Schein
Radio 4 + Phoenix + Franz Ferdinand = Monsters of Spex = wunderbare Unterhaltung. Als wir das Festival-Gelände erreichten, gab es gerade die erste Umbauphase, so dass wir Radio 4 in voller Länge mitbekamen, was sich als ganz gut herausstellte, weil die Band gar nicht so schlecht ist, eine interessante Mischung aus Elektro, Gitarren und Bongos, sehr sommerlich, sehr fetentauglich und absolut tanzbar. Anschließend kam dann doch der Regen, der sich bereits auf dem Hinweg nach Köln mit dicken grauen Wolken angekündigt hatte. Der Tanzbrunnen ist teilweise überdacht, aber wir mussten etwas essen und reihten uns daher in die von Wind und Regen gebeutelte Schlange vor der Pommesbude ein. Nach den ziemlich guten Corn-Potatoes mit Sauerrahm (ich habe nicht herausbekommen, worin die corn-Komponente bestand), lief die französische Delegation der sexiest band alive auf. Ich muss nicht extra erläutern, dass es sich um Phoenix handelt, n?est pas? Es folgte eine Mischung aus - Allem, sie können einfach alles, Pop-Songs der allerfeinsten Qualität, härtere Gitarren, leichte Hip-Hop-Anklänge, R?n B, ... . Ich wünschte nur, sie würden auf französisch singen. Die letzte Band an diesem Abend war die Gruppe, deren erklärtes Ziel es ist, Mädchen zum Tanzen zu bringen, aber die männlichen Konzertbesucher haben auch getanzt, es herrschte eine Riesenstimmung bei Franz Ferdinand. Leider war das ganze auch schon um 22 Uhr vorbei, Lärmschutzbestimmung, und auf die anschließende DJ-Veranstaltung konnten wir leider nicht mehr gehen, weil wir am nächsten Tag als Umzugshelfer eingeteilt waren. Scheiße, mir tut alles weh.
teildesganzen - 22. Aug, 18:48
something strikes me as odd, there is a peculiar similarity between Snape and Harry Potter: first it is their appearance, both are rather pale, have black hair (apart from the fact that Snape´s ist greasy and Harry´s is untidy). Then it´s their history, both had an unpleasent childhood (Harry reads in Snape´s mind, at one of their occlumency lessons, that Snape´s Parents had a quarrel, probably it was a longterm situation, at Hogwarths, Snape reminds an outsider, Harry himself suffered from the Dursley´s). Both have a mark, that connects them directly to Voldemort (Snape has the dark mark of the death-eaters, Harry the scar), at the same time, both are directly connected to Dumbledore. They share being torn between the Good and the Evil. At least, in The Order of the Phoenix, this similarity grows, due to the mode of description, Rowling uses on them. Harry´s behaviour suddenly resembles Snape´s, when Harry´s described as sarcastically, rising his eyebrowes, Harry snarles, or snorts, normally verbs depicted to Snape.
Is Snape kind of an alter-ego to Harry, someone, who Harry could have become, under certain circumstances? At least, it´s all up to decisions. Both Harry and Snape chose to get in their favourite Hogwarths-group, although the sorting hat proposed another one (what could it have been regarding Snape, Ravenclaw?)
teildesganzen - 14. Aug, 20:03
In Haldern war es nett, ich mag Open-Airs, auf denen es nur eine Bühne gibt, und nicht zwanzig. Es war warm, warm, warm, wir waren Samstag ab drei Uhr da, haben also South verpasst, aber waren pünktlich zu Embrace. Embrace haben ihre alten Hits gespielt, ein paar neue Sachen, und plötzlich fällt einem dann auf, dass man Embrace ein wenig vermisst hat. Das Unterhaltsame an Festivals ist sowiso immer, dass hauptsächlich das Altbewährte auf der tracklist steht, denn wenn man vor mehr als 250 Leuten spielt, macht man wenig Experimente. Es folgten Soundtrack of Our Life, schon viel von gehört, und tatsächlich hoher Entertainment-Faktor. Der Sänger ist eine echte Diva, und vielleicht sollte man doch mal auf Empfehlungen hören, und sich die CD zulegen. Keane, ich gebs zu, ich liebe die CD, und der Auftritt war natürlich auch gut, auch, wenn die Bühnenperformanz des Sängers nicht besonders zu der Art von Musik passt. Aber ein netter Typ. Ausgerechnet zu Kings of Leon hatte ich den Hunger-Ast, die Schlangen vor dem Pommes- und dem Döner-Stand waren lang, und ich hatte noch meine Fritten in der Hand, als der gig begann, und mit Pommes kann nicht so richtig gut mitgehen. Guter Auftritt, natürlich, was soll man dazu noch sagen? Leider nur aus der hinteren Reihe mitbekommen. Zum Schluss dann Paul Weller, Pflichtveranstaltung, wenn der Freund ein devoteter Anhänger des Britpop ist. Divine Comedy haben wir uns dann allerdings geschenkt, weil diese Band bisher irgendwie an uns vorbeigegangen ist, und außerdem hatten wir noch zwei Stunden Fahrt durch die niederrheinische Tiefebene vor uns.
