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Mittwoch, 13. Januar 2010

Bolano-Freaks

lesen auf Wilde Leser das preisgekrönte Werk "Die wilden Detektive" von Roberto Bolano, dem total verrückten, aber vermutlich ziemlich genialen, und leider verstorbenen, chilenischen Schriftsteller. Da ich mich durch 2666 allein kämpfen musste, lese ich diesmal simultan die Detektive mit, in der Hoffnung, ein wenig Licht in das chaotische Sammelsurium zu bringen.

The Likeness von Tana French

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Cassie Maddox, die Partnerin von Rob Ryan im Erstling „In the Woods“, schlüpft im zweiten Krimi von Tana French in die Hauptrolle. Sie ist noch immer traumatisiert von der Operation Vestal – und von einer weitere Begebenheit, die erst auf den allerletzten Seiten des neuen Buchs aufgedeckt wird. Aufgrund des Fiascos der Operation Vestal wurde sie in die Abteilung Domestic Violence versetzt, ist nun aber fest mit Sam zusammen, dem Dritten im Bunde aus „In the Woods“.

Während sie noch versucht, ihre alte Unbekümmertheit wieder zu finden, holt ihre berufliche Vergangenheit sie ein, auf die in „In the woods“ bereits angespielt wurde. Ihr Vorgesetzter aus der Abteilung Verdeckten Ermittlung stößt auf eine Leiche, die nicht nur eine alte, erfundene Identität von Cassie benutzt, sondern auch noch genauso aussieht wie sie. Und er hat eine verrückte Idee: Cassie soll den Platz der Toten einnehmen, und so helfen, den Mörder zu finden.

Tana Frenchs Debut „In the woods“ ist ein außergewöhnlich guter Krimi, weil nicht versucht wird, aus gängigen Mustern auszubrechen, sondern weil mit diesen Mustern gespielt wird. So ergibt sich ein psychologisches Verwirrspiel, das auch den Leser mit einbezieht. Die Erwartungen an „The Likeness“ waren daher sehr hoch und konnten nicht voll erfüllt werden. Dennoch bricht Tana French weiterhin sehr charmant mit Krimikonventionen, indem sie sie konserviert.

Interessant ist zum einen die Art der Fortsetzung, der Verknüpfung beider Bücher. Die Charaktere aus dem Vorgänger werden übernommen, aber der Protagonist wechselt. Damit wechselt auch die Perspektive des Rückblicks auf „In the Woods“, Rob und die Operation Vestal, auf die in „The Likeness“ oft angespielt wird. Zum anderen werden inhaltliche Leitmotive übernommen und weitergeführt. Die herausragende Rolle, die bei „In the woods“ von den drei Freunden gespielt wurde, wird in „The Likeness“ übernommen und gleichzeitig in Begriffe und Vorstellungen von Familie transferiert. Die Eltern von Cassie sind gestorben, als sie noch sehr klein war, und die Clique, in die sie sich nun einschleicht, weist eklatante Familienstrukturen auf. Zudem wird die Andeutung von Schizophrenie in Bezug auf Rob sowie der Moment des Zwillings, des Geistesvewandten in Bezug auf die drei Freunde bei „In the woods“ im Nachfolger „the likeness“ auf die Spitze getrieben. Cassie schlüpft hier in die Haut einer Anderen, deren äußerliches Spiegelbild sie ist, sie wird zu Lexie, und sie erfährt im Laufe der Zeit erhebliche Abgrenzungsprobleme. Die Rolle von Lexie wird auch vor dem Hintergrund von Lexies Geschichte, die langsam aufgedeckt wird, zur ernsthaften Alternative für Cassie, die aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen möchte und in der Clique und in Lexies scheinbar unbekümmerten, gedankenlosen Charakter und ihrem Lebenskonzept Zuflucht findet.

Auch hier weiß Tana French wieder, was der Leser möchte, um ihn gleichzeitig zu verführen und (auf psychologische Art und Weise) vorzuführen. Aber diesmal klappt es nicht ganz so gut – vielleicht weil man aus „In the woods“ vorgewarnt ist. Der Eyecatcher von „the likeness“, die Clique, macht einen leicht stereotypen Eindruck, nicht zuletzt, weil sie sehr an den elitären Zirkel in dem ausgezeichneten Buch „Eine geheime Geschichte“ von Donna Tart erinnert. Zudem wirken die ständigen Anspielungen auf „In the Woods“ etwas penetrant, und die Entscheidungen Cassies im Verlauf der Geschichte sind nicht immer nachvollziehbar. Dennoch ist die Geschichte spannend und äußerst unterhaltsam (abgesehen von ein paar Längen, die andern Lesern vielleicht mehr auffallen als mir). Die Idee mit der Doppelgängerin ist attraktiv, und bietet jede Menge Raum für Spielchen und Cliffhanger, die die Autorin auch mit vollen Händen auftischt.

Es bleibt abzuwarten, wie der (hoffentlich) nächste Band von Tana French sich entwickelt. Nach der Lektüre von zwei Bänden scheint es, als ob French ihre eigenen Lieblingsbücher noch einmal schreiben, ihre heilen Welten schriftstellerisch ausleben möchte. In „the likeness“ beschreibt Cassie einmal, dass das Leben in der Clique wie eine Szene aus ihrem Lieblingsfilm ist, die plötzlich lebendig wird. So ähnlich empfindet man bei der Lektüre von „The Likeness“ hinsichtlich Tana French selbst. So lange es nicht in allzu offensichtlichen Stereotypen ausartet, ist gegen diese spezielle schriftstellerische Motivation auch gar nichts auszusetzen.
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written in bone von Simon Beckett

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Simon Beckett hatte mal das Debut des Jahres. Der Krimi The Chemistry of Death, mit dem schicken, ins Auge springenden schwarz-weißen Cover, war der Renner der Saison, das Hand-zu-Hand-gehandelte Buch, der Tipp, der immer ins Schwarze getroffen hat, das unfehblbare Geburtstagsgeschenk für jeden Krimileser. Ich kenne tatsächlich niemanden, dem der Krimi nicht gefallen hat.

Die Beckett-Krimis sind nicht unbedingt literarisch ambitioniert. Beckett schreibt schnörkellos, einfach, arbeitet mit den üblichen Spannungselemente, den bekannten Cliffhangern und liebgewonnenen aber unspektakulären Mustern. Aber eins kann er verdammt gut: er kombiniert diese Instrumente aus der Krimischreiber-Box zu spannenden Stories.

Jetzt ist vielleicht die Zeit für ein kurzes Abschweifen darüber, was ein Krimi leisten soll und kann. Der Kriminalroman ist ein Genre, das bestimmten Mustern folgt und bestimmte Erwartungen erfüllt – oder mit ihnen spielt. Einerseits will der Krimileser genau das; er hofft zu finden, was er an Krimis liebt: das Rätsel, die falschen Fährten, das Mitdenken, interessante Figuren, spektakuläre Auflösungen, die Spannung. Andererseits sind Krimileser aber auch anspruchsvolle Zeitgenossen. Sie wollen überrascht werden, sie wollen die Innovation, sie wollen die Weiterentwicklung des Genres. Eine paradoxe Situation für den Krimischreiber, der sich in einer ähnlichen Situation befindet, wie Bands, die für ihren eigenen Stil geliebt werden, und denen man gleichzeitig vorwirft, sich nicht weiterzuentwickeln.

Beckett hat den Krimi mit The Chemistry of Death nicht neu erfunden, aber er hat eine sehr solide Arbeit abgeliefert. Nicht sehr lange danach erschien der zweite Band, in dem Dr. David Hunter die Hauptrolle spielt: Written in Bone. Der run darauf war groß, getragen vom Wunsch nach einer Wiederholung der heftigen Sucht, die der erste Band in vielen Lesern induzierte, getragen auch vom Vertrauen darauf, dass Beckett mit seinem zweiten Band nicht enttäuscht.Es ist gerade die Solidität des ersten Bandes, die dieses Vertrauen rechtfertigt, der Verzicht auf Innovation und auf Irritation, und das Beibehalten und Modernisieren von Miss-Marple-haften Versatzstücken. Beckett erfüllt das Qualitätsversprechen von altbekannten Marken. So gesehen ist Beckett die Nivea-Creme der Krimiautoren.

Vielleicht war das Versprechen von Qualität gerade der Grund dafür, dass ich den zweiten Band erst nach langem Zögern in die Hand genommen habe. Das Suchtflackern des ersten Bandes war genossen und abgeflaut. Es ist wie bei einer Sorte Schokolade, bei der man genau weiß, dass man sie mag und dass sie alle Bedürfnisse erfüllt, aber gerade deshalb ist sie keine Überraschung. Dann wählt man doch erst mal die Sorte, die man noch nicht kennt, auch wenn sie wahrscheinlich nicht so gut schmeckt, aber nichtsdestotrotz ist es das Andere, Unbekannte, dem man in diesem Moment den Vorzug gibt. Man kann sich leisten, enttäuscht zu werden, weil man im Notfall immer weiß, worauf man zurückgreifen kann. Manchmal trifft dieser Notfall auch nie ein, und dann isst man diese Schokolade nie mehr.

