Sein
Ich habe viel zu wenig Zeit und muß mich auf zwei verschiedene Sachen vorbereiten, und die eine Sache muß gut werden. Verdammt. Sie muß gut werden. Es ist ein expose für eine Arbeit und aufgrund dieses exposes will ich im Mai diese Arbeit schreiben, ich habe extra Urlaub dafür. Vier Wochen Urlaub, ich habe noch nie so lange Urlaub gehabt, nach dem Abi jedenfalls, und diesen Urlaub will ich meiner Lieblingsbeschäftigung widmen, Arbeiten schreiben. Meine ich das jetzt ernst? Argh, und dann auch noch dieses Seminar, für das ich vollkommen unterqualifiziert bin, aber es ist eine echte Chance, und ich bin verdammt froh, daß ich teilnehmen kann. Aber es macht mich auch verdammt nervös. Und es macht mir verdammt viel Arbeit, weil ich mich darauf vorbereiten muß, damit ich nicht ganz so blöd darstehe. Tatsache ist, daß mein Urlaub erst dann anfängt, wenn ich das expose abgeben muß, und so langsam will ich nur noch schlafen. Das einzige, was mich morgens aufstehen läßt und mich immer wieder wachrüttelt, wenn ich dumpf vor mich hindöse, ist die Nervösität, die mich anspringt, wenn ich an das Seminar denke. Guter Mechanismus. Teufel, es ergibt alles einen Sinn.
teildesganzen - 29. Apr, 14:30
Entscheiden wir oder wird für uns entschieden? Das Leben, das wir bis heute gegangen sind, wie ist das zustande gekommen? Mit Entscheidungen meine ich bewußte Handlungen , sie müssen noch nicht einmal rational sein, im Sinne von begründbar oder zielgerichtet, denn im Nachhinein kann man alles viel besser begründen. Der einige Anspruch, den ich an dieser Stelle Entscheidungen stelle, ist, daß sie in dem Moment, wo sie entschieden werden, bewußt sind, und zwar dahingehnd bewußt, daß sie bestimmte Folgen für die Zukunft haben (nicht deterministisch, sondern ausgerichtet an der Normalität. Das hinterher immer alles anders kommt, als man denkt, ist hier nicht das Thema, das entschuldigt für nichts). Tun wir das? Entscheiden wir nicht meist nicht nur aus Gegenwartsgründen? Nach dem Abi: Studium oder Ausbildung – was zählt da mehr: kein Bock mehr auf Lernen, Geld wollen, Freundin macht das Gleiche, Uni-Feten wollen – oder denkt man daran, daß man durch die Ausbildung diesen bestimmten Beruf ergreift, den (wahrscheinlich) über Jahre hinweg ausübt, bestimmte Arten von Leuten kennenlernt, in die Lage versetzt wird, ein Haus zu bauen, ein Kind zu bekommen, ... . Ich glaube, daran wollen wir gar nicht denken. Ich habe eher das Gefühl, als verdrängen wir den Moment der Entscheidung und machen erst mal das, was jetzt gerade konvenient ist. Das ist auch eine Entscheidung, aber keine, die ich meine. Vielleicht ist das auch eher eine Spontan-Wahl, so wie man im Supermarkt zwischen Äpfeln und Birnen wählt. Man entscheidet sich nicht für Äpfel, man nimmt sie lieber als Birnen, weil man momentan Hunger darauf hat. Und irgendwann steht man vor dem CD-Regal, oder sonstwo, guckt sich plötzlich um und denkt, wie zum Geier bin ich hier eigentlich gelandet? Was von dem, was ich bin, habe ich eigentlich gewollt und entschieden? Gut, letztendlich ist man so, wie man geworden ist, damit kommt man in den meisten Fällen schon klar. Aber ein schlechter Beigeschmack bleibt doch, denn wer will schon gern ein Launen-Produkt sein?
teildesganzen - 9. Apr, 20:52
Autobahnfahren erinnert mich immer an einen Zeitpfeil. Es geht vorwärts und auch die Zeit existiert hauptsächlich in der Zukunft. Man antizipiert das, was noch kommt: gleich kommt die Talbrücke, später auf die A1 wechseln, in einer Stunde bin ich zu hause. Wenn ich an einem Stau vorbeifahre, bin ich den Autofahrern, denen ich in fünf Minuten begegne, und die noch munter 130 fahren, in ihrer Zeit voraus: ich kann in ihre Zukunft sehen und weiß, daß sie gleich abbremsen und danach im Stau stehen. Kennt Autobahnfahren ein Jetzt? Irgendwie ist es die reale dynamische Abbildung des „Jetzt ist jetzt schon wieder vorbei“, weil ich mich ständig bewege, und diese Bewegung ist so gleichförmig, so schnurgerade und von Leitplanken eingeschränkt, geradezu plastisch für den Fluß der Zeit. Die Vergangenheit hinter mir entfernt sich immer weiter und meist bin ich nicht in der Stimmung, beim Autobahnfahren Erinnerungen zu wälzen. Das passt nicht zur Dynamik des Fahrens. Außerdem ist Autofahren genauso leer, wie es die mechanische Zeit ist, reine Abfolge, Aufmerksamkeit, Aufnehmen – mehr nicht. Sehr erholsam und irgendwie auch beruhigend, weil man das trügerisch schöne Gefühl hat, das es vorwärts geht, egal wenn dieses Vorwärts nur quantitativ ist.
