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Sonntag, 17. September 2006

Miami Vice

ist eine seltsam beeindruckende Kinofassung der Serie aus den 80ern. Die Story ist banal, aber es sind die Bilder, die sich im Gehirn festhakeln. Palmen im Wind am frühen Morgen, pixelige Nachtaufnahmen, verwackelte Action-Scenen. Man spürt ein wenig den Sog, den dieses Leben entwickelt, in dem man vorgeben muss, ein Anderer mit anderen Wert- und Moralvorstellungen zu sein, man spürt die Schizophrenie und die Leere. Ein Leben ohne Halt und Orientierungspunkte, in dem die einzige Rettung die eigene Einstellung, die eigenen Überzeugungen sind, deren Integrität um jeden Preis bewahrt werden müssen. Und die doch jedesmal wieder aufs Spiel gesetzt werden.

Dienstag, 29. August 2006

Ein neuer Fernseher

steht seit gestern in unserem Medienzimmer und ist echt riesig (80cm Bildschirmdiagonale). Natürlich LCD. Schön flach. Das Fernsehbild war am Anfang schon ein leichter Schock, aber mittlerweile finden wir es ziemlich gut. Liegt das an der Umgewöhnung der Augen? Hatte gestern tatsächlich Kopfschmerzen vom Gucken.

Lustig war es auch der Moment, als ich das Ding später nicht mehr anbekommen habe. Nach dem Einschalten war das Gerät in Bereitschaft, und dort ist es auch geblieben. Als mein Freund vom Sport zurück kam, hatte ich bereits alle möglichen Tasten und Tastenkombis ausprobiert. Tatsächlich hätte ich einfach nur die Bereitschaftstaste etwas länger drücken müssen...

Ich finde, Animes laufen etwas pixelig. Ist das normal? Hat das etwas mit NTSC zu tun? (nicht, das ich genau wüsste, was das ist, aber die japanischen Animes laufen auf NTSC).

Es ist nett, einen neuen Fernseher zu haben, denn dann hat man eine ausreichende Entschuldigung dafür, schon mittags fern zu sehen. Man muss ja schließlich alle Funktionen ausprobieren. Warum ich überhaupt schon mittags fernsehen kann? Urlaub. Eine Woche Resturlaub. Und ich bin noch nicht mal richtig erholungsbedürftig. Vielleicht sollte ich doch meine Diss schreiben.

Montag, 28. August 2006

Ohikkoshi

ohikkoshi

Hiroaki Samura wollte anscheinend eine kleine Pause von seinem historischen Samurai-Manga "Blade of the Immortal" und hat ein paar Kurzgeschichten herausgebracht, die in der Moderne spielen. In der ersten Short Story geht es um ein Clique von Studenten, die in den 90ern in Japan leben, saufen und sich selbst finden. Wie auch in Blade gibt es starke Frauen, aber anders als in Blade sind die Männer hier nicht ganz so stark, allen voran das depressive Weichei Sachi. Sachi ist in die ungewöhnliche Mayu verliebt, schafft es aber nicht, bei ihr zu landen. Aus dem Leser unerfindlichen Gründen ist die niedliche Sängerin Reiko in Sachi verliebt, die für Sachi allerdings nur die beste Freundin aus Jugendtagen ist. Die Story ist nicht gerade einfallsreich, der Manga sticht aber durch die tollen Zeichnungen und den schrägen Humor Hiroaki Samuras von den üblichen Love-Comedy-Mangas ab (die ich auch sonst eher nicht lese...).

Hiroaki Samura (was ist eigentlich sein Nachname?) ist ein echter Ausnahme-Mangaka, der einen sehr eigenen Stil hat und wirklich kunstvolle Zeichnungen präsentiert. Die Personen sind ausdrucksvoll und realistisch gezeichnet, die Perspektiven sind originell und die Hintergründe detailliert und akkurat.

In der zweiten Short-Story geht es um eine Mangaka, die nacheinander Kellnerin, Geliebte, Mahjong-Spielerin und Yakuza-Mitglied wird, bevor sie in den Knast kommt und dann wieder als Mangaka arbeitet. Für einen Japaner wahrscheinlich eine relativ authentische Biographie... Zumindest ist er hier alle Manga-Klischees einmal durchgegangen, und das war wahrscheinlich auch der Sinn des Ganzen. Die dritte Kurzgeschichte ist sehr kurz und ich habe sie nicht wirklich verstanden.