Also im Fall von Written in Bone war es kein Notfall. Tatsächlich habe ich den dritten Band zum Geburtstag bekommen und bin absolut nicht in der Lage, den dritten Band zu lesen, ohne den zweiten zu kennen. Es war also eher mit einem Gefühl von Pflicht, dass ich das Buch begonnen habe. Schnell ist aber genau das eingetreten, was zu erwarten war: man ist absolut gefesselt. Written in Bone ist wieder ein Klassiker im neuen Gewand, Agatha Christie meets CSI. Diesmal wird das Klaustrophobische des ersten Bandes noch gesteigert, indem es Hunter auf eine einsame Insel verschlägt, von der er nicht mehr herunterkommt und auf die auch niemand von außen kommt. Wieder hat er Verbündete und Verdächtige und kann sich letztendlich nur allein trauen. Beckett konstruiert wieder einen Mikrokosmos für den Leser, mit überschaubaren Verdächtigen, an denen man sich abarbeiten kann, mit kleinen Hinweisen, die nicht zu banal sind, und jeder Menge Morden und überraschenden Wendungen. Beckett hat ein Händchen für Plots, die auf den ersten Blick nicht zu kompliziert scheinen, aber trotzdem jede Menge Überraschungen bieten. Auch wenn der Leser die Lösung im letzten Drittel des Buches ahnt (und trotzdem misstrauisch bleibt, weil man Beckett nicht zutraut, das gleiche Schema noch mal auszubeuten), behält Beckett die Oberhand und seine Trümpfe im Ärmel. Ich habe selten einen Krimi gelesen, in dem so viel passiert, und zwar bis zur allerletzten Seite.

Vielleicht ist dieser Aktionismus eine Notwendigkeit, um über durchaus bestehende Mängel hinwegzutäuschen, wie z.B. die stereotypen Figuren oder die einfallslose Sprache (wie oft kam eigentlich die Beschreibung „angry“ in Bezug auf Kevins Acne vor? Und sollte das den Leser ziemlich ungeschickt in irgendeine Richtung treiben?) Ich musste manchmal an Dan Brown denken, der einen ähnlich abgezirkelten Stil hat, aber noch inflationärer mit Cliffhängern umgeht. Das ist aber gemein, und noch gemeiner ist die Vorstellung, Tom Hanks könnte David Hunter spielen. Letztlich habe ich aber das Buch beendet mit dem zufriedenen Gefühl, gut unterhalten worden zu sein. Und manchmal ist das tatsächlich alles, was man von einem Krimi erwartet.
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Case Histories von Kate Atkinson

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Die Stärke von Kate Atkinson liegt in der Konzeption von Charakteren und darin, dass sie Geschichten erzählen kann. Case Histories erzählt die Geschichten von unterschiedlichen Personen, die sich treffen, in Verbindung treten, wieder auseinandergehen oder auch zusammenbleiben. Die Welt von Case Histories ist ein Kaleidoskop von Perspektiven und Ereignissen, und das macht das Buch so besonders.

Case Histories beginnt mit drei Szenarien aus der Vergangenheit: ein kleines Mädchen verschwindet, eine junge Frau wird von einem Unbekannten getötet, eine junge Mutter erschlägt ihren Mann. Diese drei Ereignisse geschehen zu unterschiedlichen Zeiten in der Vergangenheit und haben offensichtlich nichts gemeinsam (was den Leser nicht davon abhält, eine Verbindung zu konstruieren). Ihre Verbindung geschieht in dem Moment, in dem Jackson Brodie, Ex-Polizist und aktive Privatdetektiv, damit beauftragt wird, bestimmte Sachverhalte dieser Ereignisse zu klären. Jackson Brodie ist kein gewöhnlicher Privatdetektiv. Leicht fatalistisch, stark pessimistisch und ein ausgewachsener Hypochonder, zeigt er weder den Ehrgeiz, die Fälle zu klären (er geht eher von Anfang an davon aus, dass er sie nicht klären wird), noch fällt er durch besonderes Engagement auf. Die Hinweise auf ein mögliches Weiterkommen erhält er meist zufällig und dadurch, dass er abseitige Pfade wählt. Stattdessen macht er sich Gedanken um seine Klienten, die entweder offensichtlich ein Problem mit sich und anderen haben, oder bei denen sich ein solches später herausstellt. Brodie ist ein Beobachter, der ahnt, dass die Motive, einen Privatdetektiv zu beauftragen, meist einen psychologischen Hintergrund haben, und dass die wirklichen Hoffnungen sich letztlich nicht erfüllen. Das Wunderbare an diesem Roman ist aber, dass sie sich schließlich doch erfüllen und der Leser fragt sich, ob das alles nur deshalb passiert, weil die Protagonisten einmal in ihrem Leben eine Entscheidung getroffen haben, und sei es nur die, Jackson Brodie zu beauftragen. Und der Rest erledigt sich wie von selbst.

Ein Schriftsteller kreiert gewöhnlich Charaktere mit einer Vergangenheit und einer Welt, die um ihn herumkonstruiert ist. Die meisten Romane sind charakterzentriert (das ist sicher kein genormter Begriff der Literaturwissenschaften, aber ich bin ja auch Litwi J ). Atkinson kreiert gleich mehrere Zentren, die gleichwertig nebeneinander stehen, und jeweils ihre Vergangenheit und ihre Welt mit sich herumtragen. Zwischen diesen kleinen, monadenhaften Welten schafft sie Relationen. Alles ist irgendwie miteinander verbunden, aber alles ist gleichzeitig kontingent. Das Szenario, das Atkinson erdenkt, erinnert an eine Clusterdarstellung, einfache Begriffe in Kreisen, die durch Striche verbunden werden, kein Zentrum haben und keine echte Struktur.

Statt eines Zentrums gibt es Jackson Brodie, der ebenso ein Cluster-Teil mit eigener Geschichte ist (und schließlich eine vierte Case History verbirgt), und weder hinter den anderen Cluster-Teilen zurücksteht, noch irgendwie hervorgehoben ist. Trotzdem ist er etwas Besonderes, denn durch ihn entsteht ein Teil dieser Verbindungen (wenn auch nicht alle). Jackson Brodie ist das Medium, durch das Andere in eine Verbindung treten, die sonst nicht zustande gekommen wäre. Er ist das Moment, das Aktivität und Intention der anderen Teilnehmer in Aktinsons Roman erfordert und bündelt. Das andere Moment ist der Zufall.

Die Geschichten der Protagonisten sind meist traurig, manchmal erschreckend, oft deprimierend. Aber Atkinson schlägt einen leichten, lakonischen Ton an, mit dem sich auch das übelste Schicksal irgendwie erträglich anhört. Die Leute kämpfen sich durch, aber sie sind keine Helden, und sie kriechen nicht ohne Blessuren aus ihren dunklen Vergangenheiten hervor. Sie haben sich zu Loosern entwickelt, die am Sinn ihres Lebens zweifeln, unzufrieden sind und irgendwie auch schon aufgegeben haben. Atkinson beschreibt diese Persönlichkeiten, die beim Leser immer abwechselnd Mitleid und Kopfschütteln hervorrufen, ohne Pathos und in einer Art liebevollen Realismus. Sie bringt letztlich den Leser dazu, diese Leute zu verstehen, und schafft das mit einer leisen, unaufdringlich emphatischen Psychologie ohne Fachbegriffe. Der zurückbleibende Eindruck ist so etwas wie die Akzeptanz, dass das Leben nun mal so ist, und es keinen Sinn macht, über verschüttete Milch zu weinen – oder die vergossene Milch besonders zu dramatisieren. Aber man soll sich auch nicht hängen lassen, denn manchmal wird auch der allerkleinste Schritt aus dem eigenen Mauseloch belohnt. Und das ist doch eigentlich eine gute Botschaft.
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Die Verschwundenen von Jean-Francois Vilar

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Das Jahr 1938 und das Jahr 1989. Paris und Prag. Trotzki und der Zusammenbruch der Sowjetunion.

Wenn man in der Geschichte sucht, ergeben sich immer Verbindungen, Ähnlichkeiten, Koinzidenzen. Wenn man darauf aus ist, kann man aufdringliche Thesen darüber erstellen, dass alles miteinander verknüpft ist und letztlich einen geheimen Sinn verbirgt. Eine weniger alberne Art und Weise mit Geschichte umzugehen ist das Aufzeigen von Parallelen, um etwas in Erinnerung zu rufen.

Francois Vilar knüpft eine Geschichte, er webt die Vergangenheit des Jahres 1938 und die Gegenwart 1989 zusammen (das Buch ist 1993 in Frankreich erschienen) und schafft dadurch ein Stückchen lebendige Geschichte, oder noch besser, er erweckt die Geschichte in der Gegenwart zum Leben. Vielleicht könnte man an die Geschichtsphilosophie von Walter Benjamin denken, der auch in dem Buch „Die Verschwundenen“ kurz angesprochen wird. Für Benjamin ist der Begriff der Gegenwart konstitutiv für den Geschichtsbegriff. Geschichte wird als gegenwartszentriert beschrieben, geschichtliches Denken geht von der Gegenwart aus, stellt einen Bezug zwischen Vergangenheit und Gegenwart her. Geschichtliches Denken hat das Ziel, ein Gegenwartsbewusstsein zu erlangen, und letztlich Handlungsfähigkeit herzustellen, um die Gegenwart selbst zu bestimmen und zu beeinflussen. Und indem die Vergangenheit aktualisiert wird, wird sie gerettet.