teildesganzen - 27. Mär, 21:45
Vielleicht ist Reden über Fußball manchmal unterhaltsamer , als das Spiel selbst. Ich liebe lustige kleine Geschichten wie die über Franco Foda, oder Sprüchesammlungen von Fußballpromis, ich finde die Fußball-Historie interessant und Betrachtungen über die soziologischen Verknüpfungen von Fußball und Gesellschaft. Ich mag die Sentimentalität und die Euphorie, die Fußball bei dem männlichen Teil der Bevölkerung hervorruft. Auf der lit-cologne Veranstaltung „11 Freunde“ ist mir mal wieder aufgefallen, wie nett eine Welt ist, in der Fußball im Mittelpunkt steht. Etwas, das das Leben strukturiert (durch die Spieltage und dem Saisonwechsel), das Verbindungen knüpft zwischen Leuten, die sich sonst nicht so viel zu sagen haben (im Stadion, aber auch sonstwo), das Identitäten schafft (durch Fan-Sein), wenn man es mit den Identitäten nicht übertreibt, natürlich (durch Fan-Atismus). Und das Sympathische an der Sache ist, daß dieses Etwas selbst nur ein Spiel ist. Vielleicht vergißt man das manchmal, wenn man die Wirtschaftskolosse betrachtet, die sich um das Phänomen Fußball gebildet haben, aber langfristig trägt das nichts zum Realitätsfaktor des Fußballs bei. Fußball ist ein Phänomen, nichts weiter, es ist nichts Reales, es erhält seine Wirklichkeit nur durch uns. Und diese Wirklichkeit besteht in gemeinschaftlichem Entertainment, in einem Zusammen-Spiel, das nicht nur im Fußball-Kern zu finden ist, also auf dem Platz, sondern sich bis in die Peripherie ausbreitet, bis in die ganzen Theorie-Randerscheinungen. Es ist eines der harmlosen, unwesentlichen und skurrilen Sachen, die wir geschaffen haben und der wir eine Wirklichkeit verliehen haben, in der wir uns aufhalten, und die wir immer weiter ausbauen können. Das können nur wir, und genau dafür mag ich diese kontingente Spezies Mensch.
teildesganzen - 20. Mär, 18:05
Ist es nicht sträflich, daß man sich wünscht, daß die Zeit vergeht? Daß man sich sogar wünscht, einen Zeitsprung machen zu können, von ca. 8 Stunden, bis zu dem Moment, wo ich endlich nach hause kann? Einfach ein paar Stunden auslöschen, die blasse Gefäße für Langeweile sind, für sinnloses Rumarbeiten und für Themen, mit denen man sich nicht beschäftigen will. Man sollte eigentlich um jede Sekunde froh sein, die man hat, aber eine Wert haben manche Zeiträume deswegen trotzdem nicht. Den Wert erhalten sie durch mich, klar, aber hier bin ich nicht in der Lage, ihnen Wert zu verleihen, weil ich zu beschäftigt bin, bzw. ständig von irgendwem beschäftigt werde. Ist schon ok, ich bekomme ja Geld dafür. Es ist eben ein soziales Arrangement. Im Grunde verkaufe ich meine Zeit. Der Verkauf der Zeit äußert sich darin, daß die Zeiträume im Nachhinein leer sind, still und farblos, ganz im Gegenteil zu meinen Zeiträumen, der Zeit, die ich behalten kann, die in orange und grün leuchtet, vollgestopft ist und wirbelt. Ein hoher Preis?
teildesganzen - 10. Mär, 17:03
Jetzt, wo es sich so langsam dem Ende zuneigt (ich will mich endlich zu meiner MagA anmelden können!!!) schleicht sich diese Frage langsam ein. Auf einmal wieder Zeit haben, nach von der Arbeit nach hause kommen und nicht schon den Nachmittag und Abend mit Lesen und Schreiben verplant haben. Was fängt man mit den freien Stunden an? Muß ich etwa mein Sozialleben wieder auf Vordermann bringen? Gehe ich meinem Freund auf den Keks oder rufe ich jeden abend einen anderen meiner alten Freunde an, die leider zu weit weg wohnen, um sie besuchen zu können? Mache ich VHS-Kurse? Jetzt, oder sagen wir mal vor ein/zwei Monaten, hat mich die Vorstellung noch fasziniert, endlich fertig zu sein. Frei zu haben. Zeit zu haben. Aber obwohl ich zum Gammeln geboren bin, glaube ich, daß es auf die Dauer vielleicht langweilig werden könnte. Ernsthaft, ich bin niemand, der zu viel Zeit haben sollte. Zeit haben verleitet zum Grübeln und Grübeln macht depressiv. Wenn man dem Hirn nichts anbietet, dreht es sich um sich selbst, bis es die Balance verliert.
