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Mittwoch, 13. Januar 2010

Bolano-Freaks

lesen auf Wilde Leser das preisgekrönte Werk "Die wilden Detektive" von Roberto Bolano, dem total verrückten, aber vermutlich ziemlich genialen, und leider verstorbenen, chilenischen Schriftsteller. Da ich mich durch 2666 allein kämpfen musste, lese ich diesmal simultan die Detektive mit, in der Hoffnung, ein wenig Licht in das chaotische Sammelsurium zu bringen.

Freitag, 8. Mai 2009

Ouagadougou

Luxemburg, Liechtenstein, Schweiz, Österreich, Ouagadougou. Peer Steinbrück hat mal wieder mit näselndem Tonfall und norddeutscher Direktheit tief in den Topf mit dem Glitsch gegriffen, den er immer schlechter von seinen Händen abbekommt. Ich habe mich erst gefragt, ob Ouagadougou beleidigt ist, weil die Hauptstadt in einem Atemzug mit einem Schurkenstaat wie Luxemburg genannt wurde, aber tatsächlich ist Luxemburg jetzt beleidigt, weil es überhaupt genannt wurde. Die Schweiz hat ja schon lange ein Einreiseverbot für deutsche Finanzminister ausgesprochen, und sieht sich jetzt außerdem mit Fragen der schweizer Identität konfrontiert, bzw. mit der Abgrenzung zur deutschen Mentalität, was sehr amüsant zu lesen ist. Liechtenstein hat die Nase voll von unrühmlicher Publicity und Österreich versteht die Welt nicht mehr.

Verstehen wir Herrn Steinbrück noch? Tatsächlich habe ich eine gute Meinung von Herrn Steinbrück, was mit meiner derzeitigen Tätigkeit zusammenhängt, obwohl er mir bzw. der Institution in der ich arbeite, in Bezug auf genau diese Tätigkeit oft einen Strich durch die dreimal überprüfte und mit schönen Worten angereicherte Rechnung macht. Zwar kann ich nicht wirklich beurteilen, ob das zukunftsperspektivisch alles Sinn macht, was Herr Steinbrück in den letzten 3,8 Jahren so propagiert und realisiert hat, und in Bezug auf die Abwrackprämie habe ich ernsthafte Zweifel, zumindest hat er aber ganz gut angepackt und malocht.

Und da ich mich für einen direkten Menschen halte, sind mir auch die Direktheiten von Anderen nicht unsymphatisch und sehr viel lieber als das Hintenrumtaktieren und Aufsglatteisführen manch anderer Zeitgenossen. Allerdings bin ich auch für ein gewisses Mindestmaß an Höflichkeiten und gegen das beliebige Assoziieren unschuldiger afrikanischer Hauptstädte mit der finanziellen Achse des Bösen. Und so langsam gräbt sich mein momantaner Finanzministerfavorit eine Grube, in die er ganz schnell ganz tief fallen kann und aus der ihm niemand wieder hinaushelfen wird. Ich sehe schon vor mir, wie sie alle am Rand der nämlichen Grube stehen und bedauernd nach unten schauen, wo der Peer mit Lehm auf der Brille und den Füßen im Wasser die Arme nach oben reckt. Ich muss jetzt leider zum Friseur, wird die Angela sagen, ich muss jetzt leider zum Obama, wird Frank-Walter sagen, und: das Sauerland ruft, wird der Franz murmeln. Und weg sind sie, und der Peer auch. Ich überlege ernsthaft, ob ich dem Peer mal eine E-Mail schreibe, in der ich meine fachliche Zuneigung bekunde und ihn bitte, doch einfach mal ein bisschen relaxter zu werden, damit wir auch in der nächsten Legislaturperiode noch viel Spass mit ihm haben können. Oder ahnt er schon, dass es dazu gar nicht mehr kommen wird und lässt jetzt einfach den ganzen Frust raus, bevor ihm keiner mehr zuhört?