Gerettet wird die Geschichte von Alfred Katz, einem Trotzkisten und Anhänger des Surrealismus, von Mila, emanzipiert und schillernd, und von den Menschen, die für sie eine Rolle gespielt haben in diesem ereignisreichen Jahr 1938, in dem die politischen Gegensätze unüberbrückbar gegeneinander standen, die Kunst mit dem Surrealismus eine neue Rationalität erfand, und der zweite Weltkrieg schon so nah war. Die Schilderungen in dem Tagebuch, das plötzlich einen Leser im Jahr 1989 findet, holen ein Jahr voller Leben, extremer Gefühle, verzweifelter Ausgelassenheit und zukunftsbestimmender Entscheidungen aus der Versenkung. Das letzte Jahr, bevor die Welt im Chaos des zweiten Weltkriegs versank. Der Leser im Jahr 1989 ist Victor Blainville, der mit dem Sohn jenes Alfred Katz nach einer dreijährigen Entführung entlassen wird. Genauso wie Victor und Alex Katz schien die ganze Welt während des kalten Kriegs aus dem Verkehr gezogen zu sein, um plötzlich zu erwachen. 1989 brach wie für Victor und Alex für einen unglaublichen Moment, der sich über ein paar Monate hinzog, auch für die politische und kulturelle Welt die Freiheit durch die verkrusteten und vertrockneten Strukturen.

Jede Geschichte braucht einen Anfang, einen Auslöser, einen Rahmen. Auslöser ist die gemeinsame Entführung von Victor, einem Pressefotografen (und dem perfekten Beobachter) und Alex, die sich ein Taxi vom Flughafen eines krisengeschüttelten Landes teilen und gemeinsam entführt werden. Sie suchen nach Gründen, beschuldigen sich gegenseitig, verantwortlich für die Entführung zu sein und schließen eine Allianz. Nachdem sie entlassen werden, will Alex sich mit Victor treffen und wird von einem Auto überfahren.

Das menschliche Bewusstsein ist ein Sinnstifter, es ist ein Gründe-Geber, es ist ein Konstrukteur von Bedeutung. Vielleicht war alles nur ein Zufall, die Entführung, der Todesfall. Vielleicht aber auch nicht. Victor kommt aus der Entführung zurück in eine tabula rasa. Seine Wohnung ist zerstört und geplündert, die Welt steht an der Schwelle einer umwälzenden Veränderung, seine Freunde sind entfremdet. Ohne, dass er es will oder bewusst plant, konstruiert er sich eine neue Realität, die durch Alex, seinen Vater Alfred, und ein Tagebuch, das die Geliebte Alex´ ihm übergibt, gestrickt wird. Er lebt die Geschichte von Alfred nach, versucht hinter das Geheimnis seines Todes zu kommen, und gleichzeitig versucht er diese Gegenwart zu verstehen, die sich in der Zeit der Entführung ohne ihn weiterentwickelt hat.

Das Buch ist vollgepackt, es ist komplex, überraschend, verwirrend, lässt den Leser nicht los und überlässt ihn gleichzeitig sich selbst. Der Leser wird mit Victor in einen Strudel hineingezogen, aus dem er am Ende des Buchs etwas unsanft heraus geschleudert wird. Zurück bleibt dieses Gefühl, dass die Welt ein unverständliches Gewusel ist, in dem man jedoch auch einen Platz einnimmt. Als Teil von etwas, dem man nur von sich aus einen Sinn verleihen kann.
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Tokyo Year Zero von David Peace

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“Ton-ton-ton”, dröhnt es durch das zerstörte Tokyo, unablässig wird gehämmert um die Stadt nach den Bombenangriffen der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg wieder aufzubauen. „Gari, gari, gari“ ist das Geräusch des Kratzens auf der Haut, die fast schon unbewusste Reaktion auf das unerträgliche Jucken aufgrund der Hitze, der Moskitostiche und des Schmutzes. Im August 1946 ist Japan am Ende, die Niederlage seit einem Jahr besiegelt, Tokyo ist besetzt von den Amerikanern, und die japanische Bevölkerung kämpft ums Überleben.

In dieser Zeit der Verzweiflung, der Demütigung, des Hungers und der Angst wird ein Verbrechen entdeckt, der Mord an einer jungen Frau, und bald stellt sich heraus, dass ein Serienmörder Tokyo und Umgebung heimsucht. Inspektor Minami wird mit dem Fall beauftragt, und Inspektor Minami ist das Guckloch, durch das der Leser diese Epoche des Schmerzes und der Not erfährt – und erleidet.

Vielleicht hat fragt man sich manchmal, wie man sich in der Haut eines Anderen fühlen würde und David Peace ermöglicht dem Leser genau das. Durch die kraftvolle, originelle Schreibweise wird ein erstaunlicher Grad an Unmittelbarkeit des lesenden Erfahrens erreicht. Die Sprache ist abgehackt, Sätze wiederholen sich, das Denken ist wie ein Stottern, eingetrichterte Phrasen tauchen monoton aus dem Unterbewusstsein auf. Der Leser merkt sehr schnell: Minami ist fertig, er hat Angst, er hat unerträglichen Stress. Vielleicht schreibt man das anfangs noch der Situation in der Nachkriegszeit zu, aber schnell wird klar, dass etwas in Minamis Vergangenheit lauert, etwas, das ihn zu verschlingen droht, das stark ist, vielleicht stärker ist als er.

Der letzte Band meiner persönlichen Japan-Trilogie ist von einem Briten geschrieben und führt noch weiter in die japanische Vergangenheit zurück, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Vielleicht ist die Situation Tokyos im Jahr 1946 mit der Berlins vergleichbar; wenn man das Buch als Deutscher liest fühlt man sich jedenfalls an die Nachkriegszeit in Deutschland erinnert. Zwar ist das Grauen der Kriegsverbrechen in und im Ausgang von Deutschland nicht erreichbar, aber auch von japanischer Seite aus wurden Kriegsverbrechen verübt und in beiden Fallen ist es der Einzelne, der Schuld auf sich geladen hat und damit leben muss. Und in beiden Fällen leidet die Zivilbevölkerung – und vor allem die Frauen, die immer das letzte Opfer des Krieges sind.

So ist es nur folgerichtig, dass auch Frauen das Opfer dieser Serie von Verbrechen sind. Ein Verbrechen – was macht eine Tat zu dieser Zeit zu einem Verbrechen? Das Buch beginnt am Tag der Niederlage, an dem um 12 Uhr die Erklärung des Tenno verlesen wurde. Genau an diesem Tag wird das erste Opfer des Serienmörders entdeckt und ein alter Zwangsarbeiter wird aufgefunden und im Schnellverfahren auf grausame Art gerichtet. Allerdings erfolgt die Tötung erst nach der Ansprache des Tenno und entzieht der Handlung der beiden Kempeitai, der japanischen Militärpolizei, damit jede gesetzliche Grundlage: schnell wird aus einer Hinrichtung ein Mord. Gemordet, gefoltert, vergewaltigt wurde auch in Zeiten des Krieges, und diese Unmoral wird in die Nachkriegszeit hinübergeschleift. Viele Mitglieder der Kempeitai tauchen unter, bekommen unter neuem Namen Posten bei der Polizei, sie werden gedeckt und ihre Verbrechen unter den Teppich gekehrt. Das organisierte Verbrechen reorganisiert sich und verschafft sich durch Bestechung Unterstützung durch die Polizei. Die Bevölkerung ist verzweifelt und rücksichtslos, Frauen prostituieren sich für Essen, Gewalt ist überall. Moralisch ist Tokyo ein Sumpf, aus dem wie eine stinkende Blase ein einzelner Verbrecher, der Serienmörder, hervorblubbert. Und auch wenn die Morde brutal und abschreckend sind, so scheint der Alltag durch die Augen Minamis gesehen nicht weniger erschreckend. Und die Vergangenheit, die sich im Unterbewusstsein Minamis nach oben kämpft, droht noch viel monströser zu sein, als die Taten des Mörders.

Es ist kein Vergnügen dieses Buch zu lesen, aber die Lektüre ist absolut fesselnd, faszinierend und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Das Buch ist mehr als ein Krimi, ich würde es als Literatur bezeichnen; und es ist auch mehr als Literatur, weil es einen Blick in die Vergangenheit evoziert, bzw. einen Blick in die Psyche eines Anderen. Man muss sich immer wieder daran erinnern, dass das Buch nicht von einem Japaner geschrieben wurde, denn man hat die ganze Zeit das Gefühl von Authentizität, von einem Fenster in die japanische Seele zu dieser Zeit. (Ich würde wirklich gerne wissen, wie ein japanischer Leser die Lektüre empfindet!!) Auch wenn der Protagonist zutiefst gestört ist - so gestört, dass man zu Ende des Buches gezwungen wird zu hinterfragen, was geschehen ist – der Eindruck von Authentizität bleibt, von der Alltagserfahrung, von der Angst, der Demütigung, der Resignation und den kurzen, hoffnungsvollen Momenten des Aufbäumens, des Menschseins.
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Miyuki Miyabe: All she was worth

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Tokyo Trilogie, die Zweite. Und wir gehen ein paar Jahre in der Zeit zurück. „Real World“ spielt in der Gegenwart, „All she was worth“ ist zeitlich angesiedelt im Japan der 90er Jahre.