teildesganzen - 22. Feb, 20:39
Gestern ist das tomb raider für mein n-gage gekommen und das bedeutet, daß ich jetzt nichts Substantielles mehr mache. Gestern abend habe ich schon das erse level hinter mich gebracht (allerdings ohne eines der drei Geheimnisse zu lösen, ist das ein Problem?) und als ich schlafen gegangen bin, habe ich ständig Gänge, Treppen und Simse vor mir gesehen, natürlich im typischen tomb-raider-Schwanken. Das handy-Spiel ähnelt fatal dem ersten Teil der Serie, wahrscheinlich ist es sogar der gleiche Inhalt, allerdings ist es schon ziemlich lange her, daß ich den ersten Teil gespielt habe, als PC-Version, also ist es egal. Manche Erfahrungen muß man eben zweimal machen. Momentan lädt der Akku wieder auf, weswegen ich hier Zeit totzuschlagen habe. Eigentlich könnte ich auch ein bißchen arbeiten, aber ich bin erkältet (Ausrede) und unmotiviert. Außerdem bin ich jetzt erledigt, weil ich nach der Arbeit zum Geburtstagsnachtreffen einer Freundin gefahren bin und bei solchen Gelegenheiten muß ich mich immer konzentrieren, weil die Gespräche sich dort um Dinge drehen, die sehr weit weg von mir sind. Ich komme mir tatsächlich meist so vor, als ob ich eine Rolle spiele und wahrscheinlich spiele ich diese Rolle auch nicht besonders gut. Ich würde gerne wissen, ob ich glaubwürdig bin, aber ich kann schlecht jemanden fragen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es mag, zu spielen, aber vielleicht habe ich das schon immer getan und kann gar nicht mehr anders. Da ich die (wenigen) Rollen nicht ständig wechsele, was wahrscheinlich auch gar nicht möglich ist, wenn man nicht schizo werden will, könnte man sie vielleicht auch als „mich“ bezeichnen. Darüber hinaus bin ich sowieso der Meinung, daß dieses „mich“ nicht wirklich existiert, sondern eine Art Hülle ist, die sich in der Interaktion mit Anderen und Ereignissen bildet, und einen Ich-Kern umgibt, der genetisch vordeterminiert ist, allerdings aufgrund der reaktiven Hülle auch leichten Änderungen zugänglich, wenn auch begrenzt und zeitintensiv. Hört sich nach Wolf Singer an? Oops, da will ich mich nicht festlegen. Jedenfalls fühle ich mich aufgrund dieser Vorstellung dazu legitimiert, Rollen zu spielen und vielleicht bleibt einem generell gar nichts anderes übrig, denn letztendlich ist es besser, die Hülle selbst zu konfigurieren, als eine reaktiv-gebildete Hülle aufgedrängt zu bekommen. Und Akku ist voll.
teildesganzen - 6. Feb, 20:30
Früher waren die Sonntag immer seltsam leere Tage, mit blassen Farben und durchscheinenden Kontouren. Jetzt sind die Sonntage vollgestopft und klar durchstrukturiert, weil ich mir eine Beschäftigung für mein sinnloses Leben gesucht habe. Das macht jeder so, nur ist sich vielleicht nicht jeder im Klaren darüber. Vielleicht glaubt man implizit, das Tun habe einen tieferen Sinn, eine Bedeutung, die außerhalb des Tuns liegt, aber Bedeutung wird immer nur durch Handlung erzeugt. Ich bin das, was ich tue, und momentan bastele ich an einem Referat und einem dazugehörigen Konzept. Ich mag Konzepte und kann stundenlang die richtigen Grundbegriffe suchen, Grundbegriffe, die aus denen jede weitere Einzelheit herausdeduziert werden kann, Monaden-Grundbegriffe. Meine Konzepte mag ich viel lieber, als die Inhalte, die sie darstellen sollen, so daß ich auch leider dazu neige, den Inhalt meinem Konzept anzupassen, arghh. Sehr unwissenschaftlich. Gut, so sind wir Menschen natürlich. Wir leben in und aufgrund von Konzepten, Mustern - lauter Abstrakta, die durch bestimmte Relationen aufeinander Bezug nehmen. Die Relationen sind wichtig, sie sind einigermaßen fix und haben eine Ordnungsfunktion. Wir brauchen Ordnung. Allerdings glaube ich, daß das Leben nicht so ist. Das Leben ist kontingent, chaotisch, unvorhersehbar. Wir sind diejenigen, die die Regeln in das Leben tragen, die das Leben auf unsere Bedürnissen hin interpretieren und wir interpretieren immer so, daß es ordentlich wird. Überschaubar. Vorhersagbar. Kontrollierbar. Aber das soll keine Entschuldigung für die aus subjektiven-Vorlieben-bedingte Anpassung von Sachverhalten an Konzepte sein.
teildesganzen - 25. Jan, 17:40