Dienstag, 5. Mai 2009

Fauxpas

Das Loch in meinem grauen, dünnen Pulli mit den langen Ärmeln habe ich schon bemerkt, als ich ihm heute Morgen übergezogen habe. Das Loch ist oben an der Schulter und es schimmert ein Stückchen Haut durch, was man auf den ersten Blick für einen Flusen halten könnte. Aber ich habe mir gedacht, wird schon keiner merken, oder selbst wenn es jemand merkt, macht das nichts. Es ist eher lästig, den Pulli wieder auszuziehen und sich ein anderes Outfit zu überlegen, das möglichst zu der weiten schwarzen Hose passen sollte, die ich schon an hatte. Außerdem war ich wie jeden Morgen spät dran und ich hatte mir geschworen, wenigstens einmal in der Woche den frühen Zug zu kriegen. Also habe ich den Pulli angelassen und bin damit zur Arbeit gefahren. Auf der Arbeit kann ich mich gewöhnlich die meiste Zeit in meinem Einzelbüro verstecken, hin und wieder husche ich zur Toilette, die direkt gegenüber ist (eine eher unappetitliche Vorstellung, aber tatsächlich ist es gar nicht so schlimm), oder laufe, völlig überladen mit Teetasse, Espressotasse, Siebträger, Wasserkocherbehälter und manchmal auch der am Vortag benutzten Müslischale, quer über den Flur zur Miniküche. Heute hatten wir um 10 Uhr eine Besprechung. Auf dem Weg in den oberen Stock, während ich mit meinem Chef und einer Mitarbeiterin über den Flur laufe, beugt sich die Mitarbeiterin verschwörerisch zu mir hinauf (ich bin eine Ecke größer als sie) und flüstert: Du hast ein Loch im Pulli. Mein Chef sagt fröhlich und etwas lauter: Habe ich auch schon gesehen. Mein Gehirn läuft auf Hochtouren. Das habe ich erst vorhin gemerkt, lüge ich, und: Als ich meine Jacke ausgezogen habe, bin ich hängen geblieben. Ich zucke bekümmert mit den Schultern. Während der Besprechung glänze ich mit fachlich-pessimistischem Blick in die Runde und mehr oder weniger beiläufigen Bemerkungen, muss mir aber nichts mehr über meinen versehrten Pulli anhören, weil die Anwesenden eben doch alles Profis sind. In der Kantine sitze ich wie immer mit dem versprengten Haufen unserer Mittagsrunde zusammen, esse eine sehr knusprige Pizza Margaritha mit seltsam unverschmolzenen geraspelten Käsestückchen und lächle oder lache dem Anlass entsprechend. Manchmal strengt es mich ziemlich an, dieses ständige Lächelnlachen in der Kantine. Eigentlich bin ich kein geborener Lächler, eher der Grübler, Stirnrunzeltyp. Mein Freund sagt ständig zu mir: guck nicht so grieselig, auch wenn ich eigentlich der Meinung bin, einen durchaus entspannten und freundlichen Gesichtsausdruck in die Welt zu tragen. Jedenfalls, wenn ich die Schwelle meines Büros übertrete und die Tür hinter mir schließe, rutscht das Lächeln sofort von meinem Gesicht, und ich atme einmal tief und erleichtert durch. Aber gut, ich sitze vor den Resten der Pizza und die Kollegin mir gegenüber zeigt auf das besagte Loch im Pulli: Du hast ein Loch im Pulli. Mein Dauerlächeln strahlt um ein paar Lichteinheiten mehr. Ja, das ist mir leider heute Morgen passiert, als ich meine Jacke ausgezogen habe. Der Spruch kommt nun völlig souverän. Du kannst ja einen kleinen lustigen Aufnäher aufnähen, sagt besagte Kollegin. Es gibt Kolleginnen, es sind immer Frauen, die nicht in der Lage sind, eine Tatsache einfach so hinzunehmen. Sie stehen unter dem inneren Zwang, eine oder gar alternative Lösungsmöglichkeiten für Probleme anzubieten, die eigentlich keine Probleme sind. Der fatale Fehler in einer solchen Situation ist, wenn man sich darauf einlässt. Äh, ja, sage ich ratlos. Die Kollegin sieht mich aufmerksam an und fährt fort: das Loch ist doch gar nicht so groß, und so ein Aufnäher sieht doch bestimmt richtig süß aus. Dann kannst Du den Pulli noch mal wieder anziehen. Naja, meine ich unschlüssig und versuche es mit einem: wahrscheinlich muss ich den Pulli aber doch einfach wegwerfen, ich glaube, eine Reparatur lohnt sich nicht mehr. Glücklicherweise fällt einer anderen Kollegin ein, dass sie als Kind immer lustige kleine Aufnäher auf all ihren Sachen hatte und ich werde aus dem Focus das allgemeinen Interesses in die zweite Reihe verdrängt, wo es eh immer am schönsten ist.

Montag, 4. Mai 2009

Malerei, Marathon und ein Malheur

Zum Ende des schönen langen Wochenendes beschlossen wir, mein Freund und ich, nach Düsseldorf zu einer Ausstellung zu fahren, die sich Sonic Youth etc. Sensational Fix nennt. Sonic Youth ist gewolltermaßen DIE alternative Band der 80er und 90er sowie der kommende Klassiker der nächsten Jahrzehnte, schöpft jedoch mittlerweile nur noch aus dem bisher aufgeloopten Fundus an Gitarrenfeedback und gequengelten Melodien (was nur meine Meinung ist, aber nach einer glücklichen Identifkationsphase habe ich mich irgendwann schmerzlos von Sonic Youth verabschiedet und nicke mittlerweile nur noch wissend und etwas müde mit dem Kopf, wenn der Name fällt.) Natürlich macht man als Überband nicht nur Musik sondern wirkt auch intensivst inspirierend auf die Kunstszene bzw. probiert sich auch schon mal selbst, oder sammelt ganz einfach. Mit dem Ergebnis kann man gut und gerne zwei Museen in Düsseldorf füllen – das Kunstmuseum und die Räumlichkeiten Kunst im Tunnel.