Der Protagonist ist ein Polizist, Honma, der nach einer Schussverletzung für einige Zeit den Dienst quittiert. Er lebt mit seinem Sohn in einem Mietshaus am Rande Tokyos, seine Frau ist bei einem Autounfall gestorben. Befreundet ist er mit einem kinderlosen Ehepaar, der Ehemann, Isaka hilft ihm im Haushalt, kocht manchmal und ist der Hauptgesprächspartner Honmas. Honma schleppt sich mit seinem kaputten und schmerzende Knie durch den ereignislosen Alltag.

Der Besuch eines Neffen, den er lange nicht gesehen hat, durchbricht Honmas Routine. Der junge Ju, ein Banker aus guten Verhältnissen, vermisst seine Verlobte und bittet Honma, sie für ihn zu suchen. Honma stimmt nach einigem Zögern zu und beginnt den mageren Hinweisen nachzugehen. Die Geschichte taucht nun in die Gegenwart Japans in den 90ern ein, eine Zeit, die von Konsumrausch und Verschuldung gezeichnet ist, vom Willen zum eigenen Haus, von der Sucht nach Luxusartikeln, vom systematischen und gedankenlosen Leben über den eigenen Verhältnissen, das mit dem Überziehen der Kreditkarte beginnt und beim Kredithai endet. Der Ausweg aus der Schuldenspirale ist nicht selten Selbstmord, oder, nach der Kreditreform, die Privatinsolvenz.

Als Ju für seine Verlobte Shoko eine Kreditkarte beantragen möchte, erfährt er, dass auch sie den Weg der Privatinsolvenz gegangen ist, und vermutet seine Entdeckung als Auslöser für ihr Verschwinden. Aber Honma entdeckt Widersprüche bei seinen Ermittlungen und schnell kommt er dahinter, dass Ju´s Verlobte eine fremde Identität angenommen hat. Empört und verletzt zieht Ju den Auftrag zurück und nun macht Honma allein weiter, getrieben von dem Wunsch, das Schicksal der echten Shoko zu enthüllen und die Unbekannte, die deren Namen und Familienregister verwendet, zu finden.

Die Schilderung seiner Suche ist realistisch und die Ermittlungen Honmas sind weit davon entfernt, spektakulär zu sein. Honma schlägt sich mit den Tücken der Verwaltung und mit unfreundlichen Empfangsdamen herum. Die Fortschritte, die er macht, sind minimal, die Indizien, die er findet, sind Alltagsdinge.

Trotzdem ist das Buch spannend und diese Spannung speist sich aus dem Schürfen und Suchen Honmas, das den Fall vorantreibt, das überhaupt erst diesen Fall konstituiert. Ohne Honma gäbe es diesen Fall nicht, Shoko wird nicht vermisst und die Frau, die Ju´s Verlobte war, ist spurlos verschwunden. Honmas kleine und eher unscheinbare Erfolge werden vom Leser genüsslich miterlebt und er wird mit Honma zusammen in den Bann dieser Suche gezogen - und gleichzeitig in das Japan der 90er Jahre.

Während Honma sich unablässig und geduldig von Hinweis zu Hinweis hangelt, Kleinigkeiten nachgeht und Gespräche führt, taucht der Leser in den japanischen Alltag ein. Er lernt die Besonderheiten des japanischen Familienregisters kennen, bekommt Hintergrundinfos über das Kreditwesen in Japan, erfährt etwas über japanische Arbeitsverhältnsisse und bekommt Einblick in unterschiedliche soziale Schichten und Milieus. Und ihm wird bewusst, dass in der Millionenstadt Tokyo Menschen einfach so verschwinden können. Im Buch wird einmal erwähnt, dass der Einzelne früher nur im Verbund der Familie zählte, und auch in der japanischen Gegenwart scheint dies in einem weiter gefassten Sinn noch zu gelten. Ohne Angehörige, ohne enge Freunde, ist niemand da, der die Erinnerung an eine Person bewahrt.

Und so ist Honmas Handeln auch der Versuch, die Verschwundenen dem Vergessen zu entreißen, die wenigen Erinnerungen an sie zu finden, die Vergangenheit der Frauen ans Licht zu holen. Die Spuren dieses Falls liegen alle in der Vergangenheit, bei alten Freunden, Ex-Ehemännern, Arbeitskollegen. Und sie liegen in den Relationen zu Anderen, die immer bestehen, so einsam das Individuum auch ist, oder sein will. Honma selbst baut auf diesen Relationen auf, erneuert sie oder knüpft neue.

Das Individuum und seine Bindung an Andere, und die Veränderung dieser Bindung ist eines der wesentlichen Themen in diesem Buch. Die Veränderung betrifft vor allem die Struktur der Familie, auf die immer wieder zurück gekommen wird. Honmas Familie ist nach dem Tod seiner Frau zerbröckelt, aber in Isaka und seiner Frau findet er eine neue Art von Familie. Die verschwundenen Frauen hatten beide keine Familie mehr. Das Schicksal der echten Shoko ist in dem Moment besiegelt, in dem ihre letzte Angehörige stirbt, und die Unbekannte selbst ist getrieben vom Wunsch, die Bindung an die eigene Familie auszulöschen. So stellt sich das Moment Familie letztlich als Auslöser der gesamten Handlung heraus.

Alles in allem ist „All she was worth“ eine echte Empfehlung für Krimileser, die sich für Japan interessieren, oder auch für solche, die einen Blick in eine andere Gesellschaft werfen möchten. Und es macht Lust auf weitere Bücher von Miyuki Miyabe.
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Natsuo Kirino: Real World

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Das Japan der Vorstädte ist ein kalter, unverständlicher Ort. Vielleicht ist die gesamte japanische Gesellschaft ein solcher Ort. Mit dem Krimi „Real World“ holt die Autorin Natsuo Kirino die Gedanken von vier japanischen High School Mädchen an die Oberfläche und präsentiert sie dem irritierten Leser, ohne ihm das Verhalten der Mädchen wirklich erklären zu können. Die Welt der Mädchen bleibt seltsam fremd und unwirklich, trotz oder gerade auch wegen der Klischees, die der Leser wieder erkennt – wobei das wirklich beunruhigende die dämmernde Erkenntnis ist, dass es sich hier vielleicht gar nicht um Klischees handelt, sondern um die Wirklichkeit – the real world. Und ich frage mich, ob das nur mir als nicht-japanischem Leser so geht.

Die vier Mädchen hängen in einem Netz von familiären Erwartungen und sozialen Rollen, arrangieren sich und kämpfen gleichzeitig dagegen an, während sie sich selbst in diesem engmaschigen Netz suchen. Und sie flüchten, in erfundene Identitäten, in gedankenloses Vergnügen oder in intellektuelle Arroganz. Sie suchen Kontakt zu einander, ohne zu echter Offenheit bereit zu sein, und fühlen sich dementsprechend unverstanden. Dieser Kern aus Verlorenheit und Einsamkeit reicht nicht aus, um ihnen Halt zu geben in dem immer undurchsichtiger werdenden Chaos, in dem sich Phantasie und Wirklichkeit zu einem gefährlichen Brei vermischen.

Vielleicht wäre das labile Mischmasch in ihren Persönlichkeiten ohne Auswirkungen geblieben und hätte sich irgendwann in ein langweiliges aber einigermaßen stabiles Leben aufgelöst, wären sie nicht mit dem Mord an einer Nachbarin Toshikos, einer der vier Freundinnen, konfrontiert worden. Vor allem werden sie mit dem Mörder konfrontiert, dem gleichaltrigen Sohn der Frau. Die Tat wirkt brutal und sinnlos und weckt die Sensationslust der japanischen Medien genauso wie die morbide Neugierde der japanischen Jugendlichen, die im Internet schnell eine Kultgemeinde bilden.

Mit einer Routinebefragung durch die Polizei beginnt sich die Spirale zu drehen. Toshiko verschweigt den Ermittlern, dass sie den Sohn, zu dem sie eigentlich bisher keinen Kontakt hat, und dem sie gedanklich den Spitznamen Worm gegeben hat, kurz nach der Tat gesehen hat, und dass er später ihr Fahrrad und ihr Handy geklaut hat. Sie hat keinerlei Motiv dazu, es scheint eine bloße Laune zu sein, eine Reaktion auf die überheblichen Polizisten, eine spontane pubertäre Verweigerungshaltung. Dann wird sie und ihre drei Freundinnen von Worm angerufen, weil sich ihre Nummern in Toshikos Handy befinden. Und plötzlich sind die vier Mädchen Komplizen, die einen aktiv, die anderen passiv, aber alle sind sie beteiligt und keine von ihnen findet unbeschadet aus der Sache heraus.

Worm ist ein Looser, der dem Druck der mütterlichen Erwartung und dem Konkurrenzkampf in der Schule nicht standgehalten hat. Er streift nach der Tat ziel- und planlos durch die Umgebung Tokios und flieht sich in eine Traumwelt voller Gewalt- und Freiheitsphantasien. Auch die Erwartungen der Mädchen, die auf ihn ihre eigenen Probleme projizieren, kann er nicht erfüllen, aber er ist auch nicht der eigentliche Protagonist der Story. Es ist als ob Worm durch diese eine Tat all sein Aktionspulver verschossen hat. Letztlich wird er zum Instrument degradiert, er ist der Fluchtpunkt, in dem sich die vier Mädchen treffen und sich trotzdem nie nah sind, über den sie zur Selbsterkenntnis kommen und in dessen Abgrund sie schließlich gezogen werden. Aber der Abgrund steckt tief in ihnen selbst, in der Verstrickung in unterschiedliche Rollen und / oder dem unidentifizierbaren Kern.