Ob ein zweiter Band geplant ist, weiß ich nicht, wäre aber nicht schlecht, da die Wartezeiten zwischen den Blade-Bänden irgendwie immer länger werden.

Donnerstag, 24. August 2006

Japanisch lernen

macht totalen Spass, weil das so eine lustige Sprache ist. Wer schnell mal reinhören und sich dabei die ersten Sprachkenntnisse aneignen möchte, dem sei der supertolle podcast JapanesePod101 empfohlen. Der penetrant fröhliche Peter, die überaus korrekte Sakura und der scheincoole, aber stark lispelnde, Kazunori sind ein echtes Dreamteam und haben mich schon während so mancher Zugfahrt bestens unterhalten. Legendär sind die Übungsdialoge, die voll aus dem Leben gegriffen sind. Während man in den VHS Kursen hauptsächlich die üblichen Vokabeln für die üblichen Geschäftsessen und zur Touristenorientierung lernt, was natürlich durchaus nützlich ist, weihen Peter und Sakura den interessierten Höhrer in die Geheimnisse des japanischen Slangs ein. So lernt man die japanische Aussprache von Dolce und Gabbana, bzw. dessen Kurzform (DoruGaba), und weiß bereits nach kurzer Zeit alles über die Lieblingsspeisen der ewig hungrigen Moderatoren. Essen ist im übrigen ein wichtiges Thema bei diesem Podcast. Besonders schön ist außerdem die überschwengliche Begrüßung, die "alpha male" Kazunori jedesmal dann erfährt, wenn er sich bequemt, mal wieder im Studio aufzutauchen. Und meine absolute Lieblingsstimme ist neuerdings Hatsumi. Also sehr empfehlenswert und besonders geeignet als Begleitung für einen Sprachkurs. Aber auch seperat davon kann man einiges lernen, wenn man sich auf einen Trip vorbereitet. (heul. ich will nach tokio. jetzt. auch wenn keiner von den viel zu kleinen japanern mich jemals versteht und alle glauben, ich sei gozilla, was mein freund ständig behauptet. ich kann nichts für meine größe. groß-sein ist schön.) Also dann matta atode.

Dienstag, 22. August 2006

Die Schlupflöcher der Zeit

In der Pro-Sieben-Serie "Five Days to Midnight" geht es um die Verbindung zwischen Gegenwart und Zukunft. Aus der Zukunft erreicht den Protagonisten seine eigene Mordakte, die ein ungelöster Fall geblieben ist. Er hat fünf Tage Zeit, um seinen eigenen Mord aufzuklären und damit zu verhindern. Dahinter steht die These, dass die Zukunft offen ist und nur von den Ereignissen in der Gegenwart abhängt. Ist dem Übermittler dieser Gedanke klar, ist der Gedanke vielleicht der Grund für sein Handeln, für den Versuch, die Vergangenheit (unserer Gegenwart) zu ändern und damit die Zukunft (seine Gegenwart) neu zu schreiben?

Genau dieser Grund bestimmt das Handeln der Protagonisten in dem Buch "Making History" von Stephen Fry. Hier geht es um die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Die Protagonisten leben in unserer Gegenwart und möchten die Geburt Hitlers verhindern, um den Holocaust zu verhindern. Es gelingt ihnen, aber die Änderung der Vergangenheit führt zu einer völlig anderen Gegenwart, und zwar zu einer weitaus schlimmeren Gegenwart. Die These Benjamins, dass die Geschichte flüssig ist, die eigentlich eine epistemische These ist, wird hier ontisch beim Wort genommen. Was dennoch deutlich in Erinnerung bleibt, sind gewisse Konstanten, die der Autor im Buch behauptet. So scheint zum Beispiel der Antisemitismus in der Gesellschaft des Beginns des 20. Jahrhunderts so fest verwurzelt zu sein, dass auch die Elimination der Initialzündung für den Holocaust, Hitler, nichts an der Absicht ändert, die jüdische Bevölkerung auszurotten. Auch der Protagonist ändert sich nicht, behält sogar seine Erinnerung an die Alternative Geschichte, was nicht logisch ist, aber für den Roman notwendig.

"Making History" gehört zu dem lustigen Alternative-History-Genre, aber wie bei "Five Days to Midnight" steht das Individuum im Vordergrund. Individuen machen Geschichte und ändern die Gegenwart oder die Zukunft. Die Schnittstelle beider Fiktionen ist aber immer die Gegenwart. Hier handelt das Indivdiduum, nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft.

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