Als Fan (mein Freund) und irgendwie geneigte Interessentin (ich) begaben wir uns daher nach Düsseldorf um uns die Werke anzusehen. Im Kunstmuseum hängen viele Poster und Plattencover im Eingangsbereich, was sehr schön aussieht, es gibt eine Installation mit von der Decke hängenden, durchsichtigen Leinwänden, auf denen Musiker zu sehen sind, was ebenfalls sehr schön aussieht, es gibt eine an die Wand gepinnte Wolldecke, was seltsam ist, viele Fernseher mit Kopfhörern, ein paar Gitarren, Bilder, Fotos und einen Raum mit Schallplatten auf dem Boden. Im Tunnel sieht man ein großes K mit Spiegelkacheln, viele bunte Schallplatten an den Wänden, noch mehr Fernseher, noch mehr Bilder und ein Aufnahmestudio, wo musikalisch begabte Zeitgenossen zur Stimme von Kim Gordon intonieren können und wo ich mich gerne mal ans Schlagzeug gesetzt hätte, so Mo Tucker mäßig. Aber gut. Am Ende sitzen wir vor unseren Milchkaffees im Museumscafe, und ich fühle mich irgendwie ausgeschlossen von der Kunst die dort unter uns im Tunnel hängt. Ist das Kunst für jeden x-beliebigen Kulturinteressierten, oder doch nur an Adressaten aus der „Szene“ gerichtet, in einer Art Insidersprache gemalt, mit kleinen Insiderscherzen, guck mal, erinnerst du dich, das war doch lustig, da habe ich mit einem Schrotgewehr in ein Stück Holz geschossen? Anderes wirkt, als wolle der Nicht-Musiker-Künstler mit Gewalt an etwas teilhaben und es wird nicht ganz klar, ob ihm der Fuß in der Tür reicht, oder ob er tatsächlich eintreten und kommunizieren möchte. Diese Musikszene um Sonic Youth herum ist eben eine sehr diffuse Angelegenheit, keine Definition möglich, keine stringente Linie erkennbar, es ist alles so irgendwie – irgendwie neu, irgendwie spannend, irgendwie anders (also damals jedenfalls) – und man läuft mit dem Einkaufswagen durch die Gänge und bedient sich mit wachsendem Entzücken wahllos. Zu hause angekommen, tritt die Ernüchterung ein, weil man gar nicht genau weiß, was man mit dem Zeug eigentlich damit anfangen soll.

Übrigens sind vom Cafe aus die Gitterzäune zu erkennen, mit denen die Läufer vom Rest der Bevölkerung getrennt werden – in Düsseldorf ist an diesem Tag nämlich Marathon und die Stadt ist voll mit ausgezehrten Gestalten mit Trinkflaschen und Bananen, die mit einem irren Flickern in den Augen nach hause humpeln. Ich gestehe hiermit, dass ich überhaupt kein Verständnis für diese Art des Sports habe. Ich kann verstehen, dass Leute sich fit halten, um keinen Herzinfarkt zu bekommen, oder damit sie keine Beulen an den Oberschenkeln bekommen, oder um ein paar Kilo abzunehmen. Sport ist so ein Um-Zu, reines Mittel zur Erreichung eines Zwecks. Aber ein Marathon ist im Rahmen einer Zweck-Mittel-Relation völlig unverhältnismäßig. Leute, die mir sagen, dass Laufen doch Spass macht, beleidigen meine Intelligenz. Auf dem Rückweg begegnen uns zwei Mädchen mit dem üblichen offenen Lächeln und einem Stapel Faltblätter in der Hand und stellen heiter die Frage: Interessiert Ihr Euch für Sport? Ich habe mein Um-Himmels-Willen hinuntergeschluckt und mich mit einem kurzen Nein-Danke und einem gequälten Lächeln begnügt.

Will nun noch jemand wissen, was es mit dem Malheur auf sich hat. Tja, es war einmal in einem völlig leeren Parkhaus, mit wahnsinnig viel Platz und einem einsamen Pfeiler direkt neben dem Wagen, der sich schon mal im toten Winkel befinden kann. So hat es den Rückspiegel hinweggerafft, und der guten Laune meines Freundes einen herben Schlag versetzt. Shit happens, sagt das Sprichwort, und unsere überteuerte Autowerkstatt ist der Finanzkrise mal wieder gerade so ausgewichen.

Samstag, 29. September 2007

Japan Reise Tag Sechs

Mittwoch, 25.07.07

Wir fahren nach Nara! Nara ist die erste Hauptstadt Japans und die Gebäude sind dementsprechend riesig und archaisch. Aber der Reihe nach: wir fahren vom Bahnhof aus mit dem Bus zum Park von Nara und begegnen dort Rehen und Hirschen, die augenscheinlich bereits auf uns warten. Besser gesagt, sie warten darauf, dass wir rundes Waffelgebäck kaufen und es ihnen hinhalten, damit sie danach schnappen und uns so lange verfolgen, bis wir ihnen auch den Rest von dem Zeug geben. Gut, wir haben darauf verzichtet, weil uns unser Leben und unser Regenschirm lieb ist (wenn sie keine Waffeln bekommen, scheinen sie auch Schirme zu nehmen).

Nach einer kurzen Wanderung durch den nach Rehkot riechenden Park, gestochen von unzähligen Mosquitos (es ist ein Gerücht, dass sie nur abends stechen), erreichen wir den Todaiji-Tempel, dessen riesiges, rot-grün-bemaltes Dach von zwei goldenen Hörner gekrönt ist.