Aus fünf verschiedenen Perspektiven erzählt Kirino die Geschichte, lässt die vier Mädchen und Worm zu Wort kommen, lässt sie sprechen, schauspielern, sich in Szene setzen und resignieren. Jedes der vier Mädchen hat ein individuelles Problem, und jede geht anders damit um, als sie im Zusammenhang mit Worms Tat gezwungen werden, sich damit auseinander zu setzen. Die einzelnen Erzählperspektiven sind gleichzeitig Hinweis auf die Vereinzelung der Mädchen, die während des gesamten Buches fast ausschließlich telefonisch in Verbindung stehen und die wir nur aus gegenseitigen Schilderungen und Selbstreflexionen kennen lernen. Erst am Ende des Buches entsteht eine direkte Kommunikation zwischen Toshi und Yuzan und die plätschert an der Oberfläche und besiegelt die vergebenen Chancen.

Kirino erweckt nie den Eindruck das Schicksal von vier ungewöhnlichen Mädchen zu feiern. Ihre Sprache ist einfach und klar und ihr Darstellung macht deutlich, dass Toshiko und ihre Freundinnen den ganz normalen Durchschnitt der japanischen Jugend repräsentieren. Genau das ist das Beunruhigende an diesem Buch, denn es suggeriert, dass ziemlich viele japanische Jugendliche genau die gleichen Probleme haben und ähnliche Fluchtmöglichkeiten suchen, wie die vier Mädchen. Gewalt schreckt nicht ab, sondern fasziniert und das ist etwas, das die jungen Japaner sicher mit dem Rest der Welt teilen. Eine ungesunde Faszination.
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Kärntner Krimipreis

Money

Jetzt ist also die Anthologie zum Kärntner Krimipreis 2008 erschienen - lauter Geschichten rund um Scheine, den schönen Schein und das ganze Kaleidoskop von Haben und Nicht-Haben und Haben-wollen. Ich bin sehr gespannt, was den Autoren zu diesem Thema eingefallen ist. Denn eigentlich sollte man ja meinen, dass das Thema Geld im Zusammenhang mit Krimis ziemlich ausgereizt ist. Ich bin aber zuversichtlich, dass das eine oder andere Aha-Erlebnis oder auch die kleinere oder größere Überraschung bevorsteht.

Die größte Überraschung meinerseits fand jedoch nicht auf inhaltlicher Ebene statt, sondern ergab sich in der realen Welt, und wurde hervorgerufen durch eine E-Mail in der mitgeteilt wurde, dass mein Beitrag Eingang in diese Anthologie findet, ... .
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In the Woods von Tana French; oder

inthewoods Ein Krimi und das Psychogramm des Krimilesers

Der Köder für den Leser ist simpel und äußerst effektiv. Es handelt sich um einen Fall aus der Vergangenheit, der alles beinhaltet, was die Neugierde und morbide Sensationslust eines Krimilesers reizt. Im Jahr 1984 verschwinden in einem Wald in der Nähe von Dublin drei zwölfjährige Kinder. Nur ein Junge wird später aufgefunden, ein weiterer Junge und das Mädchen bleiben verschwunden. Seltsame Schnitte in der Kleidung des Jungen und sehr viel Blut an seinen Schuhen lassen das Schlimmste befürchten. Und das Schlimmste tritt ein: die beiden Kinder werden nie gefunden. Es gibt keine Spuren, keine Verdächtigen, keine Motive. Und der gefundene Junge kann sich an nichts erinnern.

Sofort bricht eine Welle von Erwartungen und Assoziationen durch den ohnehin nur schwach gesicherten Grübeldamm des geneigten Krimilesers. Die ersten Vermutungen nehmen Gestalt an, die ersten Rekonstruktionen formieren sich. Der Krimileser ist in seinem Element – und Tana French kennt dieses Element genau. Und sie weiß vor allem welche Knöpfe sie jetzt drücken muss, damit aus dem Schwall von Vermutungen ein wahres Feuerwerk wird.

Der Krimi spielt in der Gegenwart und der Protagonist Ryan ist genau der kleine Junge, der 1984 verschwunden und ohne Erinnerung wieder aufgetaucht ist. Die Erinnerung ist noch immer nicht zurückgekehrt, aber Ryan kann damit leben. Genaugenommen ist er gar nicht scharf darauf, sich an etwas zu erinnern. Der Krimileser kann das naturgemäß nicht nachvollziehen, aber das Buch hat ja auch gerade erst angefangen. Ryan ist Polizist geworden. Aha. Nein, wieder daneben. Er will nicht seinen eigenen Fall lösen, ihn fühlt sich von der Arbeit an sich angezogen. Der Krimileser zuckt mit den Schultern. Wer es glaubt, … .

Von wegen glauben oder nicht glauben, trauen und nicht trauen. Ryan berichtet ganz zu Beginn von dem gespaltenen Verhältnis des Polizisten zur Wahrheit. Er sucht die Wahrheit. Aber um sie zu finden, lügt er. Der Krimileser vergisst den Spruch zwar im ersten Drittel des Buches wieder, aber er wird schnell daran erinnert. Von Tana French, die weitere Köder einstreut, kleine Anmerkungen fallen lässt, manchmal subtil, manchmal offensichtlich, die den Gedankenwirbel in Gang setzt, bis er sich schneller und immer schneller dreht. Genaugenommen ist dieses Buch Manipulation auf allen Ebenen, aber der Krimileser wird ihr das am Ende nicht übel nehmen. Genaugenommen tut sie nichts außer die Fantasie des Lesers anzustacheln, den Rest erledigt der Leser allein. Er rennt ganz allein in sein Verderben - und zwar genau so wie es auch Ryan tut. Zwar ist die Manipulatorin in seinem Fall bösartiger als im Fall des Lesers (nehmen wir jedenfalls mal zugunsten Tana Frenchs an), aber er und der Leser wissen später genau, dass es ihre eigene Paranoia war, die sie bis hierhin getrieben hat. Das ist eines der wunderbaren Merkmale dieses Romans: die Parallelität von Autorin und einer ihrer Figuren, von Ryan und dem Leser. Der Leser erlebt auf einer anderen Ebene genau das, was der Protagonist erlebt.

Die weitere Besonderheit ist das Spiel mit zwei wesentlichen Merkmalen des Whodunit: die Suche nach Wahrheit und die Sehnsucht nach der Heilen Welt. Groß geschrieben. In Bezug auf die Wahrheit ist der Whodunit als literarisches Genre in einer prekären Situation: er soll langsam die Wahrheit enthüllen, ohne den Leser zu betrügen. Etwas platt ausgedrückt löst French den Knoten durch massive Ablenkung. Sie beschäftigt den Leser intensiv mit anderen Dingen, und so übersieht er so manches. Tatsächlich ist die Ablenkung nur in einem Aspekt voluminös, in vielen anderen Aspekten ist sie fein wie ein Federkitzeln, sie ist verästelt, psychologisch, emotional. Was den Leser so beschäftigt, sind vor allem die vielen Fäden zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die gesponnen werden. Da ist zuerst einmal die Ähnlichkeit des Falls, den Ryan bearbeiten soll: ein zwölfjähriges Mädchen wird ermordet, in der Nähe des Ortes, an dem auch die beiden Kinder damals verschwunden sind. Dann taucht aber auch Cassie als Partnerin in Ryans Leben auf, genauso plötzlich wie Jamie damals verschwand und mit ihr und dem Kollegen Sam zusammen scheint Ryan die Zeit nachzuholen, das er mit Jamie und Peter vielleicht verlebt hätte. Und es sind die Zweifel, die gesät werden. Ryan hieß früher Adam. Das Leben Adams vor den Geschehnissen ist so gut wie ausgelöscht, fast scheint es sich um zwei Personen zu handeln. Das Moment der Schizophrenie taucht kurz auf. Die Versuche Ryans sich zu erinnern verlaufen ebenfalls zwiespältig. Kann er den Bildern trauen, die sein Gedächtnis plötzlich einspielt? Kann er sich trauen?

Das andere Moment, die Heile Welt, ist das eigentliche Ziel des klassischen Whodunit, und steht im Hintergrund jeder Lösung eines Falls. Der Polizist hat die Aufgabe, die verborgene Ordnung aufzudecken; er fegt die Schatten weg, die das Licht ausgesperrt hatten. Die Heile Welt ist das ewige Ziel, der heilige Gral. Und sie ist eine Chimäre. Irgendwie weiß das der Leser. Und French macht ihm klar, dass er es weiß. Sie indiziert Illusionen beim Leser, Illusionen, die auch Ryan pflegt. Sie bringt es ganz nah, das Leben wie aus einer Erinnerung, einer Erinnerungen an eine Jugend, eine Jugend voller Freundschaft, Leichtigkeit, unangestrengten Herumgammelns, flapsiger Sprüche. Freundschaft voll blindem Vertrauen, die etwas Besonderes ist und aus den Freunden etwas Besonderes macht. Die alte und vielleicht allen bekannte Sehnsucht nach dem Zwilling, die im Buch immer wieder kurz aufblitzt, steht für diese Art von Freundschaft. Nie mehr allein sein, sich ohne Worte verstehen. Erinnerungen an eine Zeit, die vorbei ist, wenn man erwachsen wird. Sehnsüchte, die man überwinden muss, wenn man erwachsen werden will. Und der Leser sowie auch Ryan sind am Ende des Buches erwachsen. Tana French ist schonungslos, wenn sie beiden den Spiegeln vorhält. Und ihnen genau die Illusionen wieder nimmt, die sie zuvor mit beiden Händen wie Flitter verteilt hat.