teildesganzen - 9. Aug, 12:08
es ist lustig, in Harry Potter Büchern nach philosophischen Bezügen zu suchen, wenn man so gar nichts zu tun hat, was bei mir nicht der Fall ist, daher hier nur ein paar Sachen, die mir aufgefallen sind. Dumbledore outet sich als Sartrianer, wenn er zu Potter sagt: „It´s our choices, Harry, that show, what we truly are, far more than our abilities.“ (Chamber of Secrets). Die Dementoren erinnern im ersten Moment an Heidegger, aber schon die Entscheidung, ob sie mit Angst oder Furcht in Verbindung gebracht werden sollten, ist schwierig. Sie sind in der Nähe von Angst anzusiedeln, weil „Das Wovor der Angst völlig unbestimmt (ist)“ SZ, S. 186, und Lupin Harry gegenüber feststellt: „That suggests that what you fear most of all is – fear.“ (The Prisoner of Azkaban). Während die Angst bei Heidegger jedoch ein Motor zur Erkenntnis des Seins des Seienden ist, eine ausgezeichnete Befindlichkeit, reduzieren und modifizieren Dementoren Menschen letztlich auf Furcht, auf „the worst experiences of your life“, die ja etwas Bestimmtes, innerweltliches Seiendes, sind. Also hakelig. Hinter dem Pensieve, das Dumbledore besitzt, um seine Gedanken zu extrahieren (Goblet of Fire) steckt ein sehr mentalistisches Verständnis von Gedanken, oder Denk-Inhalten, das Gedankensolipsismus und Verräumlichung impliziert. (Wie sonst ist es möglich, dass Dumbledore seine Gedanken einzeln in das Bassin leiten kann). Ich behaupte hier nicht, dass auch ein materialistisches Verständnis zu erkennen ist, weil ich zweifle, dass eine „strange, silvery white substance“ irgendwie mit physikalischer Materie in Verbindung gebracht werden kann. Interessant ist allerdings, dass Gedanken hier ohne Körper existieren können, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Pensieve ein echtes Argument im Rahmen des Körper-Geist-Problemes darstellt. Mir fällt bestimmt mehr ein, ... .
teildesganzen - 29. Jul, 15:40
„Goth“ von Kendi Oiwa ist eiskalt. Wenn Mangas nicht prinzipiell in schwarz-weiß gezeichnet würden – für diesen Manga hätte es keine anderen Farben gegeben. Außer vielleicht blutrot.
Die Obsession für den Tod verbindet zwei japanische Mittelstufenschüler, Kamiyama, rational, elegant, gefühllos, und Morino, eine Außenseiterin, die niemanden an sich heranlässt. Kamiyama ist von Morina fasziniert, von der Narbe an ihrem Handgelenk, von ihrer kühlen Teilnahmslosigkeit, sie wird Teil seiner Mordphantasien und –pläne. Äußerlich sind sie verbunden durch das gemeinsame Interesse an bizarren Verbrechen, die ihre Intelligenz herausfordern und ihre grausamen Neigungen befriedigen. Sie lösen die Fälle zu ihrem eigenen Vergnügen, sie verbinden damit keinerlei moralische Ziele. Es ist ihnen gleich, wenn der Killer entkommt, sie lassen ihn ziehen, selbst, wenn sie selbst in Gefahr waren.
