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Sonntag, 17. Oktober 2004

on rotation

was ich momentan rauf und runter höre:

onrotation

the killers haben das pop-Album dieses Jahres fabriziert, nach Franz Ferdinand, und it lifts you up on every occasion. the faints machen elektro-alternative und es hört sich gut an. Interpol hören sich an wie interpol, und die zweite CD ist genauso gut, wie die erste. Ich werde das Konzert verpassen, und das ist schlimm.

Wir haben darüber geredet, was für Bilder man beim musikhören sieht, weil ich glaube, dass Musik im Kopf zu Bildern umgewandelt wird, und bei Interpol sieht man immer nur Nacht-Bilder. Dunkle Räume, dunkle Straßen, graue Häuser. Bei den Killers sieht man dagegen eher Tag-Bilder, aber hauptsächlich Bewölktes. Trotzdem. The faint spielen im Dämmrigen. Und alle spielen in der Stadt, nur bei den Killers sieht man das Meer. Dabei kommen sie aus Las Vegas. Seltsam.

Montag, 11. Oktober 2004

GW-Ausverkauf

So ein Berufsorientierungsseminar für Geisteswissenschaftler ist schon eine deprimierende Angelegenheit. Nicht, weil es keine Stellen gibt, das weis man vorher, aber weil es auf die geisteswissenschaftlichen Inhalte so gar nicht ankommt. Alles was zählt, sind die social skills, die man im Laufe des Studiums erwirbt: die berühmt-berüchtigte Flexibilität der Geisteswissenschaftler, die Emphatie (die bei Philosophen definitiv nicht vorhanden ist), Argumentationsfähigkeit, Denk-Strukturierung, usw. Das bedeutet, es ist vollkommen piep-egal, ob man Germanistik, Theologie, Kunstwissenschaft oder Komparistik studiert hat – hauptsache man weist die formalen Fähigkeiten auf. Vielleicht sollte man die septem artes liberales wieder einführen, bzw. nur das trivium: Grammatik, Rhetorik, Dialektik. Dann können wir uns den ganzen überflüssigen Rest doch sparen.

Freitag, 8. Oktober 2004

Doku-Teilnahme

in unserer Stamm-Videothek wurde diese Woche ein Dokumentarfilm gedreht, und wie es der Teufel so will habe ich ausgerechnet diesen Freitag DVD´s ausgeliehen, weil mein Lebensabschnittsgefährte sich weigert, die 20-Uhr-Vorstellung im Kino zu besuchen und ich morgen zu erbärmlich früher Zeit aufstehen muss und darum der 23-Uhr-Vorstellung eher skeptisch gegenübergestanden habe. Als habe ich mich zur VT geschleppt und wurde dort angesprochen, ob ich nicht etwas zu meinem Lieblingsfilm, oder einem anderen Film erzählen möchte, den ich gerade gesehen habe. Auf meine neugierigen Fragen hin wurde mir erläutert, dass es sich um eine Dokumentation handelt, die noch nicht direkt für das Fernsehen, eher für Festivals produziert wird, in der Hoffnung, dass sie es irgendwann in das TV schafft. Als Meinungsexhibitionist war ich nicht abgeneigt, so dass meine cineastischen Ergüsse nun festgehalten, und wahrscheinlich bald wieder gelöscht werden. Ansonsten wird diese Doku evt. und vielleicht mal irgendwann nachts bei ARTE laufen, und ich werde sie nicht sehen, und die Zuschauer werden sich fragen, wie diese Dokus immer zustande kommen, und wer sich dafür zur Verfügung stellt, genauso wie ich es auch immer tue.