Am Ende des Buches verlassen Ryan und der Leser den Wald, blinzeln und reiben sich die Augen. Mit dem Wald verschwinden die Schatten, aber auch jedes Geheimnis, das das Leben so intensiv macht. Das undurchdringliche, unübersichtliche Grün weicht der offenen, gradlinigen Schnellstraße. Aber während Ryan begreift und akzeptiert, hofft der Leser bis zum Schluss. Bis zuletzt kehrt er zurück und sucht im kleinen Rest vom Dickicht. Mit der Zerstörung des Waldes fegt Tana French den Platz leer, aber trotzdem bleibt eine kleine, dunkle Stelle, und die befindet sich im Kopf des Lesers. Und ob der sich davon lösen möchte, bleibt seine eigene Entscheidung.
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Trunk Music; Michael Connelly

trunk-music

Ein Polizisten-Krimi. Los Angeles. Ein erfahrener, harter Detective, der seinen Pappenheimer kennt. Der sich mit dem FBI anlegt, mit anderen Abteilungen, oder einfach mit jedem, der ihm an den Karren pissen will. Der keine Angst vor Konsequenzen hat. Der keinem traut. Der sich nicht bestechen lässt und auch nicht auf den Glitter von Hollywood hereinfällt.

Hört sich an wie ein altbekanntes Klischee? Ist es. Harry Bosch ist der Protagonist einer Reihe von Krimis von Michael Connelly und er scheint in seinem Serienleben schon so einiges mitgemacht zu haben. Für mich war es die erste Lektüre und trotz allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt.

Der Plot twistet hin und her. Er ist kompliziert, aber nicht so kompliziert, dass man den Faden verliert. Man hat zumindest immer das Gefühl, auf gleicher Höhe mit dem Team zu sein, zu dem neben Bosch die schwarze Karriere-Frau Kizmin Rider und der erfahrene Altbulle Jerry Edgar. Ein Typ wird tot in einem Kofferraum gefunden, die Art und Weise deutet auf Mafia hin; dazu kommt, dass es ein Billig-Porno-Produzent ist, und im Laufe der Zeit deutet alles darauf hin, dass hier Geld für die Mafia gewaschen wurde. Allerdings ist das nicht die einzige Richtung, in die ermittelt werden kann, und am Ende kommt eigentlich doch alles anders, als man denkt.

Die Ermittlung wird detailreich beschrieben, manchmal kommt man sich vor, als würde man eine CSI-Folge lesen. Daneben wird der Polizeialltag beschrieben, realistisch, unromantisch, und ohne große Illusionen zu beschwören. Harry Bosch macht Fehler, trifft manchmal falsche Entscheidungen, ist in bestimmten Dingen subjektiv. Und genau dieses Moment macht den Krimi meiner Meinung nach auch lesenswert. Auch wenn die Noir-Reminiszens deutlich ist, wird Bosch nicht unbedingt zum tragischen Helden. Er ist einfach ein Rädchen im Getriebe, jemand der versucht, seine Arbeit richtig zu machen. Jemand, der sich aus Gründen, die vielleicht in den früheren Folgen näher beschrieben wurden, für die LAPD-Mordkommission entschieden hat und versucht, das Beste daraus zu machen. Wenn das heroisch ist, meinetwegen. Langweilig ist es jedenfalls nicht.

Der Leser erlebt alles aus der Perspektive von Bosch, nimmt an seinen Überlegungen teil, an den Gedanken über die Kollegen, an seinen Zweifeln und manchmal auch an seinen Ängsten. Bosch ist down to earth, er weiß, was er erwarten kann und womit er rechnen muss. So geht es auch dem Leser mit Bosch – allerdings lässt Bosch auch manchmal ein irrationales Moment aufblitzen, das teilweise in Gewalttätigkeit resultiert. Die Irritation des Lesers hält sich allerdings so in Grenzen, das Vertrauen in Bosch und seine stabile Seelenlage bleibt betonfest.

Natürlich kann ich nicht sagen, wie sich Bosch in den früheren Krimis so geführt hat, und ob die Features, die ich in „Trunk Music“ interessant fand, auch dort eine wesentliche Rolle gespielt haben. Vermutlich werde ich auch nie ein großer Harry-Bosch-Fan. Aber dieses Buch bietet eine unterhaltsame Lektüre, während der der Leser den Eindruck bekommt, dass Michael Connelly als Autor genauso integer und solide ist, wie Bosch als Detective. Aus diesem Grund ist der Stil manchmal etwas hölzern, was aber durchaus zum Krimi passt. Wahrscheinlich wären poetische Ausflüge hier auch fehl am Platz.
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Gisa Klönne

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Von Gisa Klönne habe ich jetzt den zweiten Band gelesen. Nach "Der Wald ist Schweigen" folgte vor kurzem "Unter dem Eis". Eine deutsche Krimiautorin. Es war mehr so etwas wie ein Experiment, denn ohne es zu beschönigen, ich präferiere nicht-deutsche Krimiautoren, egal ob aus England, USA, Frankreich oder Spanien. Hauptsache nicht Deutschland. Warum schwebt über deutschen Krimiautoren dieses Vorurteil von Langeweile oder klinischer Konstruktion? Oder bilde ich mir das nur ein? Ein Vorurteil?

Hauptmotiv für die Wahl von Gisa Klönne war jedoch der seltsame Wunsch mal wieder etwas in deutscher Sprache zu lesen, was heißen soll, einen Krimi in deutscher Sprache, der nicht übersetzt, sondern von Anfang an in deutscher Sprache formuliert wurde. Und es sollte nicht unbedingt Schätzing sein, den ich bisher erfolgreich ignoriert habe. Kurzes Probelesen in der Buchhandlung meines Vertrauens lenkte mich zu "Der Wald ist Schweigen" und damit sollte es so sein.

"Der Wald ist Schweigen" ist dem Vorurteil gemäß ein typisch deutscher Krimi. Der Fall ist nicht besonders spektakulär und könnte auch in jedem Tatort verhackstückt werden. Eine Leiche wird in einem Hochsitz im Bergischen Land gefunden, es gibt Verdächtige aus verschiedenen Bereichen, es gibt außereheliche Verhältnisse, falsche Fährten und ein Mörder, der sich auch dem Krimileserlaien bereits früh erschließt. Nein, der Fall an sich war es nicht, der mich auch den Folgeband hat lesen lassen.

Es sind die Figuren, aber auch Gisa Klönnes Art zu schreiben. Zuerst die Hauptfigur, eine Komissarin, die mal zur ersten Garde gehörte, sich aber durch einen unbewältigtes Erlebnis selbst ins Abseits geschossen hat. Judith Krieger ist eine zerissene Persönlichkeit, die wir durch die Augen eines rookies, Manfred Korzilius, kennen lernen, der jung, ehrgeizig, idealistisch, rational ist. Er verfolgt die ihm aufgezwungene Partnerschaft mit Krieger misstrauisch und bewundernd zugleich, hat Angst, von ihr in den Abgrund gerissen zu werden, aber ist auch bereit, sich von ihr mitreißen zu lassen. Und der Leser kann das nachvollziehen. Irgendwann beginnt man, mit der Krieger mitzuleiden, zu hoffen, dass sie es packt. Man erlebt die tour de force mit, durch die sich Judith Krieger kämpft, beobachtet mit der Besorgnis des geneigten Lesers, wie sie zurück in den Sumpf gezogen wird, und hofft auf die wenigen Erfolgserlebnisse wie auf ein strahlendes Comeback. Das am Ende dieses Comeback nicht wie selbstverständlich folgt, ist eine der Stärken des Krimis.

Im zweiten Band bleibt diese Verbundenheit mit der Protagonistin. Judith Krieger wird mit einem Erlebnis aus ihrer Jugend konfrontiert, einem Erlebnis, das so normal und alltäglich ist, das es vermutlich jeder nachvollziehen kann bzw. die meißten es bereits aus der einen oder anderen Perspektive erlebt haben. Ein Erlebnis, das bei vermutlich jedem eigene und ganz persönliche Erinnerungen weckt. Es ist in Bezug auf den Plot eines Romans aber auch ein Erlebnis, das einen Riss erzeugen kann, der in manchem Fällen im Laufe der Zeit immer tiefer wird und manchmal in einer Katastrophe endet. "Unter dem Eis" verbindet zwei Fälle, die nichts miteinander zu tun haben, auf subtile Weise durch ein übergeordnetes Thema und schlägt so die Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart, von Judith zu Manni, vom Erwachsenen zum Kind. Manche Dinge ändern sich eben nicht und manchmal ist diese Erkenntnis erschreckend. Korzilius erlebt dabei sein eigenes Trauma, was die Figur aus dem rookie-Klischee des ersten Bandes entlässt. Die Figur bekommt in diesem Band Ecken und Kanten, erste Spuren für die Bildung einer Persönlichkeit.