Japane

Im Inneren des Tempels steht der größte Buddha Japans und weitere angsteinflößende Statuen. In einer der Säulen im hinteren Teil des Tempels ist eine Öffnung, durch die sich Kinder und Erwachsene quetschen, egal wie dämlich es aussieht, weil das nämlich Glück bringen soll. Ich frage mich, ob schon mal jemand stecken geblieben ist und wie viel Pech das zusätzlich bringt.

Wunderbarerweise gibt es im Tempel Postkarten. Habe ich erwähnt, dass Japan nicht gerade ein Ort ist, wo man an jeder Ecke Postkarten bekommt? Scheint dort wenig populär zu sein, auch wenn zu jeden Gelegenheiten Hunderte von Grußkarten versandt werden. Jedenfalls brauchen wir nun keine Angst mehr zu haben, dass unsere lieben Freunde und Verwandten uns steinigen, wenn wir wieder zurück sind. Gut, wir brauchen noch Briefmarken.

Es ist heiß, aber wir schleppen uns tapfer weiter durch den Park. Weitere Tempel erwarten uns, außerdem eine große Glocke und mehr von diesen außerordentlich schönen Alleen aus Steinleuchten. Hier sind im Gegensatz zum Todaiji nicht so viele Touristen, aber die Aussicht ist wunderbar. Man sieht auf die grüne, bewaldete Umgebung und die Dächer der Tempel und im Hintergrund blinken die Goldhörner des Todaiji. Insgesamt erscheint die Anlage mit den vielen Grabsteinen (?), Steintreppen, Altären und verwinkelten Ecken wie verzaubert.

Leider haben wir keine Zeit mehr um die anderen Tempel in Nara zu besichtigen. Auch das Mittagessen findet im Zug statt (Supermarktfood, in Japan immer wieder ein Erlebnis). Nachdem wir in Osaka angekommen sind und unser Hotel bezogen haben, folgt schon das nächste Erlebnis: ein Matsuri.

Matsuris sind japanische regionale Feste, vielleicht vergleichbar mit unserer Kirmes, aber mit religiösen Bestandteilen, wie Prozessionen und Lampion-Fahrten. Wir sind sofort mitten im Gewühl und es ist unglaublich. Die Mädel tragen Kimonos und sehen unglaublich stylisch aus, die Jungs eine Art Sommerkittel oder sind modern gekleidet, was einen ziemlich guten Kontrast abgibt.

Japanf

Die Straßen sind voll, die Menschen drängen sich zwischen den Ständen hindurch, die seitlich des Flusses aufgebaut sind. Die Stände allein sind ein Erlebnis, es gibt Bottiche mit kleinen Goldfischchen, die man mit einem Papierkäscher fangen kann, bis das Papier durch ist (und dann in einer Plastiktüte mit nach Hause nimmt), Aale, die mit Schlingen gefangen werden, bunte Ballspiele, Frankfurter Würstchen am Spieß, die mit Ketchup-Sauce bepinselt werden, Pfannkuchen mit Oktopus, Pfannkuchen am Stäbchen, dünne Fladen, die belegt und mit einem Ei überbacken werden, und die japanische „Pizza“ mit Weißkohl und unterschiedlichen Zutaten. Dazwischen finden sich übrigens auch Stände mit Pommes und ein Döner! Auf dem Fluss fahren Boote mit Trommlern und Mönchen, illuminiert von brennenden Fackeln.

Wir stehen eine Weile auf der Brücke, in der Hoffnung, das angekündigte Feuerwerk zu sehen, aber wir sehen leider gar nichts und irgendwie kann uns auch niemand sagen, wo dieses Hanabi stattfindet. Auf der Suche nach dem Feuerwerk laufen wir durch die kleinen Gassen von Osaka, wo nur noch Locals in Gruppen stehen und trinken und essen. Als wir tatsächlich den Ort erreichen, wo das Feuerwerk stattfindet, ist es vorbei. Wir laufen zurück, essen noch etwas und fallen ins Bett.

Samstag, 22. September 2007

Japan, Tag Fünf

Zum Frühstück gibt es Unbeschreibliches: ein weiches Ei in einer Art dünner Sojasauce, getrocknete kleine Fische, die leicht süsslich schmecken, Misosuppe, Salat mit Nudeln, geräucherter Fisch und andere seltsame Dinge, wieder dekorativ in kleinen Schüsselchen serviert. Zum Glück gibt es Reis. Das Schlimmste an diesem Frühstück nennt sich natto, wobei es sich um fermentierte Bohnen handelt, die schon beim Verrühren der mitgelieferten Würzpaste eklige Fäden ziehen und ziemlich fürchterlich schmecken. Aber auch sehr gesund sein sollen, wenn man es tatsächlich herunterkriegen sollte.