Donnerstag, 7. Oktober 2004

Edinburgh

Edinburgh hat ein Schloss, eine Burg, eine fast vollständig erhaltene Alststadt, eine Neustadt mit klassizistischer Architektur, eine bekannte Universität, eine lange und wechselhafte Geschichte –kurz, so richtig altes Europa. Besonders verstaubt wirkt die Stadt dabei nicht, ganz im Gegenteil, die Haufen von Studenten machen Edinburgh zu einer ziemlich quirligen Studi-Stadt, auf der Princess-Street kann man gut (konventionell) einkaufen und in manchen Straßen in der Altstadt findet man teilweise ziemlich lustige Klamotten – nein, keine Kilts, die gibt’s hauptsächlich auf der Touri-Meile, der High Street, die aber immer noch weit entfernt ist von den üblichen Touristenvierteln, die man so kennt. In Edinburgh ist Kitsch und Klassik gut verteilt. Was die Stadt sehr symphatisch macht, ist die ausgeprägte Café-Kultur und die Massen von Restaurants und Pubs, die irgendwie fast immer gut besucht sind. Auch wenn die Geschäfte alle zwischen sechs und sieben Uhr pm schließen, und man bis 10 pm etwas zu essen gefunden haben sollte, verzeiht man das der Stadt irgendwie. Es passt einfach zu einem Ort, der kurz hinter dem Stadtzentrum einen erloschenen Vulkan aufweist, der als grasbewachsener Riesen-Hügel aufragt und dem Ganzen einen archaischen Anstrich gibt. Nicht, das dies der einzige Hügel wäre; Edinburgh ist voll davon, neben dem Castle Hill gibt es noch den Calton Hill, und von überall hat man wahnsinnige Blicke auf die gesamte Stadt. Vielleicht sind es diese Panorama-Blicke, die die Stadt so schnell vertraut und irgendwie persönlich machen. Auch in der Stadt geht es bergauf und -ab, durch enge closes (Gassen) oder schmale Treppen.

edinburgh

Gleichzeitig hat man meist den Blick auf das Meer – oder den Firth of Forth, und das ist wirklich schön, dieser Gegensatz von eng/verwinkelt und hell/weit. Das Wetter war übrigens auch sehr gegensätzlich, bestimmt fünf Grad kälter als hier (NRW), immer abwechselnd Schauer, Wolken, strahlend blauer Himmel, und Wind. Also Wind. Da nützt auch das stärkste Gel nichts mehr, die Frisi ist hin, und das nächste Mal nehme ich eine Mütze mit.

Freitag, 1. Oktober 2004

Urlaub, Ihr Säcke!!!

Ich habe jetzt Urlaub, und den habe ich auch dringend nötig. Die letzte Woche war ein Meilenstein auf dem Weg zur Selbstzerstörung. Mittwoch vor einer Woche habe ich angefangen, den zweiten Teil meiner MagA umzustylen, indem ich eine Art Grundsatzüberlegung vorgenommen habe, was quasi tödlich ist. Die Konsequenz war, dass ich ununterbrochen nur noch auf der Suche nach der verlorenen Struktur war, auf der Arbeit, nach der Arbeit, bei allem, was ich getan habe. Oder wie soll man es nennen, wenn man überarbeitet ins Wohnzimmer stolpert, einen Bruchteil von "French Kiss" mit Meg Ryan aufschnappt und aus einer Konversation mit ihrem Ex-Ehemann plötzlich eine Idee davon bekommt, was es bedeuten könnte, intentional normativ zu handeln? Leider weiß ich zudem immer noch nicht, ob mein Thema überhaupt für die MagA in Frage kommt, weil mein Professor es vorzieht, sich um seine diversen Veranstaltungen zu kümmern. Aber peripherär das alles, Sonntag fliegen wir für ein paar Tage nach Edinburgh, und ich werde nichts für die Arbeit machen, nicht an Robert B. denken, nicht an Intentionalität oder sonstige nicht-existente Bewußtseinsphänomene, also versuchen, meinen Kopf frei zu bekommen. Frei. Leer. Das Nichts. Warum habe ich nur die Metaphysik verlassen. Alles rächt sich irgendwann.

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