Beide haben jedoch auch eigene Motive, aus denen sie Kontakt zueinander suchen. Kamiyama ist von dem Gedanken beherrscht, Morino zu töten, während Morino unbewusst einen Weg aus ihrer Einsamkeit sucht, mit der sie sich umgibt, um ihre Vergangenheit zu verbergen. Sie weiß, dass Kamiyama der einzige ist, der diese Vergangenheit entschlüsseln kann. Am Ende muss sie erkennen, dass sie für Kamiyama nie mehr ist, als ein Objekt seiner Mordphantasien. Nachdem er letztlich auch ihren Fall gelöst hat, verliert er das Interesse an ihrer Person und geht mit den Worten: „Wenn du irgendwann wieder einmal sterben möchtest, sag mir einfach Bescheid! Ich werde das dann für dich erledigen.“ Mit diesen Worten schließt sich der Kreis für Kamiyama, für den das Interesse an Morino mit ihrer Selbstmordnarbe begann.
teildesganzen - 24. Jul, 19:05
die beste, momentan im tv laufende, anime-serie ist zu ende: noir. eine weitere reminiszenz an killer, in der tradition von weißkreuz. vollgepackt mit schuldgefühlen, reflexionen über richtig und falsch, übernahme von verantwortung. dazwischen geniale kampfszenen. die story: kirika, eine junge japanerin, findet sich ohne jede erinnerung in einer unbekannten umgebung, stellt jedoch fest, dass sie eine bestens ausgebildete killermaschine ist, die ohne jede emotion töten kann. sie nimmt kontakt zu mireille bouquet auf, als zuverlässige killerin unter dem namen noir bekannt, um sie zu bitten, ihr bei der suche nach der vergangenheit zu helfen. von paris aus nehmen sie aufträge an und geraten an eine geheime organisation, die sich soldats nennt, und die sich als der schlüssel zu ihrer beider vergangenheit herausstellt. dann taucht eine weitere killerin auf, die behauptet, die wahre noir zu sein, chloé. sie ist die verbindung zu altena, eines mitgliedes der soldats, die jedoch ihre eigenen ziele verfolgt: die grand retour. kirika und mireille finden sich als spielbälle in einem netz von unterschiedlichen interessen wieder, das auch ihre eigene relation beeinflusst, welche sich von einem reinen zweckbündnis zu einer art freundschaft entwickelt, bis beide mit den wahren wurzeln ihrer verbindung konfrontiert werden.
der anime ist eine mischung aus action und mystik, superschön gezeichnet, und interessanten Kontrasten zwischen sehr schnellen passagen und langen einzeltakes.
teildesganzen - 7. Jul, 10:06
Ok, ich war auf dem Cure Konzert in Köln. Mein Freund hat mich quasi hingedrängelt, indem er schließlich die Karten besorgt hat. Damit verdanke ich ihm also ein echtes Party-Konzert. Denn so etwas in der Richtung war es: eine Riesen-Fete von lauter Cure-Fans, die mitsingen, rumhüpfen, und sich vor Begeisterung überschlagen, wenn Robert einen seiner schüchternen Grinser zeigt. Es fäng an mit zwei neuen Sachen, die CD kommt erst am Montag und scheint gar nicht so schlecht zu sein. Dann folgt Fascination Street und ab da geht es richtig los. Szenenapplaus und Freude allerseits, immer abwechselnd wird dann aus dem neuen Album und aus den Vorgängern geliefert. Bei den ganz alten Sachen geht es wahrscheinlich allen gleich: da laufen Lieder, die man vielleicht vor 10 Jahren das letzte Mal gehört hat, und trotzdem kennt man den Text immer noch Wort für Wort. Schon seltsam. Einige Stücke machen mich echt fertig, ich meine, ich halte mich für ein eher rationales und nüchternes Wesen, aber wenn Pictures of You läuft, und wirklich groß gespielt wird, dann stehe ich auf einmal da und könnte losheulen. Aber was solls, der Entertainment-Faktor war hoch, und wir müssen es wissen, weil wir genau zwischen den (eher raren) Ausdruckstänzerinnen und dem Pogo-Pulk standen. Ganz ehrlich, für eine Sekunde habe ich erwogen, mich dazwischen zu schmeißen, aber dann bin ich zu dem Schluß gekommen, dass ich zum Pogen zu alt bin. Insgesamt bringen sie es auf ca. zwei Stunden, was sehr viel länger ist, als die Konzerte, zu denen wir sonst so gehen. Und das war´s. „Say goodbye on a night like this, … “
teildesganzen - 26. Jun, 19:59
ist ein Buch, dass nicht wirklich lustig ist. Gut, es ist witzig geschrieben, aber das Lachen bleibt einem meist im Hals stecken. Es wird gerne mit Catcher in the Rye verglichen, und fällt ungefähr in diese Kategorie, ist aber sehr viel deprimierender. Das liegt wahrscheinlich an der Weiterentwicklung der Gesellschaft in Sachen Dummheit, Geldgier und Mediengeilheit seit den 50ern. Die dargestellte Stadtgemeinschaft ist erst mal typisch amerikanisch, aber Ansätze gibt es sicherlich kontinentübergreifend. Neben der Demonstration der, in ihrer Kurz- und Oberflächlichkeit schon fast unmenschlichen, Gemeinde, steht die Entwicklung Vernons im Mittelpunkt des Buches. Er ist hin- und hergerissen zwischen Gefühlen von Verpflichtung seiner Mutter gegenüber (die man erst am Ende des Buches in voller Tragweite versteht), seinem toten Freund Jesus gegenüber, dem Wunsch, dazuzugehören und dem ständigen Erlebnis der Isolierung. Er wird herumgeschubst, getäuscht und ausgenutzt. Er kann nur reagieren, ist das ganze Buch über in der Defensive, andere entscheiden über sein Schicksal und über das, was er ist. Erst die letzten Seiten bringen die Wende, kurz, bevor es schon fast zu spät ist, ergreift Vernon die Initiative, wird von seiner Stellvertreterfunktion als Jesus, dem gekreuzigen Opferlamm, zu Gott, zum Herrn über sein Schicksal. Letztendlich ist das eine typisch amerikanische Weisheit, und auch das Ende ist typisch amerikanisch, und das macht das Buch so zynisch.