Schloss-Himeji

Mit dem Shuttlebus fahren wir in die Nähe des Schlosses von Himeji, das zu den schönsten Schlössern Japans gezählt wird und sich weiß, mit geschwungenen Dächern, über der Stadt erhebt. Der Himmel ist strahlend blau und es ist schon am Morgen recht warm. Wir gehen den Weg zum Schloss hinauf, dass je nach Perspektive immer anders aussieht. Der Eintritt inclusive Garten kostet 720 Yen. Wir beginnen im Westflügel, in dem Prinzessin Sen gelebt hat. Vor Eintritt in das Gebäude muss man die Schuhe ausziehen, die man in einer kleinen weißen Plastiktüte mit sich führt, die nach dem Rundgang wieder recycelt wird. Für den Weg bekommen wir Pantoffeln, die auch für große Füße zu haben sind.

Der Boden des Schlosses ist aus dunklem, glänzendem Holz, die Wände sind aus gekalktem, weißen Material, von dunklen Balken durchzogen, was den Eindruck von Schiebetüren erweckt. Ein langer Gang erstreckt sich vor uns, an deren Seite sich Räume öffnen, die durch Holz-Schiebtüren abgetrennt werden können. Es handelt sich um die Zimmer der Samurai; später folgen zwei Zimmer für Dienstmädchen. Durch Fensteröffnungen, die mit dunklen Holzschiebetüren verschlossen werden können, sieht man auf die grüne Umgebung des Flügels sowie auf den Baumbestand.

Ein Gebäude weiter betreten wir den Hauptturm; man steigt durch alle fünf Etagen bis zur Spitze. Die unteren Räume sind mit Ausstellungsstücken gefüllt; nach oben hin werden die Räume immer kleiner, die Treppenaufgänge immer enger, um eine Einnahme des Schlosses zu erschweren. Das Schloss ist tatsächlich ein einziger Wehrturm, überall sind Öffnungen, aus denen man heißes Wasser oder Steine auf den Feind hinunterwerfen kann, an den Balken hängen Haken für die Gewehre und ab dem dritten Stock gibt es geheime Räume, von denen vermutet wird, dass sich Samurai dort für einen Überraschungsangriff versteckt haben. Ganz oben in dem Raum, wo der Schlossbesitzer verteidigt wurde, bekommt man einen Stempel auf der Eintrittskarte, für die Mühen des Aufstiegs.

Außerhalb des Schosses liegt der Garten, oder besser gesagt, eine Ansammlung von Gärten mit unterschiedlichen Themen, durch die wir aber aufgrund Zeitmangels nur kurz durchspazieren können.

Wir gehen durch eine riesige, verschachtelte Einkaufspassage zurück zum Bahnhof, alles ist hier bunt und billig, aus den Lautsprechern dröhnt japanische Popmusik und Menschen drücken sich durch die Gänge. Ein Laden unter dem Bahnhof mit himmlischen süßen Teilchen entschädigt uns für den natto-Schock am Morgen.

Wir fahren noch mal mit dem Zug nach Kyoto, um von den 100.000 Tempeln zumindest noch einen oder zwei zu sehen. Wir entscheiden uns für den berühmten Steingarten des Ryoanji-Tempels. Der Zen-Garten ist viel kleiner als erwartet und beinhaltet die berüchtigten 15 Felsblöcken, die man angeblich nicht alle auf einmal sehen kann. Die Besucher setzen sich schweigend auf eine Holzterasse, solange man einen Platz bekommt, sehen auf den Garten und versuchen das Geheimnis des japanischen Zengarten zu ergründen, wobei man im günstigsten Fall wahrscheinlich darauf kommt, dass es gar kein Geheimnis gibt, man sich aber wunderbar erholt hat. Vermutlich ist Zen so etwas wie Phänomenologie, nur eben ohne Husserl. Der Rest der Anlage besteht aus einem Garten mit Teich.

Eigentlich wollten wir noch wenigstens eine halbe Stunde auf der Shijo-dori bummeln gehen, die so richtig nett nach shopping aussieht, aber unser Bus steht im Stau und wir kommen gerade noch rechtzeitig zum Bahnhof. Abends im Ryokan bekommen wir wieder Sabu Sabu, diesmal aber mit Fisch. So langsam gewöhne ich mich dran, freue mich aber auch auf ganz normale Reisbällchen, wenn wir mal wieder in einem Business-Hotel sind.

Samstag, 15. September 2007

Benjamin Biolay

das neue Album heißt "trash ye ye" und auf dem Cover blickt ein leicht abgewrackt aussehender Biolay in die Kamera, in der Hand einen Strohalmdrink. Chanson oder der Nouveau Chanson, dessen unangefochtener Star Biolay ist, könnte nicht nur glamour, sondern in seiner modernen Form eben auch ein wenig trashig sein, nicht nur schwarzer Kaffee und Cognac, sondern auch gestapelte Bierdosen und alte Pizzakartons. Aber ausschlaggebend ist ja nicht das Cover oder der Titel, sondern das, was drin ist.