Auch das Geschehen selbst ist im zweiten Band gelungener, weil facettenreicher und origineller. Das schwierige Thema eines Kindermordes im zweiten Band wird ohne Pathos, aber mit viel Empathie beschrieben. Hin und wieder kann auch Klönne hier Klischees nicht vermeiden, aber auch das Leben ist manchmal voller Klischees.

Die Sprache ist in beiden Krimis emotional, bildreich, voller Assoziationen. Die Formulierungen regen die Phantasie an, sind eindringlich und machmal fast poetisch. Die Figuren sind liebevoll und realistisch gezeichnet, der Ausdruck ihres Denkens und Fühlens passt zu den dargestellten Typen.

Habe ich übrigens erwähnt, dass die Romane in und um Köln herum spielen? Regionalkrimis sind ein schwieriges Thema und machen manchmal einen Krimi eher kaputt als dass sie ihm nützen. Hier ist es aber eher so, dass der Rheinländer sich freut, wenn er etwas wieder erkennt und dem Rest der Leserschaft der Bezug zu Köln eher egal sein kann. Die Krimis funktionieren auch ohne expliziten Regionalbezug sehr gut.

Der dritte Band heißt "Nacht ohne Schatten" und wird sicher auch demnächst in meinem Bücherregal stehen.
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Donnerstag, 24. September 2009

Die Zeit, London und ich

Hydepark

Wohin ist nur die Zeit verschwunden? Erst Sonntag sind wir nach London gefahren, standen auf dem Bahnhof in Köln, mit dem obligatorischen Frühstück auf dem Bahnsteig vor Städtereisen, saßen dann schon im Zug nach Brüssel und starrten aus dem Fenster, bevor wir uns den mitgebrachten Netbooks widmeten. In diesem Moment war ich mir noch nicht bewusst, dass die Zeit an mir vorbei fliegen würde, so dass ich sie vergessen habe, über dem pdf-Dokument, im Zug nach Belgien. In Belgien hatten wir mehr Zeit als genug, weil wir den Eurostar erst zwei Stunden später gebucht hatten. Also haben wir unsere Koffer in ein Schließfach gesteckt und sind über den Markt vor dem Gare Midi gelaufen, durch die guckende und kaufende Menge, vorbei an zu bunten Klamotten aus Kunstfasern für zehn Euro, an rohem Fleisch und Bergen von Gemüse. Die Zeit flog hinter uns her, während wir im Eurostar durch den Tunnel sausten und ich wieder lesend vergaß, dass die Zeit existiert. In London holte sie uns ein, und wir drängelten uns gemeinsam mit den Londonern und den Touristen durch Soho und Covent Garden an diesem sanften Sonntagabend, an dem alles so leicht und schwebend schien – bis, ja bis wir in der Pizzeria saßen und mir kalt wurde. Mein Hals schmerzte auf dem Weg zurück ins Hotel und jeder, der mir entgegenkam blockte mich wie ein nervendes Hindernis.

Dann stand die Zeit still in dieser Nacht, in der ich nicht schlafen konnte, in der dunkle Wolken von Begriffen in meinem Kopf steckten, Probleme, die ich nicht verstand und deren Sinn vor mir schwand in Richtung eines Horizontes, den ich nie einholen würde. In den klaren Momenten fragte ich mich, ob ich den Rest dieser Kurzreise im Bett verbringen würde und versuchte gleichzeitig, nicht über Konsequenzen nachzudenken, die mich nur noch mehr aufwühlen.

Irgendwann war die Nacht vorbei, und ab da war die Zeit immer vorne weg. Sie lief ohne sich umzublicken, während ich den Morgen im Bett verbrachte und versuchte mich gesund zu schlafen. Am Nachmittag schlich ich wie eine alte Frau über die knallige und laute Oxford Street, und flüchtete zurück zum Hotel und in die ruhige Weite des Hyde Park, wo ich in der schwachen Nachmittagssonne auf einer Bank saß und Kaffee trank. Hier schien die Zeit ein wenig zu verweilen, sie war mit mir, als ich zur Orangerie des Kensington Palace spazierte und die sorgfältig abgerundeten Buxbaumhecken fotografierte, um die gediegene Unaufgeregtheit eines englischen Nachmittags festzuhalten. Die Zeit hielt Schritt im versunkenen Garten, wo sich die sprühenden Tropfen der Fontänen im aufblitzenden Licht der Sonne brachen und der Herbst die Blumenbeete eroberte. Am See verabschiedete sich der Sommer in Form der letzten aufgeklappten Liegestühlen, deren gestreifte Sitze vom Wind zu Bogen geblasen wurden.

Als wenn sie über Nacht neuen Treibstoff getankt hätte, flog die Zeit am Tag darauf und entfernte sich immer weiter von mir. Sie tanzte vor uns her in Camden, wo wir sie schnell zwischen Taschen aus Kunstleder, schwarzer Gothik-Spitze und quitschigem Harajuku-Kitsch verloren haben. Als wir im Spitalfield Market nur noch beobachten konnten, wie die Händler die Waren mit beiden Händen von den Stangen schoben und in große Taschen verstauten, zeigte mir die Zeit den erhobenen Zeigefinger und begann sich zu drehen, schneller und schneller. Der Wirbel riss mich durch die verheißungsvolle Abgewracktheit der Bricklane und schleuderte mich zu Seven Dials, wo die Zeit entgültig in den sternförmig angelegten, von Schaufenstern gesäumten und mit Menschen verstopften Straßen verschwand.

Am nächsten Tag schnippte sie mit den Fingern und zauberte uns zurück auf den Bahnhof in Brüssel, wo ich mir die Augen rieb und mich fragte, ob ich wirklich schon fortgewesen bin.

Sonntag, 2. August 2009

die 68er und die heutige Jugend

Gestern saßen wir bei wunderbarem Wetter auf einer sehr schönen Terasse mit Blick auf die waldreiche Umgebung und haben mit einer netten und altersgemischten Gruppe gegrillt. So ab 0 Uhr kamen dann plötzlich politische und gesellschaftspolitische Themen auf den Tisch, also zu einer Zeit und mit einem Alkoholpegel, wo man das vielleicht doch lieber unterlassen sollte. Und so kam dann auch der Ausspruch, auf den man eigentlich in einem solchen Zusammenhang immer wetten kann: die Jugend von heute bringts nicht. Wenn man mal an die 68er denkt, was die noch alles geleistet haben...

Gestern konnte ich nur einwerfen, dass die 68er die letzte Generation war, die nicht mit dem Fernsehen sozialisiert wurden, aber heute mittag, bei Licht betrachtet, wird mir auf einmal die ganze Ungerechtigkeit der o.g. Phrase deutlich. Ich möchte die soap- und castingsüchtigen Internetsurfer unter 20 nicht in Schutz nehmen, aber muss sich die Jugend von heute wirklich mit den 68er vergleichen lassen?

Genaugenommen waren die 68er doch genauso eine Spassgesellschaft wie die heutige Jugend und darüber hinaus lag die Effizienz der 68er allein in der Entwicklung neuer sozialer und individueller Lebensformen, also genau das, was die 00er auch für sich suchen. Die 68er trafen sich unter sehr allgemeinen Schlagworten wie "Frieden" zu Happenings und Demos, aber mir kann niemand erzählen, dass der Großteil von den Teilnehmern mit dem Ziel dorthin gegangen ist, seine politischen Ansichten zu diskutieren - sie wollten Leute kennenlernen, sie wollten dazugehöhren, und sie dachten, dass auf Demos in sexueller Hinsicht die Luzie abgeht.

Und diese politischen Schlagworte, die oberflächlich solche Veranstaltungen klassifizierten, waren nicht nur so allgemein, dass sie fast schon als leer gelten konnten, sie waren auch völlig unreflektiert und schon fast wieder gefährlich. So wurden dort politische Systeme als Alternativen propagiert, die sich im nachhinein als brutale Ditkaturen herausgestellt haben, deren Verschleiß an politischen Gegnern den Nazis nur wenig nachstanden. Ich glaube, in diesem Moment ist mir eine Jugend lieber, die sich nicht für Politik interessiert, als eine Jugend, die ohne zu überlegen einen Schlächter wie Ho Chi Minh glorifiziert.

Was war also so politisch an diese Generation? Jemand wie Rudi Dutschke, der sein Horkheimer-Adorno-Vokalbular genussvoll zelebriert hat, und seitenlange Phrasen von sich gegengeben hat, die niemand verstanden hat und die ihre Bedeutung wahrscheinlich unterwegs irgendwann mal verloren haben? Die 68er waren genauso vom Personenkult geprägt wie die Generation vor ihnen (Gott bewahre) und die Generationen nach ihnen. Personenkult ist nie gut, ob es sich nun um Rudi Dutschke und Andreas Baader handelt oder um Paris Hilton und Dieter Bohlen.

Wenn man böse ist, kann man auch lapidar feststellen, dass die einzige politische Wirkung, die die 68er hatte, über die RAF vermittelt war, und darin bestand, dass Gesetze verschärft wurden und Personenrechte eingeschränkt wurden. Und wenn wir gerade bei der RAF sind, kann niemand ernsthaft behaupten, dass dies eine Option für die heute Jugend ist, sich politisch zu betätigen, wobei nicht vergessen werden sollte, dass die RAF auch ihre (vielleicht anfangs mal irgendwann in der Person von Meinhof bestehenden) politischen Ziele gerne und umgehend zugunsten ihres eigenen Personenkults und um ihres eigenen Fortbestandes willens völlig vergessen haben und sinnentleert munter drauflos geballert haben.