teildesganzen - 21. Jun, 10:18
Das Konzert fängt mit einer Stunde Verspätung an, aber egal, das Wetter ist gut und wir stehen draußen, mit den anderen 98 Gästen, und warten darauf, daß der Soundcheck zu ende ist. Hört sich schon mal gut an, nur schade, daß die alternative Cola aus Hamburg aus ist. Als es dann endlich losgeht, stehen vier Typen und ein Mädel in einer Reihe und vor dem Drummer auf der superkleinen Bühne des Gebäude 9 und fangen an zu spielen, erst noch ziemlich nervös, sie sind das erste Mal in Deutschland auf Tour.Es ist von Anfang an gut, der treibende Gitarrensound, der Text, der fast stakkatohaft dazu rausgehauen wird, sind sofort präsent, wie auf der Platte, die so seltsam eindringlich ist. Zwischendurch die langsameren Stücke, die auch gut gebracht werden. Das Mädel mit der Geige / Violine (?) spricht deutsch und erzählt ein bißchen was, sonst sagt der Sänger hin und wieder den Titel und thanx. Er ist kein richtiger Bühnenmensch, etwas hibbelig und zurückhaltend, aber eigentlich ist das ganz sympathisch. Die Platte ist schnell durchgespielt, und das Mädel meint entschuldigend, wir haben keinen weitern Song, als sie von der Bühne gehen. Also hört man sich einfach noch ein paar mal die CD an, die nicht langweilig wird, weil sie so komplex ist, und das das größte Kompliment, was ich an eine Platte machen kann.
teildesganzen - 2. Jun, 21:14
Erst polizeiliche Aktivitäten rund um Bücher, dann Schlüpfen in Bücher und jetzt polizeiliche Aktivitäten in Büchern – Fforde wird immer unglaublicher. Nicht nur, daß er eine zweite Realität geschaffen hat, eine Parallelwelt zu unserer, mit einem anderen historischen Verlauf, in seinem dritten Buch der, hoffentlich niemals endenden, Reihe um Thursday Next (re)konstruiert Fforde die Realität der Fiktion. Bücher sind eine Welt für sich, nicht, daß wir das schon immer gewußt hätten, aber sie sind es wirklich. Die Welt der Bücher besteht aus einer riesigen Bibliothek, in der oberirdisch sämtliche jemals geschriebene Literatur steht, und in deren Kellergeschossen die Produktion weiterer Bücher läuft. Der Schriftsteller ist nur letztes (vielleicht das unbedeutendste) Glied in einer Kette, die aus dem Handel von plots, dem Engagieren von Protagonisten und Transformieren in Schrift besteht. Irgendwie ähnelt alles sehr dem nicht-fiktionalen Leben, bis hin zu Problemen mit neuen Betriebssystemen und spam-messages, und diese Parallelen sind das witzigste an dieser, manchmal etwas sehr detaillierten und damit ermüdenden, Beschreibung der fiktionalen Welt. Der plot des dritten Bandes geht in dieser Geschichte um plots allerdings unter, die Geschehnisse um Thursday Next stagnieren und zerfasern, wenn Fforde seinem Spass am Konstruieren um des Konstruieren willens freien Lauf lässt. Aber gut, dafür lieben wir ihn und das darf er dann auch. Dieses Jahr noch eine Fortsetzung, Jasper?
teildesganzen - 25. Mai, 21:05