Auf der Platte hört man daher auch keinen Thrash, keine dreckigen Gitarren, kein geheulter Weltschmerz, sondern der gewohnte elegante, ein wenig orchestrale, und trotzdem immer eigenwillige Biolay-Chanson. Nach den ersten paar-mal-hören eine wirklich gute Platte, mit verspielten Arrangements, dramatischen Höhepunkten und leisen Zwischentönen; hier sind viele Facetten eingebracht und miteinander vereinbart, ohne dass es überladen oder chaotisch wirkt. Die klare Linie ist immer da, die typischen Biolay-Momente (Violinen, Frauen-Chor-Hintergrund, Stimmen- und Geräusche-Samples, usw) geben dem ganzen eine Einheit. Und die Stimme natürlich, dieses samtige und gleichzeitig rauhe Französisch - ok, schon gut, ich bin ein Fan, und auch wenn ich zu alt bin um ein Poster aufzuhängen, so ein stylisches Bruce Weber Foto von Biolay hat ja auch künstlerischen Wert. Also wenn jemand weiß, wo es so was gibt, ....

Und wenn jemand hört, dass Biolay in Deutschland spielt, bitte sofort melden! (Ich fahre ja auch nach Frankreich, zumindest in den Nord-Osten, aber zu den Terminen seiner Frankreich-Tour, die in erreichbarer Nähe sind, kann ich leider nicht!!)

Bon soir.

Dienstag, 11. September 2007

Portugal. The Man. Köln.

Es war ohne Zweifel ein gutes Konzert. Der Sänger von Portugal. The Man hat eine grandiose Stimme und die Band spielte sich sichtlich die Seele aus dem Leib. Die kurze Wartezeit zu Beginn des Konzerts, in der das Keyboard nicht funktionierte, wurde mit einer improvisierten Session überbrückt und dann wurde es laut.

Das Gebäude 9 war gut gefüllt und das Publikum bestand zum größten Teil aus Fans und Leuten, die geneigt waren es zu werden. Trotz der positiven Resonanz war vom Sänger die ersten 20 Minuten lang wenig zu sehen. Anfangs hatte er eine Kapuze über die Baseballkappe gestülpt und vermittelte den Eindruck eines freundlichen Nazgul. Später entledigte er sich dann seiner Kapuzenjacke, wandte sich aber bis kurz vor Schluss des Konzertes nicht frontal dem Publikum zu. Während die anderen Mitglieder der Band, vor allem der Keyboarder und Bongo-Trommler weitaus extrovertierter schienen, tendierten auch sie dazu dem Publikum zeitweise den Rücken zuzukehren. Der verbleibende Eindruck war jedoch weniger der von Arroganz oder Show-Off, sondern eher der von Tüfteltum und Konzentration.

Dass Portugal aus Tüftlern besteht ist kaum zu überhören. Die Musik besteht aus ungewöhnlichen Arrangements, abwechslungsreichen Wechseln vom Schnellen, Kraftvollen zum Langsamen, Bedächtigen, enthält Andeutungen von Melodien und teilweise sehr eingängige Passagen. Man spürt die Kopfarbeit, die hinter den Stücken steckt und das macht ein Konzert von Portugal teilweise recht anstrengend. Die Kompositionen sind komplex, der unbezweifelbar kraftvolle und energetische Sound webt einen dichten Klangteppich, manchmal zu dicht für den Hörer, der sich bemüht, einen Zugang zu finden und doch in den meisten Fällen außen vor bleibt. Wenn die Band an den Instrumenten austickt, dann explodieren sie nicht, sondern implodieren. Der passende Begriff dafür mag introvertierte Epic sein.

Das Konzert geht bis kurz vor 12, die Stücke sind lang und die Band hat keine Angst vor ausufernden Instrumentalpassagen. Als wir den Konzertraum verlassen, läuft in der vorgelagerten Kneipe Maximo Park und ich fühle mich seltsam erleichtert. Wir fahren nach hause und versuchen unsere Ohren wieder frei zu bekommen.

Sonntag, 2. September 2007

Japan-Reise Tag Vier

Montag, den 23.07.07 – Kyoto – Himeji

Nach den üblichen Reisbällchen zum Frühstück kaufen wir uns ein Tagesticket für 500 Yen und fahren mit dem Bus zum Kiyomizu-dera-Tempel. Nachdem wir ausgestiegen sind, laufen wir eine schmale Straße den Hügel hinauf, rechts und links kitschig-schöne und bunte -Souvenir- und Omijage-Läden, und wenn man in die abzweigenden Straßen schaut, sieht man plötzlich auf die Dächer von Kyoto. Die Tempelanlage erscheint hinter einer Anhöhe. Wir steigen eine breite Treppe hoch und laufen durch die orange-rotbemalten Gebäude. Um auf die Verande zu gelangen, zahlt man Eintritt, aber dafür hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt und die Tempelanlage. Wir gehen einen Panorama-Weg entlang, genießen die Aussicht und gelangen dann wieder nach unten zum Haupteingang.

Die nächste Attraktion ist der Ginkakuji, der silberne Tempel, der aber nicht silbern ist – allerdings gibt es ein Meer aus Silbersand, eine weite Fläche aus Kies, die in Wellenform geharkt ist und an deren Seite ein abgeschnittener Kegel steht. Sehr dekorativ. Der Tempelgarten ist malerisch, der Boden ist mit Moos bewachsen, überall wachsen die Wurzeln der Bäume durch die Erde, was einen verwunschenen Eindruck hinterlässt. Unterschiedliche Baumarten stehen in verschiedenen Ecken des Gartens, vor allem der Bambuswald fasziniert mit den geraden, hochgewachsenen, astlosen und schlanken Stämmen. Ein sehr harmonischer, ruhiger und ausgesprochen ordentlicher Ort.

