist, ist eine harry-potter-transzendenz, die gerade bis nach hogwarths reicht. vielleicht wäre der verlust der transzendenz aber zu verschmerzen, wenn wir nicht die immanenz an ihre stelle gesetzt hätten. wir richten unsere fragen nur noch an uns selbst und finden dort die antworten, die wir finden wollen.

Dienstag, 13. Juli 2004

bücher lesen

Als wir Sonntag vor einer Woche auf dem verregneten Grillfest des TT-Vereins waren, so ein richtiges Familiengrillen, mit Ehefrauen, Kindern, und Bergen von Fleisch, saß mir ein Mädchen gegenüber, ca. 13 Jahre alt, Brille. Sie hatte ein Buch auf den Knien, und las, die ganze Zeit, ohne aufzuschauen. Ich habe sie gefragt, was sie liest und sie guckt mich an und meint, Harry Potter. Ich frage, wie oft sie den Band schon gelesen hat, es ist der letzte, sie sagt, viermal. Wird das nicht langweilig, meine ich, sie schüttelt den Kopf. Die anderen Bände hat sie auch schon drei bis viermal gelesen. Scheiße, dachte ich, du warst auch mal so. Bücher immer wieder lesen, war früher nicht langweilig. Heute ist das anders, wenn man älter ist, liest man selten ein Buch zweimal. War es früher gut, die gleiche Amosphäre immer wieder zu reproduzieren, die gleichen Gefühle immer wieder zu durchleben? Versucht man das heute nicht auch, wenn auch nicht mit dem gleichen Buch, stattdessen aber mit Buch-Serien? Vielleicht lag es auch einfach daran, dass man früher mehr gelesen hat, mehr Zeit zum Lesen hatte, und zwangsläufig darauf angewiesen war, ein Buch mehrmals zu lesen, bis endlich der Nachfolgeband rauskam.

Mittwoch, 7. Juli 2004

noir

die beste, momentan im tv laufende, anime-serie ist zu ende: noir. eine weitere reminiszenz an killer, in der tradition von weißkreuz. vollgepackt mit schuldgefühlen, reflexionen über richtig und falsch, übernahme von verantwortung. dazwischen geniale kampfszenen. die story: kirika, eine junge japanerin, findet sich ohne jede erinnerung in einer unbekannten umgebung, stellt jedoch fest, dass sie eine bestens ausgebildete killermaschine ist, die ohne jede emotion töten kann. sie nimmt kontakt zu mireille bouquet auf, als zuverlässige killerin unter dem namen noir bekannt, um sie zu bitten, ihr bei der suche nach der vergangenheit zu helfen. von paris aus nehmen sie aufträge an und geraten an eine geheime organisation, die sich soldats nennt, und die sich als der schlüssel zu ihrer beider vergangenheit herausstellt. dann taucht eine weitere killerin auf, die behauptet, die wahre noir zu sein, chloé. sie ist die verbindung zu altena, eines mitgliedes der soldats, die jedoch ihre eigenen ziele verfolgt: die grand retour. kirika und mireille finden sich als spielbälle in einem netz von unterschiedlichen interessen wieder, das auch ihre eigene relation beeinflusst, welche sich von einem reinen zweckbündnis zu einer art freundschaft entwickelt, bis beide mit den wahren wurzeln ihrer verbindung konfrontiert werden.

der anime ist eine mischung aus action und mystik, superschön gezeichnet, und interessanten Kontrasten zwischen sehr schnellen passagen und langen einzeltakes.

Freitag, 2. Juli 2004

Prioritäten und Probleme

Mittwoch war ich auf einem Vortrag über die Menschenrechte, genauer, Unviversalismus und Relativismus, hochkomplexe Materie, und leider habe ich nicht besonders viel verstanden, weil ich mit meinen Gedanken noch beim Mango-Sale war, und die Crux ist, dass ich wieder keinen Rock gefunden habe, dafür aber jede Menge anderer Teile, die ich eigentlich gar nicht brauche, die aber viel zu schön zum Liegenlassen sind. Der Vortrag gestern behandelte den Intentionalismus in der Philosophie des Geistes, und ich hatte vorher keine Zeit mehr einzukaufen, daher war ich etwas mehr bei der Sache, obwohl ich doch geknickt war, dass ich keine Zeit mehr hatte, die herabgesetzten Schuhen zu scannen. Sehr beruhigend ist doch, dass Andere genauso viele Probleme mit der verdammten Intentionalität haben, und dabei ist es doch garantiert nur ein Konstrukt, eine Erfindung für Phänomene, die man sonst nicht erklären kann. Warum lassen wir uns von so etwas vom shoppen abhalten? Heute und Morgen bin ich auf einem Seminar, und da habe ich garantiert keine Zeit mehr zum Einkaufen, ich hoffe nur, dass ich nicht wieder so viele Schokoriegel konsummieren muss.

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