Schließlich kann man sich auch fragen, wer denn die 68er, dieses ominöse Schlagwort, überhaupt kreeiert und glorifiziert hat, und da fällt mir spontan die Bildzeitung ein.

Schließlich, womit kann man die "Jugend von heute" überhaupt vergleichen? Eine echte Jugend gab es doch erst im 20. Jahrhundert. Vorher haben die Kinder auf den Höfen ihrer Eltern gearbeitet oder nach der industriellen Revolution in den Fabriken gearbeitet, wenn sie 10 Jahre alt waren. Also, wo sind die Vorbilder für die 00er, die in dieser Zeit entstanden sind? Die Hitlerjugend? Ganz toll. Also bleiben eigentlich nur die völlig überbewerteten, ineffizienten und spassorientierten 68er und wenn das die einzige moralische Bastion ist, gegenüber der sich die 00er verteidigen müssen, dann kann das keine große Herausforderung bedeuten.

Sonntag, 17. Mai 2009

Abitreffen - eine Analyse

Grundsätzlich war es mir egal, ob dieses Treffen sich materialisiert oder nicht. Das Abitur ist 20 Jahre vorbei, das ist ein halbes Leben, und in den letzten 20 Jahren ist mehr oder zumindest genauso viel passiert wie in den ersten 20 Jahren, also erzähle mir niemand, dass Nostalgie sich zu diesem Zeitpunkt lohnt. Eine Zeitlang war ich auch recht entschlossen, der illustren Gesellschaft meine unbarmherzige Analyse zu ersparen, dann überwog jedoch die Neugier und die nackte Angst, etwas zu verpassen. So hatte ich das Ereignis dann auch lange erfolgreich verdrängt, unterbrochen nur durch lästige E-Mails von Oliver Thiel, der personifizierten Zusammenführung zerbrochener Familien und verdrängter Freunde. Letzte Woche Montag war es dann aber soweit, dass die Zugfahrt und die Übernachtung bei den Eltern organisiert werden musste. Die sich anschließende, vielleicht typische Entwicklung einer Woche vor einem Abitreffen bestand aus folgenden Phasen:

Phase 1: Boasting - ich bin die allergrößte, mein Privatleben ist der Hammer, beruflich bin ich super erfolgreich, ich bin total zufrieden, ich habe sehr interessante Hobbies, selbstbewusstes Lächeln, gespieltes Interesse am Werdegang des Anderen, mitleidige gefakte Begeisterung (nein, Du bist beim Finanzamt, das ist ja großartig, wirklich großartig).
Phase 2: Understatement - die natürliche Reaktion auf so viel Angeberei ist die Intuition, dass das nur Leute machen, die es wirklich nötig haben. Also wird folgende Strategie entwickelt: so wenig wie möglich von sich erzählen, Beziehung - ja, Beruf - ja, Sachbearbeitung, Du weißt ja, vage Handbewegung, man entwickelt sich schon irgendwie und jeder geht seinen eigenen Weg.
Phase 3: Outfit - was soll ich anziehen? Lasse ich mich wirklich dazu herab, mir etwas neues für diesen Anlass zu kaufen? (Im Vertrauen, ich lasse nie eine Gelegenheit zum Einkaufen aus, wenn sich auch nur eine schwammige Gelegenheit andeutet. Natürlich habe ich etwas zum Anziehen gekauft.)
Phase 4: Verweigerung - das ist mir alles zu blöd, ich habe überhaupt keine Lust und werde nicht fahren.
Phase 5: Resignation und Laissez faire: läuft schon irgendwie.

Schlussendlich steht man schließlich in diesem Lokal, sieht sich um und erkennt niemanden. Ein Haufen völliger Fremder steht herum, umarmt sich, redet hektisch, stößt künstliche Freudenschreie aus - nein, du auch hier - sucht nach Anknüpfungspunkten und einem Gesprächsbeginn, der nicht stereotyp ist - und, was machst du jetzt? - während die Augen hin und her flackern, immer auf der Suche nach neuen alten Bekannten. Ich trolle mich zu den Leuten, die ich kenne, weil wir eben immer noch befreundet sind, und stelle aus diesem sicheren Hafen heraus kurzen Kontakt her zu leuten, die ich nicht mehr kenne, weil wir noch nie befreundet waren. Zu diesen Gelegenheiten stelle ich interessiert fest, dass manche Leute hinsichtlich der Strategienfindung entweder in Phase 1 oder spätestens in Phase 2 steckengeblieben sind, und darüber ist es kurios zu sehen, wie bei den ganzen Fremden der/die 19-jährige durchschimmert, der/dem man nach dem Ende des gemeinsamen Lebensweges ohne größeres Bedauern den Rücken zugekehrt hatte. Als wenn dieser Fremde, der vor einem steht und versichert, dass er alles richtig gemacht hat, nur eine Hülle für diesen kleinen, nicht totzukriegenden, Homunculus ist, der für immer und ewig im Jahr 1989 feststeckt. Das liegt natürlich daran, dass ich diese Homunculus suche und rufe, wie den Djinn aus der Lampe, aber ich bekomme eine Gänsehaut, als mir bewusst wird, dass alle anderen das bei mir auch tun. Das ist das Schlimme an Klassentreffen: das Jetzt zählt nicht, man wird in alle Ewigkeit auf die unfertige 19-jährige reduziert, die vor 20 Jahren Abitur gemacht hat.

Vielleicht die lustigste Bemerkung an diesem Abend, deren Komik ich aber erst später begriffen habe, so dass ich noch nicht mal beleidigt reagieren konnte: K (das bin ich), auch Du hast doch Deine Nische gefunden. Tja, so ist das wohl. Ich Nischenkind.

Freitag, 8. Mai 2009

Ouagadougou

Luxemburg, Liechtenstein, Schweiz, Österreich, Ouagadougou. Peer Steinbrück hat mal wieder mit näselndem Tonfall und norddeutscher Direktheit tief in den Topf mit dem Glitsch gegriffen, den er immer schlechter von seinen Händen abbekommt. Ich habe mich erst gefragt, ob Ouagadougou beleidigt ist, weil die Hauptstadt in einem Atemzug mit einem Schurkenstaat wie Luxemburg genannt wurde, aber tatsächlich ist Luxemburg jetzt beleidigt, weil es überhaupt genannt wurde. Die Schweiz hat ja schon lange ein Einreiseverbot für deutsche Finanzminister ausgesprochen, und sieht sich jetzt außerdem mit Fragen der schweizer Identität konfrontiert, bzw. mit der Abgrenzung zur deutschen Mentalität, was sehr amüsant zu lesen ist. Liechtenstein hat die Nase voll von unrühmlicher Publicity und Österreich versteht die Welt nicht mehr.

Verstehen wir Herrn Steinbrück noch? Tatsächlich habe ich eine gute Meinung von Herrn Steinbrück, was mit meiner derzeitigen Tätigkeit zusammenhängt, obwohl er mir bzw. der Institution in der ich arbeite, in Bezug auf genau diese Tätigkeit oft einen Strich durch die dreimal überprüfte und mit schönen Worten angereicherte Rechnung macht. Zwar kann ich nicht wirklich beurteilen, ob das zukunftsperspektivisch alles Sinn macht, was Herr Steinbrück in den letzten 3,8 Jahren so propagiert und realisiert hat, und in Bezug auf die Abwrackprämie habe ich ernsthafte Zweifel, zumindest hat er aber ganz gut angepackt und malocht.

Und da ich mich für einen direkten Menschen halte, sind mir auch die Direktheiten von Anderen nicht unsymphatisch und sehr viel lieber als das Hintenrumtaktieren und Aufsglatteisführen manch anderer Zeitgenossen. Allerdings bin ich auch für ein gewisses Mindestmaß an Höflichkeiten und gegen das beliebige Assoziieren unschuldiger afrikanischer Hauptstädte mit der finanziellen Achse des Bösen. Und so langsam gräbt sich mein momantaner Finanzministerfavorit eine Grube, in die er ganz schnell ganz tief fallen kann und aus der ihm niemand wieder hinaushelfen wird. Ich sehe schon vor mir, wie sie alle am Rand der nämlichen Grube stehen und bedauernd nach unten schauen, wo der Peer mit Lehm auf der Brille und den Füßen im Wasser die Arme nach oben reckt. Ich muss jetzt leider zum Friseur, wird die Angela sagen, ich muss jetzt leider zum Obama, wird Frank-Walter sagen, und: das Sauerland ruft, wird der Franz murmeln. Und weg sind sie, und der Peer auch. Ich überlege ernsthaft, ob ich dem Peer mal eine E-Mail schreibe, in der ich meine fachliche Zuneigung bekunde und ihn bitte, doch einfach mal ein bisschen relaxter zu werden, damit wir auch in der nächsten Legislaturperiode noch viel Spass mit ihm haben können. Oder ahnt er schon, dass es dazu gar nicht mehr kommen wird und lässt jetzt einfach den ganzen Frust raus, bevor ihm keiner mehr zuhört?

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