Wir essen in einem kleinen Restaurant an der Straße zum Tempel. Diesmal esse ich Reis mit Salzpflaume in einer Brühe, was ganz lecker ist.

Nach dem Silbernen Tempel dann der Kinkakuji – der goldene Tempel. Wenn man durch den Eingang kommt, bietet sich ein unglaublicher Blick: an einem See mit kleinen, baumbestandenen Inseln steht eine goldene Pagode, die sich im Wasser spiegelt, wenn es windstill ist. Auf dem See schwimmen Seerosen und eine kleine Holzbrücke wölbt sich über das Wasser. Der Himmel ist blau und das Gold der Oberfläche des Pavillons schimmert. Es ist überhaupt nicht so kitschig, wie es sich anhört, sondern einfach wunderschön. Danach spazieren wir noch ein wenig durch den Park, wobei mir auffällt, dass es in japanischen Gärten schwierig ist, ein gutes Fotomotiv zu finden, mal abgesehen von diesen optischen Highlights wie Goldpavillon und Silbermeer. Die Gärten sind vielleicht tatsächlich so angelegt, dass die Teile nur im Ganzen wirken.

japand

Standortwechsel. Wir fahren mit dem Shinkansen nach Himeji, wo wir von einem Shuttle abgeholt werden, der uns einen Berg hinauffährt und zwar zu unserer nächsten Unterkunft: einem Ryokan, ein Hotel im japanischen Stil. Wir fahren ziemlich lange nach oben und haben dementsprechend einen wunderbaren Blick auf Himeji, deren Lichter in der Abenddämmerung flimmern. Wir beziehen unser Zimmer. Das erste was uns auffällt ist der Geruch der Tatami-Matten, ein leicht grasiger Geruch. Wir betreten einen Vorraum mit Steinfussboden, auf dem wir unsere Schuhe ausziehen, und wo sich ein Waschbecken und die Tür zur Toilette befindet. Damit wir uns nicht überanstrengen, öffnet sich der Klodeckel automatisch, sobald man die Tür öffnet. Auf dem Boden der Toilette stehen die Klo-Pantoffeln, die mir allerdings etwas zu klein sind. Durch einen Treppenabsatz vom Vorraum getrennt kommt man in den Hauptraum, in dem die Futons auf dem Boden liegen. An der Seite steht ein niedriger breiter Tisch mit einem modernen Wasserzubereiter und Teegeschirr. Durch eine Schiebetür getrennt ist ein schmaler Raum mit zwei Sesseln und einem Tisch, die direkt vor dem Panoramafenster stehen, dass die gesamte Fläche des Raumes ausmacht, und von dem man aus auf Himeji sehen kann.
Aber wir haben keine Zeit, weil das Abendessen schon auf dem Tisch steht. Das Abendessen ist japanisch für Fortgeschrittene. Es gib Sabu Sabu, ein Art Fondue mit Wasser statt Öl, in dem dünne Rindfleischscheiben, Pilze und Grünzeug gekocht werden, die anschließend mit Sojasauce gegessen werden. In kleinen Schüsseln und auf Tellern dekorativ angerichtet sind kleine Stücke Tempura, Sashimi, scharfer eingelegter Thunfisch, eingelegtes Gemüse, eine Fischbrühe , Ei mit Tofu und Fisch pochiert und ein sehr europäisch aussehender Salat. Dazu gibt es Reis und grünen Tee.

Nach dem Essen gehen wir in die hauseigene heiße Quelle, natürlich Mann und Frau getrennt. Wir ziehen unsere Baumwollkimonos an, die man in einem Vorraum in einem kleinen Korb wieder ablegt. Mit einem Waschlappen betritt man dann den Raum mit dem Wasserbecken, vor dem an jeder Seite drei Waschplätze angebracht sind. Dort kann man sich gründlich waschen, wobei man die Auswahl zwischen so interessanten Seifen wie Pferdemark oder Asche hat, und dann steigt man in das Bauchtiefe, sehr heiße Wasser und entspannt, mit dem Blick auf das nächtliche Himeji.

Dienstag, 28. August 2007

Japanreise Tag 3

Sonntag, 22.07.07 – Kamakura – Kyoto

Es gibt zum Frühstück – Reisbällchen mit Misosuppe, tadaa. Die Dinger schmecken in jedem Toyoko-Inn irgendwie anders, was sie nicht unbedingt abwechslungsreicher macht. Mit der Bahn fahren wir nach Kamakura und laufen eine Allee in der Mitte der von Touri-Shops umsäumten Straße entlang. Touri-Shops in Japan sind viel interessanter als der Kisch, den man in Europa oder USA bekommt, es ist eben Japan-Kitsch. Das beinhaltet zwar auch die üblichen unspektakulären, trotzdem schön anzusehenden Kunstgegenstände, aber auch seltsame Sachen zu Essen (irgendwelche Reiskräcker, die man nur hier bekommt?) und schönen, bunten Kram. Allerdings haben wir eigentlich gar keine Zeit zum Bummeln, wir laufen also diese Allee entlang, an deren Ende eine große Schreinanlage steht, mit roten Holzbrücken über Fischteichen, einem Platz mit einer langen Treppe und oben auf dem Hügel der Schrein. Längs des Platzes reihen sich Andenkenshops, Stände mit gerösteten Kernen und bunten Masken aneinander, unter anderem findet man dort auch dieses lustige bunte Wassereis, das tatsächlich schmeckt und vor allem durch die poppige Farbe besticht.

Wenn man die Treppe zum Schrein hochsteigt, steht man schließlich vor dem offenen Gebäude, das man als gewöhnlicher Sterblicher anscheinend nicht betreten darf, außer man ist Säugling und wird an diesem Tag gesegnet, wie wir beobachten konnten. Wir begnügen uns damit, den Gläubigen zuzusehen, wie sie Kleingeld in eine Rinne werfen, sich etwas wünschen, dreimal in die Hände klatschen und sich abschließend noch dreimal verbeugen.

Vielleicht wurden unsere stummen Gebete erhört, denn auf einmal scheint die Sonne und es wird langsam so heiß, wie uns immer prophezeit wurde. Der Weg zum Daibutsu, dem zweitgrößten Buddha Japans, ist etwas beschwerlich, weil wir als gute Deutsche natürlich immer unter dem Wetter leiden, sei es nun zu nass oder zu heiß. Wir laufen durch eine Art Wohngebiet bis zur Statue, die sich imposant von dem nun strahlend blauen Himmel abhebt. Die Statue ist gut besucht, eigentlich sieht man fast nur Japaner, die Familienfotos vor dem Buddha schießen. Interessant finde ich, dass sich auch für viele junge Japaner der Charme dieser Sehenswürdigkeiten erschließt. Liegt es an dem Hang zur Tradition, oder hat der Japaner an sich einfach Spass daran, etwas zu besichtigen, sei es nun in Japan oder in Übersee?

Daibutsu

(Das hört sich vielleicht an, als ob ich ein mieser kleiner Chauvinist bin, aber eigentlich liebe ich diese kleinen Klischees, die man Ländern so zuschreibt, und fände es total schade, wenn ich keine Witze mehr über holländische Wohnwagen oder das italienische Chaos machen könnte. Im Gegenzug gestehe ich all meinen Lieblingsnachbarn ja auch zu, dass sie Witze über deutsche Eigenheiten machen dürfen. Obwohl die wahrscheinlich weniger lustig sind.)

In kürzester Entfernung zum Daibutsu befindet sich der Hase Tempel, ein Ort, den ich unbedingt empfehlen kann. Es handelt sich um eine wunderschöne Anlage, mit kleinen Gärten, vielen Winkeln, Statuen, Tempeln, einem Mega-Blick über Kamakura von einer kleinen Aussichtsplattform aus, einem Panoramawalk, der noch mehr schöne Ausblicke gewährt, und einer verdammt niedrigen Höhlen-Ganganlage, die für Menschen über 1,45 m nicht zu empfehlen ist. Es gibt schwarze Schmetterlinge und Orchideen und zwei große vergoldete Buddhafiguren.

Krönender Abschluss dieses sehr gelungenen Tages ist ein Besuch am Strand von Kamakura. Möglicherweise gibt es schönere Strände auf dieser Welt. Der Kamakura Strand hat klumpigen graubraunen Sand, die üblichen Algenanhäufungen und nicht allzu klares Wasser. Aber egal, es ist toll. Wir ziehen die Schuhe aus und laufen durch das kühle Meerwasser, vorbei an brutzelnden Japanern, spielenden Kindern und posierenden Jugendlichen. Apropos brutzeln – nachdem der Regen aufgehört hat, wurden die Regenschirme trotzdem nicht eingeklappt. Auf meine Nachfrage bei unserer autorisierten Reiseleitung wurde mir erläutert, dass die Japanerinnen ungern braun würden. Bei dieser Gelegenheit fielen mir sofort wieder Gerüchte über Bleichmittel in japanischer Waschlotion
ein – wirklich nur ein Gerücht? Nichtsdestotrotz gibt es sonnenhungrige Japanerinnen am Strand und darüber hinaus sehr lustig anzusehende Bademeister, die ihren Job und die damit verbundene Autorität augenscheinlich sehr, sehr ernst nehmen. Die üblichen Strandbars am oberen Ende des Sandstreifens sind von lauten Jugendlichen bevölkert und es geht mehr oder weniger ungezwungen zu. Wir haben mittlerweile alle einen Sonnenbrand und nasse Hosenbeine.

Bevor wir zurück zum Bahnhof gehen, quetschen wir uns noch in ein kleines und enges Restaurant, wo ich kalte Ramen-Nudeln esse, ein Gericht, dass gar nicht so seltsam schmeckt, wie es sich vielleicht anhört. Im Fernsehen läuft Sumo, entspannt kommentiert von zwei älteren Herren.

Nachdem wir unser Gepäck abgeholt haben, steigen wir in den Shinkansen, der uns in 2 ½ Stunden nach Kyoto bringt. Von Tokyo bis nach Kyoto sind es immerhin 500 km, und die Geschwindigkeit dieser Züge ist so hoch, dass es in den Ohren knackt.

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